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Alle Jahre wieder, so auch dieses Jahr:
Autoren-Osterkalender 2020


Joe hasste Ostern.

Ostern war echte Sauregurkenzeit. Einer von vielen Gründen, warum Joe Ostern hasste. Gab nichts zu klauen, es sei denn, man war lebensmüde. Waren ja alle zu Hause und gingen sich auf die Nerven. Undenkbar, da ein Ding abzuziehen.
Die Gutbürger saßen alle um den Tisch und fraßen vor lauter Langeweile, bis ihre Hosenknöpfe absprangen. Das hätte Joe auch gerne, aber er war abgebrannt. Total blank und nirgendwo ein Job zu finden.
Vor lauter Verzweiflung hatte er bei Mike in der Kneipe nachgefragt, ob er nicht an der Theke helfen könne oder ob kleine Botengänge zu machen waren, aber Mike hatte nur gelacht.
„Ostern ist hier zu. Kommt sowieso keiner, wozu also aufmachen. Außerdem ist mein Kleiner jetzt 6 Jahre. Da will ich das Ostereiersuchen noch mal genießen. Lang können wir ihm nicht mehr sagen, dass der Osterhase die Eier bringt.“ Er lachte schallend, gab Joe noch eine Zigarette und kümmerte sich wieder um seine Bestellungen. Als Joe schon an der Tür war, fiel Mike noch was ein. Er kritzelte schnell einige Worte auf einen Bierdeckel, den er wie ein Ufo zur Tür segeln ließ. Joe fing den Bierdeckel geschickt auf, las die Worte und murmelte ein flüchtiges Danke, bevor er die Kneipe verließ.

Oo~~oOo~~oO

Draußen schüttelte er sich angewidert. Was sollte aus dieser Menschheit werden, wenn man sie schon im Kindesalter anlog. Obwohl Ehrlichkeit einen auch nicht weiter brachte. Sah man ja an ihm. Jedes Jahr aufs Neue erinnerte Ostern ihn an seine beschissene Kindheit. Mit sechs Jahren hatte man ihn längst nicht mehr hinters Licht führen können.
Joe verzog verächtlich die Nase.
Daran ist wohl das Kinderheim schuld, dachte er. Geschenke zu Ostern an Heimkinder waren nicht üblich. Dafür war nie genug Geld da, also hatte man die Kinder schnell aufgeklärt, damit auch ja keiner Ansprüche an die Schwestern stellen konnte. Tat auch keiner, bis auf die Frischlinge vielleicht, aber spätestens im nächsten Jahr wussten auch die, dass hier nichts zu holen war.
Sein Magen knurrte und erinnerte ihn daran, dass eine ausreichende Mahlzeit schon lange her war. Unwillig knurrte er zurück, es interessierte den aber nicht die Bohne. Jetzt half nur noch die Armenspeisung bei den Pinguinen von St. Helens. Das hatte er zu vermeiden versucht. Sie gaben zwar reichlich und es schmeckte sogar, was nicht alltäglich war bei freiwilligen Essensspenden, aber sie rückten es nur raus, wenn man deren Gottesdienst mitmachte.
Joe war Atheist. Gäbe es einen Gott, hätte er eine Villa auf dem Berg und einen Stall voll Hasen darin, wie Hugh Hefner, fand er. Dann würde ihn auch ein Altar auf dem Klo nicht stören. So aber war Singen und Beten zu etwas, was man nicht greifen konnte, seiner Ansicht nach Blödsinn hoch zehn.
Joe kramte in der Tasche, in die er den Bierdeckel gesteckt hatte. Vielleicht bot der eine Möglichkeit, die Gebete der Pinguine auszulassen.

Oo~~oOo~~oO

Die Adresse, die Mike auf den Bierdeckel geschrieben hatte, war nicht weit entfernt. Joes Magen entschied für ihn und seine Schritte wurden schneller. Als er um die letzte Ecke bog, blieb er kurz stehen, um sich das Haus und die Umgebung anzusehen. Eine Angewohnheit, die ihm schon öfter den Hintern gerettet hatte. Enge Bebauung, drei Geschosse, im Erdgeschoss war ein Kostümverleih, darüber gutbürgerliche Wohnungen. Dass sie gutbürgerlich waren, konnte man an Gardinen und der Auswahl an Topfpflanzen erkennen. Alles in allem also sicher, fand er. Schnellen Schrittes, sich nur mit Mühe bremsend, damit er nicht rannte, legte er die letzten Meter zurück und betrat das Geschäft. Eine altmodische Glocke bimmelte den Besitzer aus dem unübersehbaren Kostümverleih.
„Sie wünschen?“
„Mike schickt mich. Sie hätten einen Job?“
„Oh, ja. Das ist ja prima. Sie schickt der Himmel.“
Wohl eher der Hunger, dachte sich Joe, hielt aber die Klappe, da er befürchtete, es würde den Lohn senken, wenn man seine Not bemerkte.
„Was soll ich machen und was bringt das ein?“, knurrte er.
Der Mann nannte eine Summe, die ausreichen würde für die nächsten drei Tage oder wenn Joe sparsam war, zumindest bis nach Ostern, wenn die Geschäfte wieder liefen. Joe nickte zustimmend und gab damit dem Mann den Startschuss für seine Erklärung.
„Ich habe einen Auftrag vom Kaufhaus in der Gartenstraße, aber mir ist ein Mitarbeiter ausgefallen. In einer Stunde schon hätte der da sein sollen. – Komm mit nach hinten, dann zeig ich es dir.“ Der Mann tauchte so schnell in den Gängen zwischen den Kostümen unter, dass Joe Mühe hatte, ihm zu folgen. Vorbei an Zombies und Vampiren, mit Blut und ohne, folgte er dem Mann gefühlt durchs halbe Märchenreich. Plötzlich stoppte der Inhaber so abrupt, dass Joe ihn anrempelte und nicht sah, was der Mann da aus der Menge zog. Er konnte nur etwas Plüschiges in braun erkennen.
„Hier, das müsste passen. Zieh es mal an.“
„Was’n das?“
„ROGER RABATT, der Sonderangebotshase.“
„’n Karnickel?“ Joe schnaufte abwertend durch die Nase.
„Kein Karnickel … ein SON-DER-AN-GE-BOTS-HA-SE.“ Der Mann betonte jede Silbe. „Das Kaufhaus hat einen Mann für Werbezwecke bestellt.“ Er grinste breit. „Hab denen meinen Hasen angeboten, wo doch bald Ostern ist. Haben sie auch gleich geschluckt. Toll nicht?“
Erwartete der Typ tatsächlich Lob?
„Das zieh ich nicht an. Ich mach mich doch nicht zum Vollhorst!“
„Ohne Kostüm kein Geld.“
„Wenn mich meine Kumpel darin sehen, kann ich mich auf der Straße nicht mehr blicken lassen. Vergessen Sie’s.“
„Papperlapapp. Wie soll man Sie erkennen, wenn Sie das hier auf haben?“ Der Mann griff in eine Tasche, die der Osterhase an der Seite hatte und zog eine Maske heraus. Die beiden großen weißen Vorderzähne blinkten auf im Schein der Neonfunzel an der Decke. Übergroß wie alles an der Maske, von Augenwimpern über Apfelbäckchen und riesigen Augen. In die Pupille hatte man Löcher geschnitten, damit der Träger sah, wo er hinlief.
Joes Magen knurrte wieder.
Elender Verräter.
„Lang nichts gegessen, was?“ Scheiße, der Mann hatte es gehört. „Zieh das Kostüm doch einfach an. Dort hinten …“, der Mann deutete den Gang entlang nach hinten, „… ist ein Spiegel. Wenn du fertig bist, komm nach vorn, dann geb ich dir die Adresse und eine Anzahlung. Wenn du dich beeilst, kannst du dir auf dem Weg noch was zu essen kaufen.“ Sprach’s und verschwand in die Richtung aus der sie gekommen waren.
„Muss es ausgerechnet ein Karnickel sein?“, brüllte Joe dem Mann hinterher?
„Ein Haaase! – Und ja, es muss!“
Joe nestelte mit spitzen Fingern den Haken aus dem Kostüm und zog sich um. Es war ein Overall, der an der Seite Tascheneingriffe hatte für Portemonnaie oder Taschentuch. In einer Plastiktüte, die um den Bügel gebunden war, fand er noch die passenden Überschuhe, plüschige Hasenpfoten mit Gummizug, so dass sie über jeden Schuh passten. Joe probierte ein paar Schritte und geriet ins Trudeln, als die Riesenkralle eines Fußes unter seinen Schuh geriet. Hilflos ruderte er mit den Armen und griff blind in die Kostüme, die reißende Geräusche abgaben, konnte sich jedoch gerade noch abfangen.
Selbst schuld, wenn die jetzt kaputt sind, dachte er sich und sandte einen bösen Blick in die Richtung, in die der Besitzer verschwunden war. Der Penner hätte ihn ja auch warnen können, wie leicht man sich auf die Schnauze legen konnte, wenn die Krallen unter den Schuh gerieten.
„Ist alles ok?“, wollte der Inhaber wissen.
„Ja, ja. Moment noch!“, rief Joe zurück.
„Scheiß Hetzerei. Was macht man nicht alles, wenn man Hunger hat“, brummte Joe. „Wehe, wenn mich wer erkennt. Dann komm ich zurück und mach den Kerl zum Regenwurm. Wird sich bestimmt so ein Kostüm finden lassen.“ Missmutig stapfte Karnickel Joe zum Spiegel und war überrascht.
Es war nichts, aber auch gar nichts zu erkennen. Zumindest, wenn er die Handschuhe, die er in der anderen Tasche gefunden hatte, über seine Hände zog. Sie hatten Fell außen auf dem Handrücken und ein dünnes Netzgewebe innen, dass sich so dehnen ließ, dass auch seine Pranken hineinpassten. Gut so, so würde keiner sein Tattoo sehen. Dabei waren die Handschuhe sehr bequem und er konnte noch alles greifen. Joe war beruhigt. Wäre ja noch schöner, wenn ihn wen erkennen würde. Den Namen würde er nie wieder los. Er konnte das schadenfrohe Gegacker jetzt schon hören.
Nun gut, er würde das machen. Der Verdienst war gut, sehen konnte ihn keiner, wenn er nicht die Maske abnahm. Was sollte schon passieren.
Joe suchte den Besitzer des Kostümverleihs auf, ließ sich die Instruktionen geben und war eine Viertelstunde später auf der Gasse.

Oo~~oOo~~oO

Am Kiosk an der Ecke hielt er an und testete seine Verkleidung. Schon von fern hatte er gesehen, dass nur die alte Karin hinterm Tresen stand. Sie kannte ihn gut genug, würde ihn, falls sie ihn erkannte, sicher nicht verpfeifen.
„Bier!“
„Willste nicht lieber ein Möhrchen?“ Die Alte kicherte sich schlapp. Unfassbar!
„Bier, aber zackig, sonst komm ich rüber und schieb dir das Möhrchen sonstwohin.“ Joe war stinkig.
Karin konnte er damit nicht erschrecken; sie war Härteres von ihrer Stammkundschaft gewohnt. Gelassen öffnete sie den Kühlschrank, griff nach einem Pils und stellte es ihm vor die Nase.
„Was soll das? Mach es auf!“
„Nutz doch deine Zähnchen“, kicherte Karin, holte aber den Öffner.
Joe griff nach der Flasche und versuchte zu trinken.
„Verdammt!“, die Hälfte des Biers hing im Fell. Ohne die Maske zu heben, ließ sich das Bier nicht trinken. Der Geruch stieg ihm in die Nase und machte ihn wütend. So kurz vor der Erfüllung seiner Wünsche und dann …
„Darf ich Ihrer hochwohlgeborenen Lordschaft einen Strohhalm kredenzen?“ Karin konnte sich kaum halten vor Lachen.
„Muss wohl. Gib schon her, das Ding.“ Joe funkelte die kichernde Karin an, aber durch die Maske verpfuffte seine Wut.
„Was willste? Das ist der neuste Schrei im Karnickelbau.“ Karin japste nach Luft über ihren Scherz.
Auf seinen Frust hin ließ er sich noch ein zweites und ein drittes Bierchen geben, danach besserte sich seine Laune und er zog weiter.
Karin hatte ihn bis zum Schluss nicht erkannt, und das war Sinn der Übung. Die Maske saß und sein Magen hatte was zu tun. Bestens.

Oo~~oOo~~oO

Am Kaufhaus angekommen hielt er sich an die Anweisungen und suchte den Personaleingang.
Der Pförtner war wohl schon informiert und griff bei seinem Anblick gleich nach dem Telefonhörer.
„Herr Müller, das Karnickel ist angekommen.“
„Der Haaase, du Vollpfosten.“
Joes Einwand ignorierend telefonierte der korpulente Pförtner weiter. „Ja, ich bring ihn hin. Bis gleich!“ Er legte auf, dann drehte er sich zu Joe um: „Wer hier der Vollpfosten ist, wird spätestens am nächsten Spiegel klar. Und jetzt komm mit. Herr Müller, der Inhaber will dich sehen.“
Na warte, wenn ich aus dem dämlichen Kostüm raus bin.
Der Pförtner schnaufte, während er Joe durch ein wahres Labyrinth von Gängen führte. Joe versuchte sich alles zu merken, aber die Hasenmaske hatte nur sehr kleine Löcher zur Orientierung und so verlor er diese recht schnell.
Waren das jetzt zwei links und drei rechts und dann die Treppe hoch oder ein Gang links und zwei rechts, bevor es wieder links zur Treppe ging? Verdammter Irrgarten.
Während er noch überlegte, stoppte der Pförtner vor einer großen, grauen Stahltür. Dort drehte er sich um. „Hier ist dein Einsatzbereich. Herr Müller wird dich empfangen. – Wenn du aufs Klo musst, dass ist hier rechts. Wage es ja nicht, auf die Kundentoilette zu gehen. Die ist für Kunden und nicht für so abgeranzte Fellbeutel.“ Der Mann öffnete die Stahltür und gab Joe einen Schubs, dann knallte er die Tür mit Schwung wieder in die Angeln, dass Joe zusammenzuckte. Es erinnerte ihn an die Türen im Knast. Der gleiche scheppernde Laut, den er hassen gelernt hatte.

Oo~~oOo~~oO

Joe sah sich um. Geschenkabteilung links, Schmuck geradeaus, Süßwaren rechts.
Lange hatte er nicht, da kam auch schon ein geschniegelter Verkäufer auf ihn zu und hielt ihm die Hand hin. „Müller, ich bin der Geschäftsführer hier. Und Sie sind der Hase, den mir Hans geschickt hat?“ Er tanzte einmal um Joe und murmelte ständig Worte wie: „Perfekt!“ oder „Hätte ich meinem Schwager nicht zugetraut, aber das könnte klappen.“ Einmal fasste er an Joes Hinterteil und Joe machte einen Satz, um sich in Sicherheit zu bringen. Herr Müller hatte Glück, dass er keine gewischt bekam. „Meine Güte, ist der Puschel aber niedlich.“
Wohl vom anderen Ufer, was? Der soll nur seine Griffel bei sich behalten, sonst knallt’s.
Es dauerte eine Weile, dann hatte Herr Müller sich endlich wieder im Griff. Er zog Joe zu einem Regal mit Pralinen.
„Das hier“, er deutete stolz auf ein Pralinenregal, „sind unsere neusten Leckerlis.“ Herr Müller griff in ein Regal und holte ein glitzerndes Osterei hervor und öffnete es. Darin lag eine ganze Lage kleinerer Ostereier. „Eine neue Sorte Pralinen, die jetzt in die Verkostung kommt. Trüffel und feinster Likör, extra in Eierform, weil doch Ostern ist. Und was passt da besser, als die Eier von einem Hasen servieren zu lassen.“ Herr Müller kicherte, als hätte er schon zu viel von seinen Schnapspralinen gekostet.
„Die Arbeit ist ganz einfach: Sie füllen die Pralinen auf dieses Tablett …“, wo hatte er das denn jetzt her, fragte sich Joe, als Herr Müller mit einem Silbertablett wedelte. „… dann bieten Sie diese den Kunden an. In den Beutel hier können Sie die Pralinen füllen, Nachschub ist hinter diesem Tresen. Einfach den Beutel über den Kopf ziehen; die Henkel sind lang genug. – Selbstverständlich dürfen Sie auch einmal probieren, aber zuerst kommen die Kunden. Um 12 Uhr können Sie einen halbe Stunde Mittag machen. Um 20 Uhr schließt das Geschäft. Dann müssen Sie draußen sein, sonst werden sie eingeschlossen.“ Er kicherte haltlos, als hätte er einen riesigen Scherz gemacht. Dann gab es nichts mehr zu sagen und er verschwand, um andere Angestellte mit seinen Scherzen zu unterhalten.
Joe stöhnte.
Na das dürfte ein Scheißtag werden. Gehetzten Kunden die Drecksdinger andrehen und sich von quengligen Gören an seinen Hasenschwanz ziehen lassen. Konnte eine Arbeit ätzender sein?
Was hatte ihn nur geritten?
Schnapsidee.
Hey ja, kicherte er, als das Wortspiel ihm auffiel. Eine echte Schnapsidee.
Dann wurde er wieder ernst. Was hatte Herr Müller noch gesagt? Da war Likör drin? Da würde er noch aufpassen müssen, dass die nicht kaputt gingen.
Kagge.
Joe suchte nach anderen Verkäufern, aber bis auf die zugemalte Ziege am Schmuckstand konnte er keinen in seiner Nähe erblicken. Die Kasse war am Ende des Stockwerks, gleich neben der Rolltreppe und von mehreren Säulen verdeckt. Er war allein. Ein Plüsch-Karnickel zwischen lauter Glitzerkram. Wenn das seine Kollegen wüssten.
Eine Klingel ertönte. Joe wusste nicht, was das bedeutete, aber er fand es spätestens heraus, als die ersten Kunden in den Laden stürmten, als gäbe es kein Morgen. Der Tag ging los.

Oo~~oOo~~oO

Einige Stunden später drückten die drei Bierchen vom Kiosk. Es ging auf Mittag zu und die Massen hatten sich etwas verzogen. Waren wohl alle auf Nahrungssuche. Die Gelegenheit war günstig und Joe suchte die Toilettenräume auf. Erst als er vor dem Pissoir stand merkte er, dass das Hasenkostüm keinen Eingriff hatte. Er fluchte, dann suchte er eine der Kabinen auf. Dort zog er sich auch die Kapuze vom Kopf und kam schweißnass und wie erschossen zum Sitzen.
Alter, ist das ein Scheißjob. Dieses beschissene Rumstehen. Wie machen das nur die Weiber aus der Parfümerie, die aus ihren Miefinseln nie rauskommen? Frauen sind wohl doch anders.
Erstmal sitzend merkte er, wie schwach sich seine Beine anfühlten. Vielleicht sollte er das Angebot von Herrn Müller annehmen und die Pralinen mal probieren. Er war ja nicht so für Süßkram, eine Salami war ihm eigentlich lieber. Aber Salami gabs auf dem Stockwerk nicht und Schokolade sollte doch die Nerven beruhigen, sagte man.
Er änderte etwas die Haltung auf der Toilette, dabei kullerte eine der Pralinen aus der Jutetasche mit Werbeaufdruck des Kaufhauses, die ihm Herr Müller um den Hals gehängt hatte. Joe griff danach und probierte.
Oh holla, da hat einer aber mit Alkohol nicht gespart.
Eingebettet in eine hauchdünne Schicht Schokolade ergoss sich beim Draufbeißen auf die Praline ein ganzer Schwung Kirschwasser, so viel, dass sich Joe fast verschluckte und husten musste. Er riss erstaunt die Augenbrauen hoch. Nun war seine Neugier geweckt. Er griff noch einmal nach dem Papier. Vier Farben fand er, rot, blau, grün und gelb. Ok, rot hatte er gehabt, dann würde er jetzt die blaue probieren.
Die blaue Praline entpuppte sich als Pflaume in Wodka. Die grüne war Maracuja-Rum, die gelbe Marc de Champagne. Alle übelst lecker. Joe konnte sich nicht entscheiden, welche wohl besser schmeckte und startete den Versuch erneut. Und noch ein paar Mal mehr.
Als er seinen Posten wieder einnahm, war der Beutel fast leer. Joe wackelte zum Tresen, um seinen Beutel wieder zu füllen. Dabei schwankte er leicht, aber er tröstete sich damit, dass die Mittagspause ja nah war.

Oo~~oOo~~oO

Den Imbiss neben dem Kaufhaus hatte er beim Kommen schon bemerkt. Dort würde er eine schnelle Currywurst futtern, nahm er sich vor. Die würde seinen leichten Schwips schon bekämpfen.
Der Verkäufer musst jedoch verliebt gewesen sein. Die Wurst war so verbrannt, dass er nur noch die Hälfte essen konnte und die Pommes waren versalzen und stanken nach ranzigem Fett, dass seine Haltbarkeit um ein Vielfaches erreicht hatte. Das gab Durst, also gönnte er sich zwei weitere Bierchen, eins, um den miesen Geschmack loszuwerden und das zweite für den Durst, den die Pommes verursachten.
Zurück am Arbeitsplatz war der ranzige Geschmack von den Pommes immer noch auf seiner Zunge. Also bekämpfte er den mehr oder weniger erfolgreich mit weiteren Pralinen. Das Zählen hatte er eingestellt, auch die Testläufe. Irgendwie waren sie alle gut, fand er und auf einmal war der Job auch längst nicht mehr so ätzend, wie er noch am Vormittag gedacht hatte.
Joe fand langsam Gefallen an Ostern.
Gegen 15 Uhr schien es fast, als hätte der Kindergarten früher zugemacht, so viele Familien mit Kindern von maximal acht bis zehn Jahren kamen auf einmal in das Kaufhaus.
Eine Familie mit Vater, Mutter und Grundschulkind lief vorbei.
„Ey Sie, ’sch hab hier was Leckeres. Mussen Sie probiern, echt lecker.“ Joes Stimme wackelte genau wie sein Gang, als er auf die Frau zuhielt, die schnell ihr Kind aus dem Weg zog. Kurz noch hörte er etwas zischeln, was wie „Unerhört“ klang, dann waren die Familie um die Ecke.
Er startete einen neuen Versuch, seine Pralinen an den Mann zu bringen. Joe griff mit vollen Händen in die Auswahl, tapste dem eben verschwundenen Mann hinterher und schob ihm die Pralinen in die Jackentasche.
„Bei dem Drachen kannste die volle Dröhnung gebrauchen“, flüsterte er so laut, dass man es auch eine Regalreihe weiter noch hören konnte und zwinkerte dem Mann unter der Maske zu. Der hechtete pikiert seiner Frau hinterher.
Joe drehte sich grölend um und schlug sich mit den Hasenpranken auf die Oberschenkel, während er sich vor Lachen schüttelte.
Eine andere Kundin passte nicht auf, und so griff er eine Handvoll Pralinen, um sie ihrer sechsjährigen Tochter in den Anorak zu schieben. Der Abend dürfte lustig werden, fand er. Zu schade, dass er das nicht mehr mitbekommen würde, aber er gönnte es der kleinen Göre. Er hätte sich zumindest über die Schokolade gefreut.
Weil ihm langweilig wurde, schlenderte er für ein kleines Gespräch zu der Schmuckverkäuferin, die auf einmal längst nicht mehr so angemalt aussah. Das entpuppte sich überraschenderweise als überaus interessant.
„Mein Name ist Chantal. Ich bin jedes Jahr zu Ostern und Weihnachten hier“, verriet sie. „Da machst du die besten Umsätze. Wenn hier um 20 Uhr der Hammer fällt, dann geht der alte Müller von Kasse zu Kasse und holt die Beutel mit den Einnahmen ab. Wir zählen nur das Wechselgeld raus. Das bleibt in der Kasse, damit es morgen Früh schneller geht. Den Rest legt man in den Tresor. Gezählt wird erst morgen, wenn das Stammpersonal wieder da ist.“
„Und wie viel Wechselgeld habt ihr hier so?“
„Normal sind zweihundert, aber vor den Feiertagen wird auf dreihundert erhöht.“
Joe versuchte kurz durchzurechnen, wie viel Wechselgeld dann in den Kassen verblieb, aber sein leicht benebeltes Hirn verweigerte den Dienst. Erst wollte er Chantal fragen, wie viel Kassen in dem großen Haus waren, entschied sich aber dagegen. Weiber konnten doch nie die Klappe halten.
Ist aber auch egal, wird auf jeden Fall ausreichen für eine flotte Sause, grinste er.
Joe überlegte, ob er Chantal einladen sollte, den Abend mit ihm zu verbringen. An Feiertagen merkte er immer besonders, dass er keinen mehr hatte, der mit ihm feiern wollte. Großzügig bot er Chantal einige seiner Pralinen an, doch sie meinte, sie wäre allergisch gegen Alkohol.
Allergisch? Gibts das denn?
Joe fragte nach.
„Ach weiß du, ich krieg dann immer so rote Flecken im Gesicht. Ich seh jedesmal aus wie ein Streuselkuchen.“ Chantal kicherte.
Joe war entsetzt. Chantal merkte es nicht, da die Maske sein entsetztes Gesicht verbarg, aber sie hatte sich gerade den Lover abgeschossen. Das fehlte gerade noch. Eine "Puppe" musste zum Angeben taugen, gut im Bett sein und die Klappe halten können. Aufs „Klappe halten“ hätte er großzügig verzichten können. Er hatte sowieso nicht vor, zu lange mit Chantal zusammen zu sein. So jedoch hatte sie das mit dem „Angeben“ gerade gekillt. Er würde das "Bett" also nie testen können. – Eigentlich schade, aber bestimmt besser so.
Weiber machen sowieso nur Ärger.
„Du Chantal, ich muss wieder meinen Job tun. Bis nachher.“ Er winkte kurz mit seiner Tatze, dann zog Joe sich zurück, als hätte ihn eine Schlange gebissen.
Während er wieder zu seinem Pralinenregal schlenderte, brummte er: „Wie blöd ist das denn?“ Er konnte sich gar nicht beruhigen. „Was soll ich mit einer Flamme, die keinen Alkohol verträgt.“
Das konnte man wohl getrost als „Stichflamme“ bezeichnen, die schnell wieder ausgepustet war. Vielleicht wäre es Zeit gewesen, sich eine andere Aufreißmasche auszudenken, aber Joe dachte nicht daran. Wozu, es hatte bisher immer geklappt, wenn er seine Weiber auf einen Drink eingeladen hatte. Irgendwann konnten sie nicht mehr laufen, dann bot er seine Bude zum Übernachten an. Der Rest war Geschichte. Zumindest meistens klappte es.
Joe tröstete sich erneut mit einigen Pralinen. Die waren aber auch so was von lecker.

Oo~~oOo~~oO

Während er seine Pralinen anbot, lief sein Hirn auf Volllast. Die Sache mit dem Wechselgeld ging ihm nicht mehr aus den Gedanken. Was wäre, wenn er sich einschließen ließ und dann in aller Ruhe die Kassen lehrte? War nur die Frage, wie er wieder aus dem Haus kam, aber da würde ihm sicher was einfallen. Er überlegte.
Vielleicht als Putzmann. Geld in einen Sack und ab durch die Mitte. Aber hatten die überhaupt Männer, die putzten? Vermutlich würde er auffallen. Putzen war Weiberarbeit, fand er. Und nach einem dämlichen Karnickel in eine Kittelschürze zu schlüpfen war nun echt zu viel des Guten.
Durch ein Fenster? Ach nee, die hatten bestimmt eine Alarmanlage. Zu blöd, dass er nicht darauf geachtet hatte, als man ihn durch die Gänge geführt hatte.
Ob er als Ablenkung seine Kumpels anrufen könnte? Besser nicht. Erstens sähen sie ihn dann im Karnickelkostüm und zweitens würden sie was abhaben wollen von der Beute. Und das kam nun überhaupt nicht in die Tüte. Schließlich hatte er den ganzen Tag hier das gammelige Plüschteil getragen. Da stand ihm etwas Ausgleich mehr als zu, fand er.
Egal, wie er es drehte, irgendein Pferdefuß war immer, der ihm in die Suppe spuckte.
Auf die Schnelle ließ sich das nicht bewerkstelligen. Besser er nahm seinen Lohn und überlegte noch einmal in Ruhe.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Weihnachten ist nur noch acht Monate entfernt.
Und darauf einen Marc de Champagne-Trüffel. Mahlzeit.
Kurz vor Feierabend musste Joe noch einmal aufs Klo. Das plüschige „Ganzkörperkondom“ nervte beim Runterziehen, zumal die Toilettenkammer irgendwie auf die Hälfte geschrumpft schien. Und sie wackelte zum Gotterbarmen.
Billigramsch, sollte sich mal der Haushandwerker ansehen, fand Joe.
Mit dem Gedanken ließ er sich erschöpft auf die Toilettenbrille fallen. – Oder fast. – Beim zweiten oder dritten Vorbeilauf erwischte er das „Mistding“ endlich, machte er es sich gemütlich und … schlief ein.
Er hörte nicht die Glocke, die das Ende der Shoppingzeit einläutete. Auch nicht das Türklappen, als die Verkäufer sich umzogen. Sein leerer Magen hatte sich mit Volleifer auf die Schokolade und den Alkohol gestürzt. Das lange und ungewohnte Stehen sowie die Bierchen vor und während seiner Schicht taten ihr Übriges. Er schlief und träumte vom großen Raubzug und der „Joe Heffner-Villa“ auf dem Hügel.

Oo~~oOo~~oO

Als Joe wieder wach wurde, war es weit nach Mitternacht. Dem Wachdienst, der gegen Viertel vor elf vorbeigesehen hatte, war er nicht aufgefallen. Joe hatte die hinterste Toilette gewählt und bis dahin zu prüfen ließ die Rundenzeit nicht zu. 12 Minuten für ein Objekt dieser Größe (bei zügigem Schritt) und dann weiter, sonst war die Nacht nicht zu schaffen.
Es dauerte eine Weile, bis Joe begriff, wo er war und dass es mitten in der Nacht war. Eigentlich merkte er es nur daran, dass das Licht, das bei seinen ersten Bewegungen angegangen war, wieder ausging. Dann begriff er. Es war Nacht ...
Er hatte seine Pläne eigentlich für aktuell nicht durchführbar gehalten, aber jetzt …
Vielleicht gab es doch einen lieben Gott, der endlich mal ein Einsehen hatte. Dass er auch für Joe ein erfolgreiches Ostern hatte.
Fast konnte man wieder gläubig werden, dachte sich Joe.
Schon wieder angezogen, schob er die Kapuze wieder zurück in den Nacken, seine Maske auf den Hinterkopf und nahm auf die Freude sogleich noch eine Handvoll Pralinen. Auch allein schon, weil er jetzt nicht an Essen herankam und sein Magen schon wieder krampfte. Sein Kopf schmerzte, also hielt er ihn unter den Wasserhahn, aber die hatten so eine Sparschaltung verbaut, die nur funktionierte, wenn er die Hände unter einen Sensor hielt. Also bildete er aus den Händen eine Schaufel, vergaß aber, dass er noch die Fellhandschuhe anhatte. Er spuckte und hustete, als ihm einzelne gelöste Haare in die Kehle rutschten.
„Drecks-Karnickel! Nicht mal vernünftig saufen kann man damit.“
Wütend zog Joe die Handschuhe aus und stopfte sie in seine Kostümtaschen. Dann erfrischte er sich erneut. Langsam, ganz langsam wurden seine Gedanken wieder klarer, wenn auch die Kopfschmerzen blieben.
Er würde es also doch versuchen, wenn er schon mal hier war. Das Wechselgeld aus den Kassen einzusammeln war leichter, als einer Henne die Eier unterm Hintern zu klauen, kicherte er. Morgen, bevor die ihr Wechselgeld suchten, würde er aus dem Personaleingang stürmen. Sobald die Türen offen waren. Maske hatte er ja schon. Wie gut, dass ihn keiner nach einem Ausweis gefragt hatte. Das war ein Job mit Cash auf die Hand. Steuerfrei, besser an der Steuer vorbei.
Diesen Job hat mir der Himmel geschenkt.

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Joe ging systematisch vor. Als erstes schnappte er sich einen Einkaufswagen aus der Kofferabteilung. Es sollte so ein altmodischer „Hackenporsche“ in „Tarnkaro“ werden, mit dessen "Bruder" vermutlich schon seine Oma einkaufen war.
Dann aber fand er, etwas mehr Stil könne er sich durchaus leisten und griff sich einen hochpreisigen in feuerwehrrot. Etwas weiblich vielleicht, aber zumindest nicht in Omas geliebtem Schottenkaro.
Außerdem konnte er der Technik nicht widerstehen. Schließlich war er ein Mann, also von Natur aus Herr über Technik und Allem, was dazu gehörte. „Kugellager, verstärkte Achsen, fehlt nur noch das tiefergelegte Fahrwerk, schwärmte Joe und strich liebevoll über das Gestänge, das im Schein der Notbeleuchtung blitzte.
Den Hackenporsche im Schlepp, klapperte Joe seine Abteilung ab, danach erleichterte er den Rest des Stockwerks. Er beschloss, das Erdgeschoss für den Schluss aufzuheben. Da war die Gefahr, dass er durch ein Schaufenster gesehen wurde, am höchsten und vielleicht würde er schnell türmen müssen.
Das Kleingeld ließ er in der Kasse. Zumindest alles unter 50 Cent. Zu schwer und zu schwierig es wieder loszuwerden. Er wusste das, seit er bei seinem letzten Gang zum Sozialamt sein Fahrtgeld erbettelt hatte. Der Busfahrer hatte ihn danach angeraunzt, dass er ihn fast vom Fahrersitz geholt hätte. Nur der Gedanke, dass er dann seinen Termin versäumen würde und die Alte im Amt wieder ticken würde, hatte ihn zurückgehalten.
Als er alle Kassen geleert hatte bis auf die im Erdgeschoss, machte er in der Pralinenabteilung, in der er sich mittlerweile heimisch fühlte, Kassensturz und war enttäuscht. Nicht gerade viel Euro waren zusammengekommen. Das reichte nicht mal eine Woche, selbst wenn er sich einschränkte. Er überlegt kurz, ob er nicht doch die ganzen „Roten“ mitnehmen sollte, entschied sich aber dagegen. Es lohnte den Aufwand einfach nicht.
Joe lehnte sich entspannt an ein Regal und kämpfte gegen eine aufsteigende Müdigkeit. Kurz bevor er wieder einschlief, fuhren seine Gedanken Karussell. Etwas, was Chantal gesagt hatte, kreiselte und ließ sich nicht greifen, aber ihn auch nicht einschlafen.
„…dann geht der alte Müller nur von Kasse zu Kasse und holt die Beutel mit den Einnahmen ab … Der Rest wird in den Tresor gelegt. Gezählt wird erst morgen, wenn das Stammpersonal wieder da ist.“
Da, das war es.
Die Einnahmen waren noch da. Irgendwo im Haus musste ein Raum sein, in dem die Beute auf ihn wartete. Den musste er nur finden. – Joe war wieder hellwach.

Oo~~oOo~~oO

Erst einmal galt es, das Geld zu verstecken, da die Münzen doch recht schwer wurden. Auf sie verzichten wollte er nicht. Wer den Cent nicht ehrt, ist den Euro nicht wert, grinste er.
Joe zog die Handschuhe wieder aus den Taschen. Sie waren sowieso nass geworden und hinterließen ein klammes Gefühl auf seinem Oberschenkel. Das Kleingeld packte er in zwei Plastiktüten, die er verknotete.
So weit, so gut, sagte er sich. Er würde versuchen, morgen aus dem Personaleingang heraus zu spazieren, notfalls zu stürmen, doch dafür brauchte er ein Versteck.
Suchend sah er sich um. In einem Regal hinter dem Tresen, an dem Chantal gestanden hatte, fand er ein Dekorei aus Metallfolie, gerade groß genug für eins der Bündel. Seine leeren Pralinenschachteln ließen sich auch verwenden. Aus der benachbarten Geschenkartikelabteilung holte er sich Band und Kleber, mit denen er die Hälften wieder verband. Er würde behaupten, sie gehörten zu seiner Kostümierung. Rasch packte er die Eier in seinen Hackenporsche. Für die Scheine nutzte er noch weitere kleine aus der Pralinenabteilung. Zusammengerollt und zugeklebt konnte er die Scheine darin gut aufheben, und sie passten in die Hosentasche. Wenn er nun, den Kopf gesenkt und die Hände in den Taschen, am Pförtner vorbeischlenderte, würde die Dumpfbirne bestimmt keinen Verdacht schöpfen. Und hey, es war so ein tolles Gefühl, die Hände voller Geld zu haben. Oben auf legte er noch einige Schoko-Eier als Deko und einige große Leerschachteln, in die er die Haupteinnahmen packen wollte. So vorbereitet zog er los.
Wo war wohl das Büro? Bestimmt oben. Geldsäcke hatten immer gern den Überblick, das wusste Joe. Selbst die Pinguine hatten ihre Mutter Oberin im 2. Stock untergebracht. Sagte ja auch schon der Name. Eine „Oberin“ wohnte „oben“. Vielleicht war sie dort ihrem Herrn auch näher. Ihm war es egal. Ein Plan war so gut wie jeder andere. Und „oben“ war kein schlechter Plan.
Er strebte also wieder auf die Metalltür zu, die die Angestellten von den Kunden trennte. Quietschend öffnete sich die Tür und Joe schlüpfte durch. Sein Wägelchen hinter sich die Treppen hochziehend, suchte er nach dem Kassenbüro. Es schepperte nicht schlecht, wenn der Wagen jeweils gegen eine neue Stufe schlug, aber da keiner im Haus war, wen hätte es stören sollen?

Oo~~oOo~~oO

Das Glück war auf seiner Seite. Er musste nicht lange suchen, da das Kassenbüro mit großen Tafeln an der Wand im Obergeschoss ausgewiesen war.
Mensch, Mensch, Mensch. Einem Baby den Schnuller klauen ist schwieriger.
Die Glasscheibe war noch oben, der Tresor deutlich sichtbar. Leider zu. Na ja, war nicht anders zu erwarten. Jetzt müsste er „Slyder“ hier haben. Der würde wissen, wie man da rankäme.
Er würde ihn anrufen, ob er eine Idee hätte.
Joe tastete seine Taschen ab, dann fiel ihm ein, dass er sein Mobiltelefon zu Hause gelassen hatte. Sein Guthaben war leer, also wozu mitnehmen.
Kagge.
In seinem Augenwinkel sah er ein Festnetztelefon. Gute alte Technik.
„Sly, hier Joe. Du musst mir mal kurz helfen.“
„Joe? Bist du irre? Weißt du, wie spät es ist? Und von wo rufst du an? Die Nummer kenn ich ja gar nicht.“
„Nee, aber ist auch egal. Hör mal …“
„Egal? Es ist halb fünf. Ruf wieder an, wenn ich wach bin.“
„Was, so spät schon? Verdammt. – Hör mal, ich hab hier ein kleines Problem und brauch mal deine Hilfe. Hier ist so ein Tesor …“
„Vergiss es.“ Es klickte in der Leitung.
Der hat doch jetzt nicht aufgelegt?
Joe war empört, konnte es aber nicht glauben. Also rief er noch einmal an. Vielleicht war Sly aus Versehen, weil er müde war, auf den Aus-Schalter gekommen.
War er nicht – Besetztzeichen.
Joe kam das Heulen. Das konnte doch nicht wahr sein. So kurz vor einem richtigen Reibach und er stand vor dem Safe wie bestellt und nicht abgeholt.
„Na warte, Sly. Das rächt sich.“

Oo~~oOo~~oO

Zehn Minuten stand er wie eingefroren und starrte stumpf den Safe an. Dann kam langsam wieder Leben in ihn. Halb fünf hatte Sly gesagt. Mittlerweile musste es fünf Uhr sein. Die Straßen würden langsam voll werden. Er hatte keine Zeit mehr, hier traurig den Tresor anzusehen, er musste dringend verschwinden, wenn er nicht dem fetten Pförtner in die Arme laufen wollte.
Dann eben nur das Kleingeld. Verdammt ärgerlich.
Er schnappte sich das Wägelchen und beeilte sich, wieder ins Erdgeschoss zu kommen. Vielleicht hatte die Toilette im Erdgeschoss ein Außenfenster. Dann könnte er sich den nervigen Pförtner sparen.
Der feuerrote Einkaufswagen rappelte wieder Stufe um Stufe hinter ihm her. Die Ostereier im Inneren wirbelten wie wild durcheinander, aber Joe hatte es auf einmal sehr eilig. Unten angekommen, rannte er in Richtung Personaltoilette. – Fenster ja, aber vergittert. Frustriert rüttelte er an den Stäben, aber sie saßen bombenfest.
Dann blieb eben doch nur der Pförtnereingang. Irgendwie freute er sich sogar schon auf das blöde Gesicht des Pförtners. Mit seinem Frust im Bauch würde er dem Fettsack so eine geben, dass der einen Gesichtschirurgen bräuchte. Er hatte die blöden Worte bei seiner Ankunft noch im Ohr.
Am besten war, wenn er den Kerl überrumpelte. Dazu brauchte er nur noch einen Überraschungseffekt.
Joe sah sich um. Neben der Pförtnerloge fand Joe einen Putzschrank. Darin verkroch er sich, seinen Wagen stellte er griffbereit daneben ab. So wartete er, trat von einem Bein aufs andere, damit sie nicht einschliefen, auf dass er die Schlüssel in der Tür hörte konnte.

Oo~~oOo~~oO

Er wartete nicht lange, aber für Joe fast zu lange. Das Wasser, das er in der Toilette getrunken hatte nach seinem Nickerchen, hatte den fast leeren Magen passiert und wollte raus. Warum war er auch auf der Erdgeschosstoilette nicht auf Vorrat gegangen, fragte er sich und kniff die Beine zusammen.
Gerade als er vorsichtig den Schrank wieder öffnen wollte, hörte er Schlüssel klappern.
Der Pförtner. Kagg. Dann eben nicht.
Joe versuchte nicht an das silberne Gefühl zu denken, das ihn quälte.
Überraschungseffekt. – Genau, ich spring raus und renn ihn um. Der Fetti wird bestimmt nicht so schnell auf die Beine kommen und ich bin weg. Hoffentlich hält die Blase …
Vorsichtig lunzte Joe durch einen Schlitz. Der Mann drehte sich gerade zur Tür, als wollte er sie wieder zuschließen
Wieso zuschließen. Egal, Indianernummer: auf ihn mit Gebrüll.
Gesagt. Getan.
Er riss die Tür vollständig auf und hüpfte auf die Gestalt an der Tür.
Die Überraschung gelang. Kein Wunder, wer rechnete den auch mit einem aggressiven Osterhasen, der einem beim Kommen von hinten angriff.
Der Mann ging in die Knie, Joes Gewicht tat sein Übriges. Platt wie eine Flunder lag der Mann auf dem Boden, einen Hasen im Huckepack, und etwas Feuchtes im Kragen. Joes Blase hatte die Beanspruchung nicht mehr ausgehalten. Warm rann es an seinem Knie herunter und Joe fluchte. Er rappte sich auf, schubste den Mann von der Tür weg und wollte schon losrennen. Da erinnerte er sich im letzten Moment an den Einkaufswagen und riss ihn hinter dem Schrank hervor. Er stolperte über den Mann, der sich gerade aufrichtete, trat ihm noch auf die Hand und flüchtete.
„Aaau ... – Ey du verdammtes Karnickel, bist du nicht ganz dicht? Bleib stehen!“
Da kannst du lange darauf warten, dachte sich Joe und rannte mit bockendem Einkaufswagen weiter.
„Bleib stehen, du kommst damit nicht durch!“
Die Stimme klang nah. Joe wunderte sich, rannte aber weiter.
„Ich zieh dir den Stummelschwanz lang, wenn du nicht gleich stehenbleibst!“
Wieder so dicht, wieso ist der fette Pförtner so schnell?
Joe wurde nervös. Er suchte die nächste Seitengasse. Dort angekommen bog er um die Ecke und riskierte einen Blick zurück.
„Oh Mist! Der Wachdienst!“

Oo~~oOo~~oO

Nicht der fette Pförtner war da hinter ihm her, es war ein durchtrainierter Wachmann. Es gab wohl noch eine zweite Runde oder der war übereifrig auf dem Heimweg noch einmal am Kaufhaus vorbeigelaufen.
Jetzt brauchte er einen Plan. Und das schnell. Aber: Erst mal weiterrennen.
„Ein … Plan … ich … brauch … einen … Plan“, keuchte er.
„Ich brat dich am Spieß, wenn ich dich falschen Hasen erwische.“
So ein Quatsch. „Falscher Hase“ bruzzelt man in einem Bräter, korrigierte Joes ausgehungertes Hirn und in seinem Mund lief das Wasser zusammen bei dem Gedanken. Es wurde Zeit, dass er den abhängte. Der nervte. Konnte der nicht an die Wohltätigkeit zu Ostern denken und ihn einfach ziehen lassen? War doch alles versichert.
Gehetzt blickte er sich um.
Die Gegend kam ihm bekannt vor. Ah ja. Am Ende der Straße lag das Waisenhaus, in dem er aufgewachsen war. Davor war ein kleiner, verwunschener Park mit Ententeich, den könnte er vielleicht als Ablenkung nutzen. Dann durch die Büsche in den Hinterhof des Waisenhaus. Kein perfekter Plan, aber für den Moment das Beste, was Joe auf die Schnelle einfiel. Er musste von der Straße runter. Ein rennendes Karnickel war zu auffällig, selbst an Ostern. Jeder würde sich daran erinnern.
Die ersten Büsche kamen und Joe zwängte sich durch das Gestrüpp, das noch nicht wieder mit Laub besetzt war. Er verfluchte seine Idee mit dem Einkaufswagen, aber um die Eier jetzt auszuladen fehlte ihm die Zeit. Er hob ihn über die Hecke und rannte weiter. Der Wagen holperte über Baumwurzeln, drehte sich öfters, so dass Joe stehenbleiben musste, um ihn wieder auf die Rollen zu setzen. Die waren schon von den Treppen im Kaufhaus ordentlich geschädigt und der Morast in den Kugellagern tat ein Übriges. So kam es, wie es kommen musste. An der dritten Wurzel war Feierabend mit Elite-Hackenporsche. Joe blieb hängen und als er an dem Bügel riss, löste sich ein Rad aus der Verankerung und verschwand im Dämmerlicht.
Joe fluchte gottlästerlich in Gedanken. Für lautes Gejammer hatte er keine Luft mehr. Keuchend hängte er sich den Griff über eine Schulter und hastete weiter.
Die Rufe hinter ihm hatten nachgelassen. Er hoffte, der Kerl hatte endlich aufgegeben, aber er traute sich nicht, sich umzudrehen und womöglich Zeit zu verlieren. Vor sich sah er den Maschendrahtzaun, der den Garten des Kinderheims von der Anlage trennte. Nur noch wenige Meter. Gleich war er da. Dort würde er sich sicher im Keller verstecken können. Er war lange genug in dem Gemäuer gewesen, um alle Verstecke zu kennen.

Oo~~oOo~~oO

Am Kinderheim angekommen, schmiss er den Einkaufswagen über den Zaun und krabbelte hinterher, nicht einfach in dem plüschigen Ganzkörperkondom, das zudem noch unangenehm, weil kalt und nass, an seinem Bein klebte.
Als er sich auf die andere Seite fallen ließ, hörte er, wie der Stoff nachgab. Ein Teil seines Kostüms fiel auf die Parkseite. Es zog unangenehm kühl am Stummelschwanz. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Die Zeit, wieder über den Zaun zu klettern und es zu holen, hatte er nicht. Joe tröstete sich damit, dass es braun war wie die vertrockneten Blätter und vielleicht nicht auffiel. Man musste schließlich wissen, nach was man suchen wollte, sonst war das nur ein Stück undefinierbares Fell. Da Joe sowieso nicht vorhatte, das Kostüm wieder abzugeben, war es auch egal. Er sammelte also den Einkaufswagen wieder ein, der mittlerweile extrem ramponiert aussah, schulterte ihn und pirschte sich an das Haus heran, immer zwischen den Büschen, um weder vom Haus noch vom Park gesehen zu werden. Ab und zu kroch er auf den Knien durchs Gestrüpp, dann wieder duckte er sich hinter einem Baum. Er nahm sich Zeit, denn er schien seinen Verfolger abgehängt zu haben. Auf keinen Fall wollte er vom Haus aus gesehen werden. Kinder waren nicht nur ätzend, sie waren auch extrem neugierig und könnten ihn verraten. Aber es ließ sich keins blicken.
Gut so. Gleich würde er ausruhen können.

Oo~~oOo~~oO

Als er an die hintere Kellertür kam war er sich sicher, dass ihm keiner gefolgt war.
Joe atmete erleichtert auf. Kein Bulle, kein Wachmann, einfach niemand war zu sehen gewesen. Nur noch durch die Tür, die, wie er aus Erfahrung wusste, nie zugeschlossen war, und er wäre in Sicherheit.
Die Pfote auf der Klinke, ein breites Grinsen auf den Lippen, lehnte er sich entspannt gegen die Tür und …
… fiel in die Arme eines Polizisten. Nur Sekunden später klickten die Handschellen und er schrie vor Enttäuschung auf.
„Wie … wieso?“ Joe verstand die Welt nicht mehr. Wo kam denn auf einmal der Bulle her?
„Lass mal sehen, wer unter der Maske steckt“, sagte der Polizist und zerrte an Joes Maske. Da half Joe all sein Zappeln nicht. Nur wenig später war die Maske ab und der Polizist stellte fest: „Ach du Joe. Hätte ich mir auch denken können. – Wolltest du den Kindern in deiner alten Heimat was Gutes tun?“
„Die Kinder sind mit scheißegal. An mich hat auch nie einer gedacht.“ Joe zappelte noch immer, aber der Griff des Polizisten ließ ihm keinen Freiraum.
„Und da dachtest du, du genehmigst dir selbst ein erfreuliches Osterfest. Tja, Denken war noch nie so dein Fall.“
Wütend zerrte Joe an seinen Fesseln. „Wieso bist du Bullensau hier?“
Der Polizist schob Joe ungerührt zum Streifenwagen, der vor dem Haus geparkt stand. Erst dort antwortete er Joe.
„Für dich Armleuchter immer noch ‚Herr Polizist‘. Und warum du ein Armleuchter bist? Kann ich dir erklären. Erstens: Wie kann man nur seine Beute in diesen Einkaufswagen packen? Nicht genug, dass er im feuchten Park eine deutliche Spur hinterlassen hat. Diese feuerwehrrote Farbe scheint durch den unbelaubten Park wie ein Leuchtturm an der Küste. Noch auffälliger gings wohl nicht, was? Außerdem führt der Park in der anderen Richtung nur an den Fluss, war also klar, wohin du wolltest. Und nun zeig mal deine Beute ...“

Oo~~oOo~~oO

Zwei Tage später war Ostern. Nicht für Joe, der, weil er noch Bewährung hatte, direkt eingefahren war in die Haftanstalt. Als Nettigkeit hatte man ihm ausnahmsweise ein gefärbtes weichgekochtes Ei auf sein Frühstückstablett gestellt. Es hinterließ einen hässlichen gelben Fleck an der Wand hinter Joes Kopfkissen.
Sein Rechtsanwalt hatte ihm mitgeteilt, dass seine Strafe etwas höher ausfallen würde, denn man hatte die Beute nicht gefunden. Würde Joe ihnen sagen, wo er die Gelder gelassen hätte, dann würde man sehen können, aber so … Es war schließlich eine üppige Summe, denn der Tresor im Kassenbüro war offen und leer aufgefunden worden, als der Wachmann zurück zum Kaufhaus kam.
Joe konnte sich denken, wer da auf seine Kosten lange Finger gemacht hatte, aber seine Ganovenehre ließ nicht zu, dass er sang. Aber Sly würde er sich krallen, wenn er wieder aus dem Knast kam, was aber noch etwas dauern würde. Dann aber, das schwor sich Joe, würde er Sly für jeden zusätzlichen Tag bezahlen lassen.
Nicht mal das Kleingeld hatte man gefunden. Bei der Jagd durch das Gestrüpp hatte Joe ein Loch in die Tasche gerissen und es nicht einmal gemerkt. Die kleinen, leichten und ungefüllten Plastikeier hatte er noch im Park verloren, was einer zusätzlichen Spur gleichkam.
Die Kinder des Waisenhauses freuten sich trotzdem darüber. Vor allem, als sie weitere, diesmal aber gefüllte Ostereier in den Büschen auf dem Gelände des Waisenhauses entdeckten.
Der Kaufhausbesitzer, dem sie nach der Zeitungsanzeige, die am nächsten Tag erschien, ihren Fund zeigten, hatte Mitleid und verschwieg den Fund. Er hatte von der Versicherung bereits den nötigen Ausgleich zugesagt bekommen, als die Eier gefunden wurden. Herr Müller legte sogar noch einige Schokoeier dazu für die Ehrlichkeit, wobei er sorgsam darauf achtete, dass diese ohne Alkohol waren.
Das wiederholte er ab nun jedes Jahr, was die Kinder zu würdigen wussten.

Nur Joe mochte immer noch kein Ostern.

 

Dies war das Ende für dieses Jahr. Wir sehen uns hoffentlich 2021 wieder.
Zurück zum Osterkalender 2020
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Und zu allerletzt:

Ich wünsch allen Lesern ein üppiges Ostern.
Bleibt sauber und gesund.

Eure Agatha

 

Stand Feb. 2020 – 2. Monat nach Ausbruch

CORONA - denkt eigentlich irgendwer an die chinesischen / asiatischen Mitbürger, deren Familien gefährdet sind?

Die Informationen, falls sie welche bekommen, erhalten sie mitten in unserer Nacht . Verständlich, wenn dann die restliche Nacht nicht mehr an Schlaf zu denken ist.
Morgens geht es dann gerädert zur Arbeit, um so zu tun, als wüsste man von nichts, mit Gesichtern grau vor Sorge.
Ich sehe sie später beim Mittagessen allein an einem Tisch sitzend. Viele Meter Abstand liegen zwischen ihnen und dem Rest. Besorgt blicken sie in die Runde. Um wen besorgt? Die Familie oder die eigene Person? Schließlich sind Übergriffe, ob verbal oder körperlich, durchaus denkbar.

CORONA - ist in vieler Munde, aber ich habe noch keinen sagen hören:
" Wie geht es deiner Familie?"
" Wie fühlst du dich?"
-> Und am wichtigsten wäre:

"Ich bin da, wenn du jemand zum Reden brauchst."

Mich erinnern zur Zeit viele Gespräche an die Pest-Appelle des Mittelalters, als keiner wusste, was auf ihn zukam und daher das Unmöglichste versucht wurde, sich und die seinen zu retten vor dem Unbekannten. Nicht zuletzt auch durch Denunziation und Ausgrenzung. Mitleid im Sinne von mit einer Person leiden war nicht angesagt und leider lese ich das auch heute nicht.

Wir haben (fast) nichts dazugelernt. Oder?

Wirft das nicht ein erbärmliches Licht auf unsere so hochgelobte Informationsgesellschaft?

Die Ansteckung soll geringer als bei einer landläufigen Grippe sein, die Todesrate ebenfalls. Zumindest noch. Nun gut, man weiß nicht, wohin die Entwicklung noch geht.
Die menschliche Entwicklung zumindest scheint eher rückläufig zu sein.

Zu teuer, um zu überleben?

Erste Erfolge mit teuren Medikamentencocktails zur Abwehr gegen Krebs und Aids hat es scheinbar schon gegeben, aber wer kann die Massen bezahlen, die nötig sind um alle zu heilen? Gerade in armen Ländern, in denen ein Kratzer, eine simple Wunde, schon den Tod bedeuten kann, weil man sich weder Impfstoff, geschweige denn einen Arzt leisten kann.
Verschwörungstheorien kursieren überall, der/das Virus wäre von irgendwem aus reiner Profitgier erzeugt worden, um mit den Medikamenten den großen Reibach zu machen.

Dazu gesellen sich erste Stimmen, dass man die Deutschen, die mit einem Flieger nach Hause geholt wurden, doch hätte dort bleiben lassen sollen, weil man sich die Seuche so zusätzlich ins Land geholt hätte; sie machen die Runde. Zusperren, einsperren, Schlüssel wegwerfen.
Was ist die Menschheit doch erbärmlich in ihrer Angst.

Bleibt für mich die Frage, was man mit verseuchten Gehirnen macht,
für die Humanität ein Fremdwort ist.
Wenn das alles ist, was wir in Jahrhunderten gelernt haben, vielleicht sind wir es nicht wert, diesen Erdball zu bevölkern und schaffen uns so selbst ab?

Wer weiß ... die menschliche Rasse (also wir) war ja schon öfter kurz vorm Aussterben.

Danke fürs Lesen – Danke fürs Nachdenken – Danke fürs Handeln.

 

Wie versprochen, habe ich hier einen Auszug aus dem neuen Roman.

Manni, Kommissar Oders Lieblingswirt, hat einen ereignisreichen Morgen ... lest selbst.

Petris (Un-)Heil

Es war noch dunkel, als Manni seinen Stammplatz bezog. Nicht mehr lange und es würde die Sonne aufgehen. Die beste Zeit, denn später bissen sie nicht mehr so gut. Wenn erst der Verkehr einsetzte und die Autos wieder über die Uferstraße bretterten, um schnellstmöglich noch einen Parkplatz in der Bürostadt von Niederrad zu bekommen, waren seine Chancen auf einen guten Fang dahin. Und den brauchte er. Er hatte mit Knut, einem Stammgast, gewettet und gedachte nicht, die Wette zu verlieren. Eigentlich hatte er schon abends losziehen wollen, aber es war mal wieder ‚Kulturtag‘ gewesen. Seine Else bestand darauf, wenn er seine ehelichen Pflichten einforderte, dass er auch dafür bezahlen musste. Bezahlen hieß, schick ausgehen, ein nicht selbst gekochtes Essen und Kino oder Theater, was gerade angeboten wurde. Dieses Mal also: Ein Essen im Maredo und ein bekanntes Musical im Anschluss. Kino hatten sie das letzte Mal, also war wieder das Theater dran.

Er tat es mittlerweile ja gerne, selbst das Aufbrezeln mit ordentlicher Nass-Rasur. (Elektrorasierer waren was für Weicheier, fand er, und längst nicht so gründlich.) Zur Ehrenrettung hatte er jedoch wie üblich gebrummt, ob man es nicht bei dem Steak belassen könne. Ein voller Bauch passe doch nicht zu einem vollgepferchten Vortragssaal, allein schon wegen der Verdauung, aber damit kam er bei Else nicht durch.

Das hatte er nun davon. Der Ohrwurm von gestern ging ihm nicht mehr aus dem Schädel und störte, denn sein Bein wippte im Takt der inneren Melodie. Gerade eben noch hatte er sich, in letzter Minute sozusagen, bremsen können, um nicht zu pfeifen. Pfeifen war tödlich, wenn man auf Rekordjagd bei den Fischen gehen wollte. Wusste doch jeder – nur der Ohrwurm nicht. Aber zumindest hielt der ihn wach, denn die Nacht war kurz gewesen. Unwillkürlich grinste Manni versonnen. Er und seine Else hatten es immer noch drauf.

Mit ruhigen Bewegungen packte Manni seine Angel aus, versah die Schnur mit 40 Gramm Sargblei. Er wollte auf Aale gehen und suchte sich einen Haken aus, von dem er meinte, er könne passen.

Die frische Luft tat ihm gut nach der Woche in seiner Kneipe. Zwar hatte er ein Raucherzimmer eingerichtet, war ja nun mal Pflicht geworden, aber es blieb nicht aus, dass er passiv mitrauchte. Eine Kneipe ohne Raucherlaubnis wäre finanzieller Selbstmord. Es war wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Entweder man verzichtete auf das Raucher­zimmer, dann gingen aber die Einkünfte in den Keller, oder man lebte mit der Option, selbst mal an den Schäden des Nikotins draufzugehen. Manni hatte sich für Letzteres entschieden, schon allein seinen Stammkunden zuliebe. Und es wurden ja auch immer weniger Raucher. Die Hoffnung blieb, dass mit der neuen Generation mehr Nichtraucher nachwuchsen.

Er atmete noch einmal tief ein. Ja, das war die gute Frankfurter Luft. Hätte man ihn gefragt, er hätte klipp und klar erklärt, dass er nie weggehen würde wollen. Hier ließ es sich leben. Scheiß auf Berliner Luft. Gegen diese hier kam die nie an. Davon war er fest überzeugt.

Mit elegantem Schwung warf er die Angel aus und setzte sich auf den mitgebrachten Hocker. Kurzer Kontrollblick. Passt.

Ab jetzt kam der gemütliche Teil, bei dem er völlig mit der Umwelt verschmolz. Sein Blick schweifte über den Fluss.
Etwas niedrig, hat lange nicht mehr geregnet, stellte er fest. Die Wurzeln der Uferböschung waren sichtbar geworden, und in ihnen fing sich allerlei Müll. Eine Schande, aber er tröstete sich, dass die Wasserqualität angeblich besser als vor zehn Jahren sei, und da hatte er auch schon Mainaale gegessen. Und: Er hatte es überlebt, wie man sehen konnte.

Ein Blatt trieb zu ihm herüber. Circa einen Meter vor der Kaimauer begann es einen wilden Kreisel. Manni wusste, woher das kam. Hier am Schwanheimer Ufer, auf Höhe der Lyoner Straße, war ein Wassereinlass, den nur Eingeweihte kannten. Der sorgte für kleine Luftwirbel und einen hohen Nährstoffanteil in dem trüben, nahezu blickdichten Wasser. Was der Mensch mied, sorgte hier für ordentlich fette Fische, von denen sich Manni den Sieg versprach. Knut mit seiner Schwärmerei über die Nidda konnte ihm gestohlen bleiben. Sicher, dort war es wunderschön und weniger Autolärm, aber erstens war sie mehr mit Schadstoffen belastet, weil die kleineren Kläranlagen noch nicht auf dem neusten Stand waren, und zweitens fand er sie bei weitem nicht so ertragreich. Aber jeder wie er wollte.

Die Sonne ging auf und warf ihre orangeroten Strahlen auf die Landschaft. Es versprach wieder ein heißer Tag zu werden. Zu warm für April, aber ideal, um zu angeln. Auch die Jahreszeit passte. Die meisten Fische hatten ihre Schonzeit schon oder sie kam erst noch.

Manni warf einen kurzen Blick auf seine Uhr. Knappe fünf Stunden hatte er noch, bis er hier los musste, um seine Kneipe aufzuschließen. Es würde ein langer Tag werden. Mannis Augen fielen auf Halbmast.

So duselte er entspannt vor sich hin, nur ab und zu von einem frühen Pendler hochgeschreckt, der sein Auto an der Ampel noch einmal treten musste.

Was für ein Angeber, hat wohl nix in der Hose, lästerte Manni und schüttelte den Kopf.

Er wollte gerade wieder einnicken, als etwas an der Leine ruckelte.

In Sekundenschnelle war Manni hellwach. Sein Jagdfieber hatte ihn gepackt. Er ruckte kurz an der Leine, damit der Haken sich festzog. Ganz leicht spürte er den Widerstand. Bestens.

Nun nur nicht zu hektisch werden, kommandierte er sich selbst. Langsam, langsam.

Es musste ein schwerer Brocken sein. Vermutlich kein Aal, eher ein fetter Zander oder eine Brasse, genauer gesagt eine ‚Groß-Brachse‘. Vielleicht ja auch ein Wels. Auch gut. Obwohl ihm ein Aal lieber gewesen wäre, denn frisch geräucherter Aal … Manni lief bei dem Gedanken das Wasser im Mund zusammen. Aber es war ja noch früh am Tag, ein Aal konnte immer noch kommen. Erstmal galt es, diesen Brocken zu sichern.

Die Angel bewegte sich. Manni war sofort hellwach. Er riss ruckartig aber vorsichtig an, um den Haken im Fleisch zu verankern, dann holte er langsam ein. Die Leine spannte sich, aber Manni konnte kaum Raum gut machen. Er zog stärker. Die Angel bog sich bis zum Maximum. Hoffentlich reißt die Leine nicht, schoss es Manni durch den Kopf.

Doch kaum gedacht, beruhigte er sich auch wieder, denn bedauerlicherweise schien der Fisch nach dem ersten Festhalten keine Lust mehr zu haben, Manni einen Kampf zu liefern.

Wie ein Köter, der Gassi-gehen soll, wenn es draußen regnet. Schade.

Es sprach alles dafür, dass sich der Brocken in der Uferböschung versteckte. Die Spannung, was er da an der Angel hatte, würde sich vermutlich erst lösen, wenn er die Schnur aus dem Gestrüpp befreit hatte. Aber wie? Zog er zu fest, riss ihm womöglich der Haken samt Blei ab.

Ein prüfender Blick in seinen Kasten beruhigte ihn – ok, da waren noch einige Gewichte.

„Also: No risk no fun”, machte sich Manni Mut.

Ein konsequenter Ruck und die Leine löste sich von Was-auch-immer-sie-festgehalten-hatte, und er zog sie ein. Den Kescher griffbereit zur Linken drillte er die Leine.

Immer noch kein Zappeln, nur Stillstand.

Hmm?!

Er tauchte den Kescher ins Wasser, um seinen Fang heraus zu holen. Ein Klumpen irgendwas, in Algen und anderem Grünzeug fast verborgen, kam an die Oberfläche.

Manni beugte sich neugierig tief herunter.

„Arg … ach du Scheiße.“

Er plumpste rückwärts auf seinen Hintern. Der Hocker kippte seitwärts und er knallte mit dem Steiß auf den Boden. Erschüttert spürte er nicht mal den Schmerz.

„Verdammt.“

Ein Würgen schüttelte ihn. Er wollte seinen Augen nicht trauen, aber auch ein heftiges Blinzeln änderte nichts an dem, was er da in seinem Kescher sah. Trotzdem wollte er es nicht glauben. Ein rascher Rundblick zeigte ihm einen Ast, der fast in Reichweite seiner linken Hand auf dem Boden lag. Der Kescher wanderte in die rechte Hand und Manni streckte sich nach dem Ast. Als er ihn endlich hatte, zog er den Kescher, der noch im Wasser lag, etwas dichter ans Ufer. Mit dem Ast schob er einige Algen, die auf seinem Fang lagen, beiseite und würgte erneut.

Panik konnte man Manni nicht nachsagen, aber sein Kopf zuckte schneller als sonst, als er die Umgebung kontrollierte. – Kein Mensch zu sehen, bis auf einen Jogger, der vielleicht 100 Meter von ihm entfernt seine Morgenrunde lief. Den weißen Kabeln zufolge, die aus seinen Ohren kamen, würde Manni laut sein müssen, damit der ihn verstand.

Manni hob den Ast, winkte wie ein Wilder und brüllte mit allem, was seine Stimme hergab.

„Hey, hallo … Sie da … HIIIIIIILFE … Hey!“

Es schien, als hätte der Jogger ihn nicht gehört, aber dann hielt er auf der Stelle joggend an und zog sich ein Kabel aus dem Ohr.

„Was is? Ham Sie eben so geschrien? Ich denk, Sie angeln. Muss man da nicht leise sein?“

„Witzbold“, schnaufte Manni. „Haben Sie ein Handy?“

„Selbstverständlich, ich will ja meine Zeiten auswerten.“

„Kann ich das mal benutzen?“

„Wieso? Ham se kein eigenes?“

„Ja und nein. Klar hab ich eins, aber wie Sie schon sagten, sollte man beim Angeln leise sein, also habe ich es nicht mit.“

„Und warum wollen Sie meins?“

„Ich muss wen anrufen.“

„Und warum von meinem?“

Manni stöhnte. „Weil meins zuhause liegt und ich dringend die Polizei rufen muss.“

Meine Güte, der Kerl ist ein echter Blitzmerker. Was hatten diese Freaks mit den Kabeln im Ohr eigentlich im Hirn außer Bum-Bum?

„Und warum die Polizei?“ Irritiert stellte der Jogger seine Leerlaufbewegungen ein und zog das neuste Modell einer bekannten Smartphone-Firma aus einer Hülle. Er reichte es Manni, der mit einem Fuß auf dem Kescher stand.

„Keine Panik, nur Ortsgespräch“, erklärte Manni.

„Is egal, hab e ’ne Flat. Aber machen se hin, ich werd’ langsam kalt.“

Manni kümmerte sich nicht mehr drum. Er tippte eine Nummer in das Gerät und wartete.

„Michi? Hier Manni. … Ja ich weiß, wie früh es ist. Du musst mal kommen. Ich brauch dich, jetzt. … Ist sauwichtig … Nee, nicht in die Kneipe. In Niederrad, Mainufer, Höhe Lyoner Straße. – Und bring deine Kollegen mit, die von der ‚Kotzfraktion‘; ich hab hier was für euch. Aber beeil dich.“

Er beendete aufseufzend das Telefonat und reichte das Smartphone zurück an den Jogger. Der war von den Wortfetzen neugierig geworden und kam näher.

„Was’n los?“ Er reckte seinen Hals, als könne er so die entsprechenden Meter überbrücken.

Wie eine menschliche Giraffe in giftgrün-gelb. Manni grinste flüchtig, dann antwortete er.

„Ach nichts. Hab nur was gefangen, was nicht so üblich ist.“

„Und wegen einem gammeligen Fisch schiebste so ’ne Welle?“, wunderte sich der Jogger und kam noch einen Schritt näher.

Manni reichte es. Der hatte es ja so gewollt. Vorsichtig lüpfte er den Kescher etwas in die Höhe, so dass sein Fang an die Oberfläche kam.

Mit grimmiger Genugtuung registrierte er, wie sich der Jogger zur Seite drehte, sein Frühstück retournierte und dabei die totschicken Sneaker besprenkelte. Musste einer dieser schicken, neumodischen Gras-Smoothies gewesen sein. Oder einer mit Avocado. Auf jeden Fall hübsch grün und passend zu seiner Jogginghose, die jetzt nette Sprenkler hatte.

Todschick, das Design, hehe.

„Können nix mehr ab, die jungen Kerle“, war sein brummender, kopfschüttelnder Kommentar, während er den Kescher wieder sanft sinken ließ und das brackige Mainwasser den Anblick sanft verhüllte.

Manni angelte nach dem Hocker und machte es sich mit dem Kescher in der Hand wieder gemütlich. Es würde einige Zeit dauern, bis Michael Oder, der Kommissar der Frankfurter Kripo und einer seiner Lieblingsgäste, hier auftauchte. Selbst wenn man bedachte, dass der Verkehr erst langsam einsetzte, so war der Weg von Bornheim bis zu ihm doch nicht zu verachten.

Sein erster Schock hatte einer geduldigen Gelassenheit Platz gemacht, die ihn als langjährigen Kneipenwirt auswies.

Einzig um die Aale war es schade, fand er. Er würde sie wohl nicht mitnehmen dürfen. Sehr bedauerlich, denn damit hätte er bestimmt den Angelwettbewerb gegen Kurt gewonnen. Einer davon schien ein ordentlicher Brocken zu sein. Egal, er hätte sie sowieso nach einem Foto wieder im Main entsorgt. Zum Verzehr waren sie nicht mehr zu nutzen, nachdem sie sich quer durch den Oberkörper gefressen hatten, der nun in seinem Kescher ruhte.
Fraglich nur, wo der Rest war.

~~~><~~~

Soweit die Leseprobe. Wo der Rest ist? In Überarbeitung und bald bei Euch.
Das Buch soll noch 2020 erscheinen. Sobald der Titel feststeht, werdet Ihr es hier erfahren.
Also bleibt dran, es lohnt sich.

Eure Agatha.

Große Messen werfen ihre Schatten schon früh.
Da ist die Leipziger Buchmesse nicht anders.
Für mich ist es die dritte Buchmesse und das dritte Buch (in Vorbereitung).

Auch 2020 wird man mich wieder am Stand meines Verlags finden.

JustTales Verlag, Halle 2, Stand K 316

(äußere Seite von Gang H)

Laut Plan wird der Weg etwas "tricky" sein, denn der Gang K ist der Hauptgang an der Hallenwand zur Halle 4. Mit zum Gang gehören die Inseln zur Hallenmitte, und zwar rundum.
Wer uns sucht, muss also in Gang "H", der nach außen "K" heißt, zum Halleninneren "H".

Orientiert Euch einfach am Deckenhänger des Eisermann-Verlags, denn wir sind schräg gegenüber und freuen uns über einen Besuch und nette Gespräche.

Und vielleicht habe ich auch einige Leseproben von meinem kommenden

Kommissar Oder – Teil 3

(Titel folgt)

dabei. Denn ja, es geht weiter mit aktuellen Morden, Motiven und Menschen am Scheideweg. Lernt Kommissar Oder kennen, seine Kollegen, seine Freundin und natürlich auch wieder dabei ist Manni, sein Lieblingskneipier und Beichtvater.
Das Skript steht, die Überarbeitung läuft auf Hochtouren. 2020 soll es also weitergehen in Frankfurt, meiner alten, geliebten Heimat. Obwohl ... Schicksale gibt es überall zu erzählen.

~~~><~~~

Wer Oder noch nicht kennt, dem empfehle ich meine beiden Bücher:

Morgenmuffel (Band 1)

ISBN 978-3947221066

Herbert ist ein ausgesprochener Morgenmuffel. Eines unrühmlichen Tages gerät er in eine Situation, die in Folge seine Hemmungen schwinden lässt. Künftig räumt er in seinem Morgen auf und entfernt, was seinen Morgen tötet. Bis ...

Kein Erbe ohne Tod (Band 2)

 

ISBN 978-3947221349

Wie viel Aufmerksamkeit hat eine Leiche eines Obdachlosen verdient? Nach Meinung von Kommissar Oders Chef nicht viel. Eine Woche hat Oder Zeit, doch das Umfeld schweigt. Jetzt heißt es kreativ zu werden, will er Antworten finden ...

... und bald

(Titel folgt bald)  (Band 3)

ISBN folgt ebenfalls

Manches Glück scheint ungerecht verteilt. Was einer hat und nicht schätzt, bekommt ein anderer nicht, obwohl er es doch so sehr begehrt. Und ein dritter will behalten und es wird ihm genommen. Gehen das Verlangen über die Moral, ist ein Verhängnis nicht weit ...

Kostprobe? – Aber gerne.
Blättert einfach hier weiter zur Seite "Kriminalgeschichten", dort findet Ihr ein Kapitel als Vorgeschmack auf das kommende Buch.

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Türchen 1 -

Ökologische Weihnachten

Mama hatte es beschlossen und erwartete Zustimmung. Generelle Zustimmung wohlgemerkt, schließlich war ‚DAS‘ eine gute Sache. Die ganze Welt war auf dem ökologischen Trip, nur in ihrer Familie wurde noch der Joghurt aus dem Becher gegessen … blamabel. – Und das als Elternbeiratsvorsitzende.

Erst neulich wieder, als die ‚Aktiven Mütter‘, die Verbindung der ‚Mütter-mit-Amt‘, sich bei ihr trafen, um den Weihnachtsbasar zu besprechen, hatte sie nur mit letzter Mühe verhindern können, dass Tamara ihren Kühlschrank öffnete und das ökologische Desaster zu sehen bekam. Undenkbar, hätte sie den Inhalt gesehen, die konnte doch die Klappe nicht halten. Die Chance auf den Titel als ‚Mutter des Jahres‘ hätte es dann wohl nicht mehr gegeben. Und das nach all der freiwilligen (und unfreiwilligen) Arbeit. – Na ja, war ja noch einmal gut gegangen, auch wenn Tamara sie etwas irritiert angesehen hatte, als sie sich in letzter Minute vor den Kühlschrank schmiss und mit atemloser Stimme anbot, Tamara einen grünen Smoothie zu mischen. Ein Angebot, das Tamara nicht ausschlagen konnte, ohne ihr eigenes Gesicht zu verlieren.

„Wie meinst du das?“, wollte Papa alarmiert wissen.

„Na, wie ich es sagte. Dieses Jahr gibt es keine Geschenke.“

„Ich hör wohl nicht richtig.“ Die Tochter schmiss sich auf die Couch, zog die langen Beine unter ihren Hintern und verschränkte die Arme. Protesthaltung pur.

Ihr Bruder krähte empört: „Ey, das geht nicht. Es ist doch Weihnachten. – Was sollen meine Freunde sagen.“

Papa brummte: „Und wie stellst du dir das vor? Weihnachten ohne Geschenke? – Ohne mich. Den Terror tu ich mir nicht an.“

Das waren nicht die Antworten, auf die Mama gehofft hatte,  aber wegen dem bisschen Gegenwind würde sie nicht aufgeben, also versuchte sie es anders.
„Ich mein ja nicht gänzlich ohne Geschenke.“ Papa entfuhr ein tiefer Seufzer, aber Mama war noch nicht fertig. „Wir basteln welche. Dann ist jedes Geschenk etwas Besonderes, etwas, das von Herzen kommt.“

Allgemeines Stöhnen, das Mama aber nicht kratzte. Sie packte die Reste des Abendessens zusammen und verschwand damit in der Küche. Papa folgte ihr mit einem einzelnen Teller, froh das Krisengebiet Wohnzimmer mit einem Grund verlassen zu können.

„Geschenke von Herzen? Aha ... Etwa so wie das Bild von deinem Sohn aus der 2. Klasse zum Muttertag?“, flüsterte er, damit die Kinder es nicht mitbekamen.

Sie wurde rot.

„Ach komm schon ... Es war ein Hundehaufen, den er zum Malen benutzt hat. Den konnte ich schlecht in die Schatulle legen“, wisperte sie zurück, vorsichtig über seine Schulter zur Tür spähend.

Die Schatulle war ein Schuhkarton, in dem sie für spätere Momente alle Bilder aufbewahrte, die ihre Sprösslinge je gemalt hatten. Begonnen hatte sie in dem Moment, als die Kinder die ersten Stifte halten konnten. Genauer gesagt war es die dritte Schatulle. Die ersten beiden vergammelten irgendwo auf dem Dachboden, weil sie die Schublade, in der sie stand, sonst nicht mehr hätte schließen können.

„Und der Handschuh aus der vierten Klasse von deiner Tochter?“

„Das war doch nur einer. Was soll ich mit einem einzelnen Fäustling?“

Den zweiten dazu stricken?, dachte sich Papa, behielt den Gedanken jedoch für sich, da er um Mamas handwerklichen Künste wusste.

„Ah ja.“ Papa nickte wissend und gab sich Mühe, sein Grinsen nicht zu zeigen. Sie hätte es sicher falsch verstanden. Wenn sie auf Missionskurs war, war mit ihr nicht gut Kirschen zu essen.

„Nun gut. Ich werde es überleben. – Aber weil wir schon bei den Geschenken sind: Was hattest du vor deiner glorreichen Idee als Geschenk gedacht? Weißt du, was deine Tochter sich wirklich wünscht? … Dein Sohn ist auf Nummer sicher gegangen und hat mich schon aufgeklärt.“

„Nein. Ich dachte an ein Buch von Greta. So ein Bildband von ihrer Reise zum Weltklimagipfel.“

„Bildband? – Ich dachte, sie wäre gut in Deutsch.“

„Ist sie auch, ich versteh nicht …“

„Na, seit wann ist Lesen aus der Mode gekommen? ... Ich wollte ihr eigentlich ein neues Mobiltelefon kaufen – sie wird ja immer mobiler – aber wenn du meinst … Schenken wir ihr lieber ein gutes Buch. Das ist auch günstiger. Das Geschenk für unseren Filius ist schon teuer genug. Was liest sie denn so?“

„Nichts. Leider.“

„Warum willst du ihr dann ein Buch kaufen?“

„Damit sie mehr liest. Lesen bildet.“ Sie wandte ihm den Rücken zu und schwieg. Nur ein kleines Achselzucken zeugte von ihrer Ratlosigkeit.

„Sicher, zumindest wird es sie nicht überfordern, wenn es ein Bildband ist?“, rief er ihre Entscheidung in ihr Gedächtnis zurück.

„Weißt du was Besseres?“ Ihr Ton klang schnippisch, so als hätte er den einzigen Plan zerstört ohne Alternative.

Mobiltelefone mochten problematisch sein, fand Papa, aber eins sprach für sie: „Immerhin könnten wir eine App installieren, damit wir wissen, wo sie ist, für den Fall, dass …“

Mama bekam Schnappatmung. „Auch noch Spionage? Als wäre ein Mobiltelefon nicht schon von sich aus verwerflich ... die Herstellung, der Gebrauch und die Entsorgung. Das geht gar nicht. Hast du nichts Umweltschonenderes?“

Papa zuckte mit den Achseln. Allmählich befürchtete er, die vielen Elterngruppen machten sich bei Mama bemerkbar. „Ist alles irgendwie politisch nicht korrekt, aber wir können sie ja fragen.“

„Oh, da kann ich dir jetzt schon sagen, was dabei herauskommt.“ Mama zog missbilligend die Luft an einer Seite des ansonsten geschlossenen Mundes ein, was ein unangenehmes Zischen gab.

„Ach ja?! Was denn?“ Papa war interessiert, was sich seine Kleine wünschte.

„Lippenstift, Eyeliner, Rouge, Makeup, Puder … willst du noch mehr hören? Nicht toll, aber zumindest können wir da auf Versuchstier-freie-Ware achten.“

Das hatte er nicht erwartet. „Schminke? Sie ist doch noch nicht so alt, dass …“ Sein Gesicht war ‚Entsetzen pur‘.

„Dreizehn ist sie. Fast vierzehn … Nicht erst, sondern schon. Nächstes Jahr ist Konfirmation, hast du das vergessen? Dein kleines Mädchen wird erwachsen. – Wusstest du nicht, dass sie bereits seit zwei Jahren ihrer Re…“

Er fiel ihr ins Wort. „Ja, ja, schon gut.“ Bloß nicht das böse Wort mit ‚R‘ hören. Das würde bedeuten, dass er bald die lüsternen Werwölfe an der Tür würde wegbeißen müssen. Schwere Aufgabe für einen verweichlichten Stubentiger, dem der Alltag die Zähne geraubt hatte.

Woran Sie nicht unschuldig war, dachte er, und sein grimmiger Blick folgte der Frau, die jetzt gelassen die Wäsche zusammenlegte.

Er machte sich nichts vor. Seine besten Tage hatte er in irgendeiner vollgeschissenen, stinkenden Windel nachts zwischen drei und vier Uhr verloren, als sie sich auf die andere Seite drehte und genüsslich schnarchte, weil er die nächtliche Windelschicht hatte. Kurz schoss ihm durch den Kopf: Wer ist damals eigentlich auf die bescheuerte Idee gekommen, die Nächte aufzuteilen?  Er hatte es vergessen.

Doch jetzt trauerte er den Minuten hinterher, in denen er seine Kinder nach dem Windelwechsel noch in den Armen schaukelte, bis sie wieder eingeschlafen waren. Diese Minuten hatten nur ihm gehört, ihm und seinen Sprösslingen. Er hatte jede Minute genossen, ihren Flaum auf dem Kopf vorsichtig mit einem Finger gestreichelt und die weiche Haut gespürt, zugehört, wie sie atmeten. Wenn sie sauber waren und lecker nach Kinderbrei und Babycreme rochen ... Er seufzte.

„Jetzt schon? Ok, Schminke muss wirklich nicht sein. Da gebe ich dir Recht.“ Er griff nach der Tageszeitung und gab sich gelassen, auch wenn er das bei Weitem nicht war. Er gab es nur ungern zu, aber seine Frau hatte ihn erschreckt.
„Was bin ich froh, dass wir bei unserem Sohn noch etwas Zeit haben.“ Papa betete still um Zeit. Lass sie bitte noch ein wenig Kind sein. Frau wird sie noch viel zu früh, führte er den Satz in Gedanken weiter.

Das Gespräch nahm einen unangenehmen Verlauf, da konnte er auch wieder zurück zu seinen Nachkömmlingen. An der Bar goss er sich mit einer Hand ein Glas Rotwein ein, das er zu seinem Lieblingssessel mitnahm. Das Glas in der einen Hand, die Zeitung in der anderen, sank er in die weichen Lederpolster, hoffend, dass er notfalls am Glas nippen konnte, falls man eine Antwort von ihm erwartete.

Er ließ die Zeitung sinken, als seine Frau ins Zimmer kam.

„Und, wie war euer Tag?“

„Mama hat mich heute zu einem Hautarzt gezerrt.“

„Und was hat er gesagt?“

„Pubertät.“ Seine Tochter verzog angeekelt das Gesicht.

„Da muss man durch. Jeder muss da durch“, ergänzte Mama. „Sie hat eine Tinktur bekommen, damit muss die Haut beträufelt werden. Dann wird das schon.“

„Welche Haut? Das kleine rosa Stück zwischen all den Kratern? Da musst du aber gut zielen“, kicherte ihr Bruder.

„Aarg, du kleine miese Ratte.“ Seine Schwester schnappte sich ein Kissen und wollte ihm an den Kragen. In letzter Minute fing Mama sie ab, bevor sie ihrem Bruder die Luft abdrücken konnte.

„STOP. Schluss jetzt. Wir haben WEIHNACHTEN, schon vergessen? – Entschuldige dich bei deiner Schwester. SOFORT … und du“, sie wandte sich an ihre Tochter, „… es ist dein Bruder. Wir sind eine Familie. IST DAS KLAR?“

Zweifaches geknurrtes Gemurmel. Nur widerstrebend trennten sich die ‚liebenden Geschwister‘. Gegen Mamas Argumente war selten ein Kraut gewachsen.

Papa grinste seinen Sohn an: „Ich wäre an deiner Stelle vorsichtig. In ca. fünf Jahren ist es bei dir so weit.“

„Niemals. Ich bin doch ein Mann.“

Steilvorlage. „Sagen wir mal so: Du willst mal einer werden, aber mit solchen Sprüchen wirst du das Alter wohl nicht erreichen“, fauchte seine Schwester.

Papa fing einen bösen Blick von Mama auf. Mach was, sprich ein Machtwort. Jetzt bist du dran, hieß das. Er seufzte, nahm einen Schluck Wein, um noch etwas Zeit zu gewinnen, dann ergab er sich in sein Schicksal.

„Wie hast du dir denn nun Weihnachten vorgestellt?“, wollte er von Mama wissen.

„Danke, dass du fragst. Also: Wir basteln unsere Geschenke. Es werden Lose gezogen, wer wen beschenkt. Das Geschenk darf nur aus recycelbaren Materialien bestehen. An Weihnachten werden die Geschenke prämiert.“

Papa beobachtete interessiert die Gesichter seiner Familie. Mama brannte für ihre Idee. Man konnte es an ihren roten Wangen sehen. Seine Kinder lümmelten gemeinsam auf der Couch, jeder in seiner eigenen Ecke, bis das Wort ‚prämiert‘ fiel. Förmlich wie ein Ruck zog Spannung in die gelangweilten Körper.

„Ein Geschenk?“

„Was denn? Irgendwas Tolles?“

„Der Gewinner darf sich ein Essen aussuchen.“ Zack, die Antwort hatte den Stöpsel gezogen, man konnte förmlich die Spannung wieder flüchten sehen. Fehlte nur noch, dass es auch noch zischte, so schnell fielen die Körper wieder zusammen.

„Echt jetzt? Och Mensch.“

„Das wird ganz toll!“ Mama versuchte es erneut, aber ihre Begeisterung verpuffte.

Papa griff ein. „Dann eben das ekeligste Essen und wer gewinnt, bestimmt, was es ist, muss es aber nicht essen.“

„Papa, das geht nicht.“ Mama war entsetzt. „Hast du vergessen, dass meine Eltern kommen?“

„Na prima. Für die wird das Essen dann keine Überraschung sein.“ Das Kissen, das Mama ihrer Tochter abgenommen hatte, flog in Papas Richtung. Geschickt fing er es ab, wenn auch das Glas Rotwein bedenklich wackelte. Für seine Kinder allerdings war er der Held. Das galt es zu nutzen.

„Lasst es uns doch einfach probieren. Gebt Mama eine Chance.“

„Aber nicht mit miesem Essen. Weihnachten ohne Geschenke ist so schon ätzend genug“, schlug seine Tochter vor und ausnahmsweise hatte sie die volle Zustimmung von ihrem Bruder.

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Als Papa abends seinen Wecker stellte, während Mama sich an ihrem Schminktisch eine dicke Schicht Nachtcreme auf das Gesicht schmierte, kam er noch einmal auf das leidige Geschenke-Thema zurück.

„Du willst das also echt durchziehen?“

Mama nickte, weil sie nicht sprechen konnte, ohne die Creme zu verwischen.

„Weißt du, was er sich wünscht?“ Sie schüttelte ihren Kopf. „Eine Bat-Höhle mit Cave. Voll ausgestattet mit Batmobil und so.“ Stolz berichtete er: „Ich habe auf dem Heimweg schon einmal im Laden vorgefühlt, nicht dass das Ding dann ausverkauft ist. – Ist ganz schön teuer, aber die Konfirmation wird auch teuer. So hat er etwas Ausgleich, findest du nicht?“

Ruckartig flog ihr Kopf zu ihm herum, und sie vergaß die Creme.

„Als wüsste er, was das kostet, geschweige denn, was Geld ist und wie schwer es erarbeitet wird. Sein Geburtstagsgeld ist im Eissalon und bei anderen zahnschädigendem Klebzeug verschwunden.“ Sie schnaufte verächtlich, dann fuhr sie fort: „Du warst schon in dem Laden? Ohne mich? … Dann ist das ja noch wichtiger, dass wir dieses Jahr Weihnachten ein Zeichen setzen.“ Die Bewegungen, als sie sich die Creme vom Gesicht wischte, ließen nichts Gutes ahnen. Papa wappnete sich gegen Mamas Angriffen, die auch nicht lange warten ließen …

„N-i-e-m-a-l-s, nur über meine Leiche. Das Ding ist Vollplastik der schlimmsten Sorte. Voll mit Farbstoffen.“

Papa grätschte ein: „Na ja, ist aus Erdöl gemacht, und das ist fast schwarz. So viel Farbe braucht es da nicht mehr.“ Dann duckte er sich blitzschnell hinter seinem Arm, denn Mama hatte ihre Haarbürste voll Zorn in seine Richtung gepfeffert.

„Sag mal, geht´s noch? Was hast du denn für ein ökologisches Gewissen?“ Sie schnaufte wie ein Stier durch die Nüstern. „Liest du nur die Witzseite von deiner Zeitung? Überall ist Plastik drin. Jetzt auch in uns. Da lass ich doch meine Kinder nicht noch zusätzlich mit dem Giftzeug spielen!“

„Dann eben Lego.“

„Auch Plastik.“

„Quatsch Plastik. Das ist kreativ.“

„Um kreativ zu sein, muss man nicht mit Plastik spielen. Ich will nicht, dass sich noch mehr Plastik in meinen Kinder anreichert.“

Papa konterte. „Nun, aus dem Alter, in dem sie Legobausteine verschlucken, sind sie garantiert raus. Zumal die selbst mit Apfelsaft verdammt schwer runter zu bekommen sind. – Ich habe meine ganze Kindheit mit Lego verbracht. Jetzt bin ich Ingenieur und baue in echt, was ich früher mit Lego gebaut habe. – Und ich lebe immer noch.“

Mama warf einen mitleidigen Blick auf Papas Glatze und meinte nur lakonisch: „Vielleicht hättest du nach der Hälfte aufhören sollen.“

Autsch, das saß. Papa griff sich erschrocken an die Stelle, von der er geglaubt hatte, es hätte noch keiner gemerkt, dass dort sein Haar dünner wurde. Mama grinste.

„Und überhaupt: Da sind Waffen dran. Keins meiner Kinder spielt mit Waffen.“

„Waffen? Jetzt mach mal halblang. Das ist etwas gefärbtes Plastik an einem Auto. Ein Kinderspielzeug.“

„Daaaaaaas …“, Mama zog bewusst das A sehr lang, „... im Film und in der Wirklichkeit zum Töten geschaffen wurde. Promilitaristisch.“

„Wenn du so denkst, dann dürftest du auch nicht mehr mit deinem Auto zum Bio-Supermarkt fahren. Die potenzielle Kampfmaschine.“

„Wieso? Es ist doch nicht mal ein SUV!“

„Rennsemmel bleibt Rennsemmel.“

„Ach, und wer schleppt das Gemüse nach Hause?“

„Also von mir aus können die 3-K gerne im Laden bleiben.“

„3-Was? Ich kauf keine Plastikreiniger.“ Mama guckte Papa irritiert an.

„Nicht 3-M … ich mein die 3-K … Kohl, Karotten und Kartoffeln. Endlich mal wieder ein Stück rotes Fleisch wäre mir allemal lieber. Da kann man auch nichts kaputt kochen.“

„Oh du … “ Ein Kissen flog der Bürste hinterher. Aber der Effekt gefiel ihr nicht. Hektisch sah sich Mama um auf der Suche nach etwas mit mehr Gewicht. Langsam gingen ihr die passenden Wurfgeschosse aus. „Ich gebe mir wirklich Mühe. Was kann ich denn dazu, dass meine Mutter uns wegen ihrem Job mit Fastfood großgezogen hat. Meine Kinder sollen es mal besser haben.“ Ihr kamen die Tränen.

Papa stand auf und nahm sie in den Arm. „Ach Schatzi, das weiß ich doch.“ Sie schluchzte kurz auf und kuschelte sich in seinen Arm. Papa strich ihr beruhigend den Rücken, bis die Geräusche leiser wurden. Dann schob er sie etwas weg, hielt sie aber an den Armen und wartete, bis sie hochblickte.

„Sieh mal, die Erde wurde auch nicht an einem Tag erschaffen. Geh´ es langsamer an.“

Mama nickte. Und Papa hoffte.

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Das Thema Geschenke wurde nicht mehr erwähnt. Mama wusste auch so die Familie zu beschäftigen. Das ganze Haus wurde geputzt und auf Vordermann gebracht.

Als Weihnachtsdeko bestand Mama auf recycelbaren Materialien. Das trieb teilweise seltsame Triebe. So waren die Eiszapfen an der Haustür dieses Jahr aus Bio-Karotten, die in Eischnee getaucht und mit Kokosraspel bestreut wurden. „Die kann man immer noch abknabbern und in einer Suppe verarbeiten.“

Sofort beschwerte sich ihre Tochter. „Ih, bäh. Ich ess doch keine Suppe, die der da …“, ihr Finger zeigte auf ihren Bruder, „… schon angelutscht hat.“ Sie erntete einen bösen Blick von Mama und eine herausgestreckte Zunge von ihrem Bruder.

Auch die Aktion mit den alten Kleidern war nicht ganz stressfrei.

Mama hatte beschlossen, alte Kleider der Sammelstelle für Bedürftige zu spenden. Als gerade eben ein halber Jutesack, überwiegend mit Mamas zu heiß gewaschenen und nun verfilzten Wollpulli gefüllt, dabei herauskam, ordnete Mama eine Schrankbesichtigung an. Und dabei fand sie das funkelnagelneue, hauchdünne Top mit den Glitzersteinchen auf den Spaghetti-Trägern, bestehend aus 100 % künstlichen Garnen.

Es war schwer zu sagen, was mehr für Mamas Empörung sorgte: die Kunstseide oder das leicht nuttige Aussehen.

„Meine Tochter trägt so was nicht.“ Mit spitzen Fingern hielt Mama das neckische Teilchen hoch.

„Trägt sie doch! Gib das her! Das habe ich von meinem Taschengeld gekauft.“

„Dann müssen wir wohl die Höhe noch einmal überdenken.“

Ups. Betretenes Schweigen. Dann ein neuer Versuch zu retten, was zu retten war.

„Aber das tragen alle.“

„Sind wir alle? Nimm dir ein Beispiel an Greta. Die trägt nur Wollsachen.“

„Dann war der Anorak auf dem Boot, mit dem sie nach Amerika gereist ist, also gehäkelt? Das glaubst du doch selbst nicht.“

„Das Ding kommt weg. Basta.“

„Du bist so was von gemein.“

Die Tür vom Badezimmer knallte ins Schloss und öffnete sich erst wieder, als der Geruch von Mamas leckeren Friedenskeksen - die einzige Art, wie Müsli auch schmeckte - durchs Haus waberte.

Papa hatte das Drama nicht mitbekommen, da er auf der Arbeit war. Abends vor dem Zubettgehen zeigte Mama ihren Fund und erwartete Bestätigung.

Er kam näher, nahm sie in den Arm, lächelte und meinte: „Hmm, kein schlechter Geschmack, das muss ich sagen … Das würde dir bestimmt gut stehen. Zieh doch mal an.“

Mama boxte spielerisch auf seine Brust und versuchte ein ernstes Gesicht. „Aber …“, wollte sie protestieren. Sie kam nicht weit.

„Doch wirklich, das erinnert mich an das Teil, das du bei unserem ersten Kennenlernen trugst. Damals in der Disco …“

Es wurde eine kurze, aber sehr schöne Nacht.

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Weihnachten rückte immer näher. Man spürte die Hektik überall. Es wurde noch einmal die Parole ausgegeben, Geschenke nur zu basteln. Kurz darauf verschwanden Küchenrollen und Klopapierrollen auf wundersame Weise. Leider traf es Papa; und er hatte die Wahl zwischen Politik und Sportteil. Er entschied sich für die Politik, da sich dort am wenigsten änderte und sie von Natur aus für den A… war, wie er fand.

Als er fertig war, bot er freiwillig an, in den nächsten Laden zu fahren und das Haus wieder vollständig einzudecken. „So was passiert mir nie wieder. Wie haben die das früher nur gemacht, und wie haben sich die Nichtleser beholfen? Mit Blättern?“

„Gute Idee!“, fand Mama. „Am Wochenende gehen wir in den Wald.“

„Was willst du denn da? Jetzt sag nicht, Blätter für unsere Toilette … Wirklich, da bin ich raus.“

„Nein, Moos, Rinde, Kastanien und Eicheln sammeln. Für unsere Krippe.“

„Welche Krippe? Wir haben keine.“

„Eben. Daher machen wir uns eine.“

Papa schwante Übles, aber er griff sich den Autoschlüssel und sorgte erst einmal umgehend für Toilettenpapier.

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Wider Erwarten war der Spaziergang dann doch geruhsam und erfrischend. Das Wetter spielte mit. Es war fast warm für Dezember, was Mama wieder auf den Klimawechsel brachte. Papa war nur froh, dass es nicht regnete.

Mama wählte den letzten Advent, damit die Krippe auch lange hielt. Die Kinder machten einen Wettkampf daraus, wer die besten Materialien fand. Erstaunlicherweise hatten sie sogar mehr Energie als die Erwachsenen, die sich nach dem Blechkuchen und dem heißen Kakao mit Sahnehaube sehnten, den es in dem Ausflugslokal gab. Mit dem heißen Getränk in den Händen hatte sogar Mama keine Lust mehr, über die Ökobilanz von importiertem Kakao nachzudenken.

Zu Hause angekommen, luden sie ihre gesammelten Schätze auf den Tisch, unter den Mama eine dicke Schicht von Papas Sportteil gelegt hatte. Da die Stimmung gut war, sparte sich Papa den Protest. Er hoffte, wenn die Bastelei fertig war, würde er die Ergebnisse der Regionalliga noch finden. Er hoffte vergebens. Am Ende der Familienaktion klebte alles miteinander, dass Mama die Krippe aus dem Papier regelrecht herausschneiden musste. Aber sie war toll geworden. Richtig toll. Das fanden sogar die Kinder.
Die Wände hatten sie mit dünnen Ästchen gewoben. Das Dach bestand aus Rinde, Ochs und Esel waren aus Kastanien und Eicheln, einige Bäume wurden von zusammengebundenen Tannenzweigen dargestellt. Nur das Jesuskind fehlte. Keinem kam eine Idee, wie man ein Jesuskind bastelte, das nicht einen Kopf wie ein Esel hatte, also blieb die Krippe leer.

Die frischen Tannenzweige regten noch einmal Mamas Widerstand.

"Das ist Baumfrevel. Der Baum blutet. Muss das sein? Und überhaupt: Jesus kannte keine Tannenbäume."

Das wurde jedoch einheitlich als künstlerische Freiheit weggefegt. „Der kennt alles, da wird ihn ein Tannenbaum nicht irritieren.“ Mama wollte noch etwas sagen, aber das Ergebnis sah dann so gut aus, dass sie darauf verzichtete. – Vielleicht war daran auch der Glühwein schuld, dem sie im kalten Wald ordentlich zugesprochen hatte. Papa umarmte Mama und sah ihr in die glänzenden Augen und hauchte: „Zufrieden, Schatz?“ Und Mama nickte.

Die Kinder wandten sich gespielt angeekelt ab. Sohnemann machte noch einige schmatzenden Geräusche, dann stürmten sie die Küche und dort die Keksdose, und es war wirklich Frieden auf Erden. Zumindest in ihrem kleinen Vorstadtreihenhaus.

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Alles war vorbereitet, Heilig Abend konnte kommen. Fehlten nur noch die Großeltern, die versprochen hatten zu kommen. Mama hatte ihre Mutter daher schon Anfang Dezember angerufen und über ihre Pläne zur ökologischen Weihnacht informiert. Es sollte also klappen.

„Ihr versteht das schon? Und du informierst auch Papa?“

„Sicher Kind, ich sage ihm Bescheid.“

Etwa pikiert wirkte Mamas Mutter zwar schon, aber das würde schon werden. Schließlich, davon war Mama überzeugt, musste es jedem Erwachsenen einleuchten, dass man der Zukunft etwas schuldig war. So legte Mama auf und vertiefte sich in das Kochbuch, dass sie extra für Weihnachten gekauft hatte. Dieses Jahr sollte es klappen. Sie wollte sich nicht blamieren.

„Willst du dir das wirklich antun? Essen für sechs Personen ist nicht ohne.“ Papa wirkte besorgt.

„Hmm.“

„Soll ich nicht doch …“

„Scher dich aus der Küche. Ich pack’ das schon. Wäre doch gelacht!“, knurrte Mama.

Papa bemerkte, dass die Küche ein Minenfeld war und verzog sich ins Wohnzimmer. Besser man störte nicht, wenn Mama so drauf war.

Drei Tage dauerte die Klausur, dann verkündete Mama: „Ich hab’s.“

„Und was gibt es?“

„Veganen Weihnachtsbraten mit Rotweinsauce, Polenta-Talern und Algensalat.“

„Veganer Braten?“ Papa sah Mama misstrauisch an. „Aus was besteht der denn?“

„Leinsamen, Kidneybohnen und Haferflocken.“

Papa schüttelte sich. „Wie bist du denn auf die Idee gekommen? Kann man das überhaupt essen?“

„Na hör mal! Das Rezept haben sie im Fernsehen bei ‚Volle Kanne‘ gezeigt. Ist echt ganz einfach. Und ich kann es vorbereiten. Das muss dann nur noch über Nacht in den Kühlschrank, damit es fester wird. Am Heiligen Abend brauch ich es nur noch aufbacken. – Voll easy. Ein Rezept für jeden.“

Papa rümpfte eine Augenbraue, verkniff sich aber jeden Kommentar.

Mama nahm sich die Schlüssel von der Kommode im Flur und verzog sich, um die Zutaten einzukaufen. Kaum zurück, vergrub sie sich in der Küche und kam erst zwei Stunden später wieder zum Vorschein. Bester Laune hatte sie nicht mal etwas dagegen, als die Kinder zu ‚Magic Burger‘ wollten, damit sie, wie sie sagten: „… wenigstens etwas Vernünftiges im Magen haben, um Weihnachten zu überstehen.“

Am nächsten Tag waren die Großeltern da. Nach der Begrüßung verkündete Mama: „Erst wird gegessen, dann kommen die Geschenke.“

Oma und Opa sahen sich an, dann kam wie aus einem Mund: „Du kochst?“

Alle Blicke flogen zu Mama. Die reckte sich zu ihrer vollen Größe von 1,65 m, hob das Kinn und meinte nur: „Selbstverständlich.“

„Ach Kind. Wir sind schon satt. – Wir wollten dir nicht so einen Umstand machen, also haben wir auf der Hinreise schon eine Kleinigkeit gegessen. Für uns musst du nicht so viel machen!“

„Aber ich habe extra ein neues Rezept ausprobiert.“ Mama klang enttäuscht.

Wieder tauschten Oma und Opa einen Blick, dann brummte Opa: „Eine Kleinigkeit werden wir schon runterkriegen.“ Oma nickte bestätigend und Mama wirkte etwas beruhigt.

„Kommt erst mal ins Wohnzimmer. Cognac zum Aufwärmen?“

Der Tisch war schon gedeckt. Eine halbe Stunde später stand das Essen auf dem Tisch. Den Algensalat hatte Mama bereits fertig eingekauft, die Polenta war eine Blitz-Variante ohne Kochen. Nur heißes Wasser zum Quellen. Kein Problem also. Fehlte nur der vegane Braten.
Auf den ersten Blick sah er gut aus. Als Papa ihn jedoch anschneiden wollte, hüpfte er wie ein Karnickel auf der Flucht über die Tischdecke und hinterließ eine Spur der Verwüstung. Die Rotweinsoße bildete einen See, rotbraun wie nach einem Erdrutsch, die Schale mit dem Algensalat wackelte und gab ihren Inhalt frei, der sich, einer Uferböschung gleich, verteilte, und der Braten kam mittig zum Liegen. Alles in allem eine idyllische Landschaft. Die hätte dem Jesuskind bestimmt auch gefallen.

Mama war den Tränen nah. Der Rest guckte erst erschrocken in die Runde, dann fingen die Kinder an, schallend zu Lachen. – Papa erholte sich als Erster. Er griff beherzt zu, zwang den Braten wieder auf seinen Teller und versuchte es erneut. Nur leider kam er wieder nicht an eine Scheibe, aber fand des Pudels Kern, bzw. des Bratens Kern.

„Der ist eiskalt. Wie innen gefroren.“

„Das kann nicht sein, ich hatte den eine halbe Stunde im Backofen.“

„Hast du auch die Temperatur eingeschaltet?“

Mama runzelte die Stirn. „Natürlich.“ Aber sie traute dem Braten nicht. Voller Ahnung huschte sie in die Küche und kam nicht wieder.

Alle sahen sich betroffen an.

Papa folgte Mama und fand sie als heulendes Elend vor dem Ofen kniend. Ein Blick und er wusste warum.

„Ich habe doch a-a-alles nach Anleitung gemacht. Extra stundenlang gekühlt und dann in den Ofen.“

„Wo hast du ihn gekühlt?“

„Na im Tiefkühlfach. Ich hatte keine Zeit mehr, um ihn 24 Stunden im Kühlschrank ziehen zu lassen, und im Tiefkühlfach geht es schnelle-e-er.“ Mama schniefte.

Aha, das war wohl zu lang gewesen. Der Ofen konnte das nicht mehr ’rausreißen, zumal Mama die Temperatur vergessen hatte. So hatte er nur kalte Luft über den Braten gepustet.

Papa griff nach einem Küchentuch und reichte es Mama. Sie putzte sich laut prustend die Nase, dann ließ sie sich von Papa wieder aufrichten, lehnte sich an den Küchenschrank, aber der Kopf hing tief auf ihrer Brust, während sie leise weiter schluchzte. Er nahm sie in den Arm und barg ihren zuckenden Kopf an seinem weißen Hemd.

Was soll’s, wenn nachher Flecken ihrer Wimperntusche daran sind, dachte er sich. Mama ging vor. Er liebte sie, wie sie war, auch wenn das hieß, nicht immer – eigentlich nie – ein 5-Sterne-Menü zu bekommen. Plötzlich spürte er weitere Arme um Mama und sich. Die Kinder waren in die Küche gekommen, um Mama zu trösten. Dann kamen Oma und Opa. Auch sie umarmten Mama, die kaum noch in dem Menschenknäuel zu sehen war.

„Rudelkuscheln“, krähte der Sohn. „Au ja, Rudelkuscheln“, fiel die Tochter mit ein und alle lachten. Selbst Mama verzog das Gesicht zu einem Lächeln und wischte sich die Tränen ab.

Opa strebte zur Hausbar, holte ein großes Glas, füllte es mit einer bernsteinfarbenen, klaren Flüssigkeit und gab dies Mama. „Runter damit“, befahl er. Mama schluckte und musste husten. „Alles ... Das ist Medizin.“

Mama ergab sich. Sich schüttelnd tat sie wie geheißen. Der Cognac zauberte ihr eine leichte Röte ins Gesicht. Dann übernahm Papa das Regime. In kürzester Zeit hatte er die Kinder zum Aufräumen verdonnert. Dann verschwand er kurz im Keller und kam mit seiner Geheimwaffe wieder.

„Ist gut mein Schatz. Ich übernehme jetzt. Ruh dich aus. Gleich gibt’s Essen.“ Damit schob er Mama ins Wohnzimmer und verschloss die Tür zur Küche. Kurze Zeit darauf duftete es köstlich, dass sich fünf Nasen in seine Richtung drehten.

„Ente?“

„Ja Ente.“

„Aber …“

Papa war auf Nummer sicher gegangen und hatte beim großen Einkaufstrip vor den Feiertagen eine fertige Ente besorgt, die bereits in handliche Teile zerlegt und gebraten war, und diese in einem unbeobachteten Moment im Keller eingefroren. Eigentlich sollte sie für den zweiten Feiertag sein, denn er wollte nicht auf seine Ente verzichten, aber das hier ging vor. Kurz in die Mikrowelle, dann im Ofen knusprig überbacken, dazwischen die Fertigknödel ins Wasser, ein Glas Rotkraut aufgewärmt und fertig war das Menü. Den veganen Braten versteckte er in einer Brottüte, damit Mama den nicht mehr sah, und entsorgte ihn auf dem Komposthaufen.

Sicher war sicher.

Es war ein tolles Essen. Auf einmal hatten selbst Oma und Opa wieder Hunger und die Schüsseln wurden ratzeputz leer gegessen. Als sie sich alle die vollen Bäuche rieben, wurden die Kinder unruhig.

„Die Geschenke, was ist mit den Geschenken?"

Die Erwachsenen hatten ein Einsehen, unterbrachen ihre Verdauungspause und gaben nach. Schnell waren die Geschenke verteilt und wurden ordentlich bewundert.
Sohnemann hatte für Papa einen Roboter aus Papprollen gebastelt, was erklärte, weshalb Papa noch einmal hatte einkaufen fahren müssen. Mama hatte Socken für Sohnemann mit einem Logo seines Lieblingsfußballteams gestrickt, eine echte Meisterleistung für sie. Töchterchen hatte einen Blumentopf mit Serviettentechnik für Mama verziert und Papa eine Kette aus Silberdraht für seine Tochter gebastelt. Und von den Kindern kamen noch Topflappen für die Großeltern.

Fehlten noch die Geschenke von Oma und Opa. Erwartungsvoll sahen die Kinder zu ihnen auf. Opa ging an den Wagen und kam mit vier Geschenken wieder.

„Und das ist von uns“, meinte er lächelnd und setzte sich zu Oma auf das Sofa.

Papa erhielt eine gute Flasche Rotwein, die er sofort öffnete und Oma und Opa auch ein Glas einschenkte.

Als die Kinder ihre Geschenke öffneten, mussten alle ihre Gläser festhalten. Das Geschrei war ohrenbetäubend. Töchterchen erhielt ein Mobiltelefon in Pink, ihrer Lieblingsfarbe, Sohnemann sein geliebtes Batcave mit allem Drum und Dran.

Mama blickte strafend von Papa zu ihren Eltern und zurück.

„Das haben sie doch von dir!“

Papa grinste zufrieden, schwieg aber.

„Ihr habt doch gesagt, ihr schenkt nichts, was nicht ökologisch ist.“

Oma griff ein: „Falsch. Ich habe nur gesagt, ich werde es deinem Vater ausrichte. Es war nie die Rede davon, dass wir uns daran halten.“

„Aber ...“ Mama stutzte. Das war wohl wahr, musste sie sich eingestehen.

Oma streichelte besänftigend Mamas Arm. Dann erklärte sie: „Ach Kind, Eltern sind zum Erziehen, Großeltern zum Verziehen. – Das ist schon seit Generationen so, und das Gesetz wirst du doch nicht brechen wollen …“ Dabei zwinkerte sie so schelmisch, dass selbst Mama weich wurde. „Lass es gut sein, irgendwann ist es an dir, Oma zu werden. Für den Moment ist alles perfekt.“

„Ist es nicht. Wir haben nicht mal ein Jesuskind“, hauchte Mama in einem letzten Aufbegehren.

Da zog Oma ein weiteres Päckchen aus der Tasche. „Hier Kind, das ist dein Weihnachtsgeschenk. Mach es auf.“

Erstaunt öffnete Mama vorsichtig das kleine, hübsch verzierte Kästchen, und ihr kamen die Tränen. Die blickte ungläubig ihre Eltern an. Die nickten.

Papa beugte sich neugierig zu Mama, um zu sehen, was in dem Kästchen lag, das Mama zu Tränen rührte und er verstand.

Sorgsam auf Watte gebettet lag ein kleines Jesuskind, perfekt aus Stroh und Faden gebastelt und mit einem gütigen, handgemalten breiten Lächeln auf dem Gesicht. „Aber das ist doch …“, hauchte Mama entgeistert.

Oma nickte. „Ja, das ist das Jesuskind, das du damals im letzten Jahr des Kindergartens für uns gebastelt hast und das immer in unserem Weihnachtsbaum hing. – Wir haben es all die Jahre sorgsam gehütet und nun ist es Zeit, dass es zu dir zurückkommt. – Und sieh nur, das Beste ist: Es ist 100% ökologisch.“

Das war es – und Mama lächelte glücklich und zufrieden, als sie das Jesuskind vorsichtig in die Krippe legte, die jetzt perfekt war.

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Osterkalender 2019

Der Tag, an dem ich kein Kind mehr sein durfte …

Kennt ihr das, wenn ihr glaubt, weder Fisch noch Fleisch zu sein? Ekeliges Gefühl, was?
Hier gehörst du nicht hin, dort aber auch nicht. Oder noch nicht.
Bei uns daheim sagte man dann: Dich hat der Esel im Galopp verloren. Dabei gab´s nirgendwo mehr Esel.
Blöder Spruch.

Im Laufe meines Lebens haben mich ganze Eselshorden schon verloren, ohne dass ich je auf einem Rücken saß. Aber in Erinnerung ist mir ausgerechnet ein Osterfest geblieben.

Was war passiert?

Es war mal wieder soweit. Ostern war´s, mein absolutes Lieblingsfest von allen Festen, die so gefeiert wurden. In meiner Familie war es Tradition, dass wir Kinder in Omas Garten bunte Ostereier suchten. Ein Heidenspaß für meine Cousins, Cousinen und mich. Meine Eltern reisten dafür extra immer zu Ostern an, zwei Stunden Stillsitzen in der Bahn, aber was ist schon eine so lange Fahrt, wenn man die Großeltern wiedersehen konnte und es zum Ostereiersuchen ging. Ein Mückenschiss, sag ich euch.

Die Großen, also meine Eltern, Tanten, Onkel und meine Großeltern machten ein Riesengeheimnis darum. Alle achteten streng darauf, dass kein gefärbtes Ei vor Sonntagmorgen zu sehen war. Ein Getuschel und Geraune verstärkte die Vorfreude noch und machte einem klar, dass es bald soweit war. Freitag- oder Samstagabend wurden wir früh ins Bett geschickt. Man musste ja fit sein, um vielleicht doch noch den Osterhasen zu erwischen, wie er gerade dabei war … Aber wie früh wir auch ins Bett gingen, er war immer schneller.

„Nächstes Jahr kriegen wir ihn.“ „Ganz sicher!“

Wir Jungen gaben uns das Versprechen fest in die Hand und versuchten es immer wieder.
Erfolg hatten wir nie, aber Hoffnung.

Mit den Jahren wurde es immer unwahrscheinlicher, dass es ein Hase war. Anzeichen gab es immer mehr. Die Großen wurden nachlässig. So schickte mich meine Oma zur nahegelegenen Hühnerfarm, wo ich 80 Eier kaufen sollte. Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg. Wer sollte die denn alle essen? Wir waren doch nur neun. Mein Großeltern, meine Eltern, meine Tante und mein Onkel und meine beiden Cousinen. Die Cousins lebten nebenan und hatten ebenfalls eine größere Eierbestellung zu holen. Die zählten also nicht mit. Vielleicht käme noch meine andere Cousine mit Bruder und ihren Eltern, dann wären es noch mal vier. Immer noch eine recht üppige Eierbestellung.

Als es sich schließlich nicht mehr verheimlichen ließ, wurde uns gesagt: „Oma hilft dem Osterhasen.“
Das konnte man verstehen. Bei den vielen Kindern auf der ganzen Welt, da war das sicher besser, wenn ihm jemand half. Er hatte ja auch nur Pfoten, keine Hände wie der Weihnachtsmann. Und er musste die Eier selbst schleppen. Der Weihnachtsmann hatte ja wenigstens einen Schlitten. Die Argumentation leuchtete uns also ein.

80 Eier und 20 Knickeier. Knickeier waren Eier, die aus der Norm fielen. Zu groß, zu klein oder dreckig, manchmal mit zwei Dotter oder auch einfach nur etwas angeschlagen, aber noch nicht offen und deshalb günstiger. Oma nutzte sie für Kuchen und Nudeln, die sie in rauen Mengen herstellte und über einem Stock nahe des Ofens trocknete, bevor sie in einer großen Blechdose für später aufbewahrt wurden. Alle, bis auf die, die vorher in unseren Bäuchen landeten. Gespannt saßen wir immer zu zweit oder zu dritt auf dem Sofa vor dem Küchentisch.  Gab es Streusel, war das schon das erste Highlight der vor uns liegenden Tage und wir lauerten selig auf unsere Gelegenheit.

„Du bekommst Bauchweh, wenn du rohen Teig isst!“, war die Standardwarnung, aber hat es je ein Kind gegeben, das auf eine solche Warnung reagiert hat? Zumindest bei uns gab es keinen. Wir grinsten, vergruben kurz unsere Händchen unter den Oberschenkeln, um gleich darauf wieder Teig zu naschen. Oma scheuchte uns vorbeugend zum Händewaschen, damit die verbliebenen Streusel sich durch unsere Händchen nicht grau verfärbten, denn sie wusste, wir konnten der süßen Pracht nicht widerstehen. Je nachdem, wie viele Enkel sie beobachteten, passte meine Oma sogar in weiser Voraussicht die Streuselmenge für den Kuchen an. Ihr sanftes Schimpfen gehörte irgendwie dazu, wurde aber geflissentlich überhört. Omas Kuchen waren eben die Besten. Und sie verzuckerten uns die Wartezeit.

Je näher der Sonntag kam, desto ängstlicher wurde der Blick in den Himmel. Ob das Wetter hielt? Ostereier suchte man doch im Sonnenschein im Garten, wo der Osterhase leichtes Spiel hatte beim Verstecken. In der Wohnung zu suchen war nicht so prall. Die Verstecke langweilig und immer irgendwelche Beine von einem Erwachsenen im Weg. Ätzend.

Meist hatten wir Glück. Wir drängelten und schoben uns vor der Tür und jeder wollte als erster ein Ei finden. Prickelnder konnte kein Formel Eins-Rennen sein. Wir wurden aber noch vor der Startlinie wieder eingefangen. Badezimmer, Zähne putzen, Gesicht waschen. Erbarmungslos. Dabei warteten doch die Eier auf uns. Man stelle sich vor, während wir uns mit so Nichtigkeiten rumplagen mussten, würden wilde Tiere die Eier wegschleppen. Oder Kinder vom Nachbarn. Oder der Hase würde sie wieder mitnehmen. Obwohl … Letzteres wohl eher weniger, aber die Vögel. Was, wenn sie die Eier anpickten? Vergeblich unser Jammern. Die Erwachsenen waren nicht zu erweichen. Ihr strenges Gesicht duldete keinen Widerspruch, und wir fügten uns murrend und widerwillig.

Und dann … endlich … wurde die Tür geöffnet, und die wilde Horde tobte einmal quer durch den Vorgarten und dann rund ums Haus.

Mit den Jahren wurden wir Älteren bei den offensichtlichen Nestern zurückgehalten. Die sollten für die Kleinsten von uns sein. Die, die es noch nicht so drauf hatten mit suchen. Nun gut, ich zuckte mit den Achseln, das konnte man noch nachvollziehen. Aber dann kam der Tag …

Längst war klar, dass es den Osterhasen nicht gab. Aber man verdrängte es immer erfolgreich. So auch jetzt. Die Tür öffnete sich, ich stürmte an den offensichtlichen Eiern vorbei und suchte die geheimen Ecken, als sich eine Hand auf die Schulter legte.

„Nicht für dich.“ Irritiert versuchte ich mich loszureißen, überhaupt nicht begreifend, was da jemand zu mir sagte. Der Griff wurde fester. „Lass die Jungen dran. Du bist schon zu alt.“

Zu alt? Wozu? Ostereier suchen? Konnte man je dafür zu alt sein?

Hätte man mir meine Arme abgeschlagen und die Beine an den Knien gekürzt, ich hätte mich nicht schlimmer fühlen können. „Du brauchst das nicht. Sei nicht so gierig. Das ist nur für die Kleinen. Du bist zu alt.“ Ein Faustschlag im Magen, den ich heute noch spüre.

Gier? Echt? Als hätte mich die Schokolade je interessiert. Die verschenkte ich regelmäßig. Ich war mehr der Wurstfan. Nein, es war das Suchen. Dieses kribbelige Gefühl, wenn man was fand. Wie Sprudelwasser im Hirn und im Bauch. Wie Sherlock Holmes, obwohl ich den damals noch nicht einmal kannte, drehte ich mit Begeisterung jedes Primelblatt um. Es könnte ja ein Schokoladenei darunter gerollt sein. Die waren schließlich sehr klein.

Und nun sollte das alles ein Ende haben? Nie wieder?

Schock!

Mein Ostern war ruiniert. Gründlich. Hätte es fünf Tage hintereinander geregnet, alles in Schlamm getaucht, es wäre mir egal gewesen. Ich hätte es vermutlich nicht mal bemerkt.

Den Großen entging mein panisches Gesicht. – Meine plötzliche Antriebslosigkeit. – Meine Zurückgezogenheit. Um mich herum tobte das Leben, es war mir plötzlich alles sch... egal.

Nicht nur der entgangene Spaß nagte an mir. Auch meine falsch verstandene Motivation. Ich, die ich immer den Kleinen gezeigt hatte, wo die Nester lagen, die ihnen meine Eier, auch die blöden Schokoladendinger, die sie so liebten und die selten waren, geschenkt hatte, ich sollte gierig sein? Mir kamen die Tränen. Sie rannen still die Wangen herunter; keiner merkte es. Mit hängendem Kopf schlich ich zurück in die stille Küche und wartete, dass die johlende Gemeinschaft zum Frühstück mit den gefundenen Eiern auftauchte, um sie zu verspeisen.

Meine Kinderseele mit Füßen zertrampelt und der Jugendseele mit auf den Weg gegeben, dass man die Beachtung nicht wert war. Das zog länger. Es hinterließ lange noch ein schales Gefühl auf meiner Zunge, und ich würde denjenigen von damals gerne entgegenschreien: Das war nicht fair. Ich war ... nein, ich bin doch auch noch da. Habt ihr mich vergessen?

Es ist sinnlos. War es schon immer. Mal abgesehen, dass von den Personen nur noch zwei leben, verstanden hätte mich keiner. Damals nicht und heute immer noch nicht. Vermutlich hätte man nur mit dem Kopf geschüttelt, sich umgedreht oder mich blöd angemacht. Dabei hat es mich wirklich verletzt.

**V**   **V**   **V**

Zwei weitere trübe Jahre vergingen, dann schöpfte ich wieder etwas Hoffnung. Mittlerweile wusste ich, dass wir so früh ins Bett geschickt wurden, weil die Erwachsenen dann die Eier färbten, mit Speckschwarte glänzend polierten oder Bilder aufklebten. Da wollte ich mitmachen. Unbedingt. Wenn ich schon kein Kind mehr war, dann gehörte ich also zu den Erwachsenen. Logisch, oder?

Weit gefehlt. „Wenn du konfirmiert bist, dann darfst du. Vorher nicht.“ Na toll. Kind nicht, Erwachsener auch nicht. Ich war enttäuscht.

Dazu kam die Erniedrigung, mit den Zwergen ins Bett gescheucht zu werden, obwohl man doch nicht zu ihnen gehörte. – Wohlgemerkt: zwei Stunden vor der üblichen Zeit. – Ich lag wach und hörte das Kichern aus der Küche, begleitet von dem Schnarchen der Zwerge. Nun gut, ein wenig bedauerte ich mich selbst. Zugegeben. Trotzdem! Die Hilflosigkeit ob der empfundenen Ungerechtigkeit färbten jeglichen Gedanken tiefschwarz. Nur schwer schlief ich endlich ein.

Es war eine ätzende Zeit. Ich fühlte mich ausgestoßen. Nirgendwo dazuzugehören tat weh. Dazu kam, dass in der Zeit auch der Schulwechsel stattfand. Auch hier war die Zuordnung nicht einfach. Ich kam in eine weiterführende, fremde Schule. In meiner Klasse kannten sich alle schon seit Jahren. Ich kannte keinen. Die Folge war klar.

Eierfärben durfte ich dann erst mit fünfzehn, zwei Jahre nach der Konfirmation. Es war Arbeit, aber zumindest eine winzige Befriedigung.

 

**V** **V** **V**

Lange habe ich daran zu knabbern gehabt. Es hat mich sensibilisiert für Ausgestoßene, mich interessiert, wie sie in die Lage kamen. Und ob ich etwas gegen dieses miese Gefühl unternehmen konnte, das ich gespürt hatte und nicht vergessen konnte.

Aber es dauerte noch einmal mehr als drei Jahrzehnte, bis ich mich mit Ostern endgültig aussöhnte. In den Jahren dazwischen sorgte ich persönlich für meine bunten Eier. Ob in Beziehung oder nicht: gefärbte Ostereier, wenn auch nur mit Gräsern, Socke und Zwiebelschalen gefärbt, waren Pflicht. Und dann kam das Ostern mit den Kindern meines Freundes.

Tage vorher wurde wieder der Himmel beobachtet. Sonntagmorgen war ich noch früher als sonst wach und huschte allein durch den Garten. Die Stille beruhigte mich, gleichzeitig spürte ich wieder das Sprudelwasser in den Gliedern, und ich gab mir echt Mühe, die Verstecke machbar, aber nicht zu offensichtlich zu wählen. Die Zeit dort im stillen Garten, der Tau, Sonnenstrahlen, die kitzelten, die ersten Vogelstimmen und die bunten Eier … all das beflügelte mich … und nahm mir den jahrelang mitgeschleiften Groll. – ICH hatte es in der Hand, – ja ich – dass sich keiner ausgestoßen fühlen musste. Egal wie alt.

Meine Güte, dieses Ostern war fast noch besser als meine Erinnerungen an die Kindheit.

Dank euch. – Ihr habt mir mein Ostern zurückgegeben.

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Liebe Leser meiner Seite,

ich schulde Ihnen noch einen Bericht von meiner Buchpremiere.
Am 05.02.2019 durfte ich Gast sein des Bremer Literaturkontors und von Frau Angelika Plückebaum in ihren Räumen der Buchhandlung Leuwer, Am Wall 171, Bremen und mein Buch "Kein Erbe ohne Tod" präsentieren.

Nun, was soll ich sagen:
Stau in Gröpelingen und rund um alle Zubringer zur Autobahn ließen das Schlimmste befürchten. Kalt war es, feucht. Ein Wetter zum Gruseln. Trotzdem waren einige Menschen aufgebrochen, mich zu hören, statt sich auf dem heimischen Couch in eine Decke einzuwickeln.

Ja, es waren Menschen gekommen. Der erste Stein purzelte von meinem Herzen. Diese acht Personen galt es  bestmöglich zu unterhalten. Eine kleine Aufmerksamkeit an jeden der Anwesenden, dann wurde es Zeit.
Nach einer kurzen Einführung, einem Interview mit Herrn Davids vom Literaturkontor, startete ich in meine erste Lesung. Nervosität? Kaum, denn die Atmosphäre war die einer kleinen Familie.
Angenehm, heimelig, willkommen. Ich fühlte mich gut aufgehoben und hoffe, das hat man auch gespürt.

Eingedenk aller Ratschläge habe ich pflichtschuldig nach einer halben Stunde meine Gäste gefragt, ob sie eine Pause zum Vertreten der, vielleicht eingeschlafenen, Füße brauchten, aber was soll ich sagen:

Meine Gäste mochten mein Werk so,
dass sie auf eine Pause verzichtet haben
zugunsten weiterer Seiten.

Ich war baff. Mit so etwas hatte ich im Leben nicht gerechnet. Wie gut, dass ich noch einige Seiten vorbereitet hatte. Nun konnte ich noch einige Lieblingsszenen hinzufügen, die auszulassen mir sehr leid getan hätte.
Aber sagt selbst:

Gibt es ein besseres Lob für einen Schreiberling wie mich?
Ich finde nicht.

Es machte einen Heidenspaß.
Für so etwas lebt ein Autor, und das gibt ihm Mut, weiter zu schreiben. Sich mit den Helden zu quälen, wenn sie nicht machen wollen, was man sich für sie ausgedacht hat. Die Spannung zu kitzeln, bei 30 Grad über Schnee zu schreiben und schlussendlich die Bösen angemessen zu bestrafen ... oder auch nicht. Wer weiß das schon?

Es gibt kein dankbareres Publikum als dies,
welches ich hatte.
Sie haben mich so glücklich gemacht,
mir einen unvergesslichen Abend geschenkt.

Vielen Dank.

~~~*~~~

Herzlichen Dank auch den Autoren und Fotografen
der Zeitung Weser-Kurier und des Stadtteilkuriers
für ihre freundlich Berichterstattung.

Nachstehend die Artikel zum Nachlesen:

Weser-Kurier, Stadtteile Bremen Mitte
11.02.2019, Autor Dr. Magali Trautmann, Foto Petra Stubbe

Artikel zur Buchpremiere vom 05.02.2019

 

Weser-Kurier Hauptzeitung
05.02.2019, Autor Katharina Frohne, Foto Christina Kuhhaupt

Weser-Kurier (Hauptzeitung) vom 05-02-2019

Krimilesung in Rees - Kein Erbe ohne Tod

Die MoSiMo Galerie und ich möchten zu einem
(ent-)spannenden Abend einladen. (Catering inkl.)

Lesung aus dem Krimi "Kein Erbe ohne Tod"
von Agatha van Wysn.

02.11.2019, 17:00 - 20:00 Uhr,
Artraum-Mosimo Galerie
Emmericher Strasse 4, Rees

Unsere Plätze sind begrenzt, deshalb sichert euch schnell Tickets, erhältlich über die MoSiMo Galerie.
Im Eintrittspreis ist ein kleiner Imbiss enthalten.

Wir freuen uns auf rege Teilnahme.

Bis bald.

Planen Sie einen Urlaub an unserer schönen Ostsee?
Womöglich sogar auf Rügen?
Und das sogar im Juni?

Da hätte ich doch einen Termin für Sie, damit Ihnen die Urlaubslektüre nie ausgeht. Kommen Sie doch auf die

Buchmesse Rügen
08.06.-09.06.2019
im Naturerbe Zentrum RÜGEN,
Forsthaus Prora 1, 18609 Ostseebad Binz/ OT Prora

Sie finden mich am Stand des JustTales Verlags.
Und vielleicht, wenn die Veranstalter noch einen Platz finden, kann ich Ihnen aus meinem neusten Krimi vorlesen. Wir werden sehen ...

Auf einen schönen Sommer

Ihre Agatha

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Nachlese Buchmesse Rügen 2019:

Es hat sich gelohnt.
Interessierte Leser mit Zeit für ein Gespräch. Dazu nette Kollegen, die sich gegenseitig unterstützten (sehr selten) und, was auch kaum mit Gold aufzuwiegen ist, engagierte Organisatoren.

Die örtliche Presse (Ostseezeitung) und sogar der Bürgermeister von Binz, Herr Karsten Schneider, nahmen sich die Zeit, mit Autoren und Verlagen zu sprechen, ihre Wünsche und Eindrücke zu hören. So viel Aufmerksamkeit wünscht man sich öfter.

2019.06.08 Rügener Buchmesse - OstseeZeitung 11.06.2019
(PS: Na, die kenn ich doch ... Bild unten links.)

Fazit:
Ich komme gerne wieder. Leider erst in zwei Jahren, aber das muss man auch verstehen. So eine Organisation ist eine Menge Arbeit und ich habe Hochachtung vor Janet Lindemann und Dr. Frank Meierewert und ihrer Leistung.

 

Fabula Est, Solingen

 

Am 11.05.2019 findet die 2. Fabula Est in den Räumen der Stadtbibliothek Solingen statt. Hier kann zwischen Bücher gestöbert werden, Gespräche mit den Autoren geführt werden oder man bekommt Appetit auf mehr bei den kurzen Lesungen, die veranstaltet werden.
Ich habe die Aufforderung wörtlich genommen und werde dieses Jahr mit dabei sein.

Treffen Sie mich und meine Bücher auf der

Fabula Est
11.05.2019 ab 10:00 Uhr

Eintritt frei

Stadtbibliothek Solingen
Mummstr. 10, 42651 Solingen

Gerne signiere ich Ihnen dort auch ihr Exemplar meiner Bücher.
Ich freue mich auf Sie.