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Alle Jahre wieder, so auch dieses Jahr:
Autoren-Osterkalender 2020


Joe hasste Ostern.

Ostern war echte Sauregurkenzeit. Einer von vielen Gründen, warum Joe Ostern hasste. Gab nichts zu klauen, es sei denn, man war lebensmüde. Waren ja alle zu Hause und gingen sich auf die Nerven. Undenkbar, da ein Ding abzuziehen.
Die Gutbürger saßen alle um den Tisch und fraßen vor lauter Langeweile, bis ihre Hosenknöpfe absprangen. Das hätte Joe auch gerne, aber er war abgebrannt. Total blank und nirgendwo ein Job zu finden.
Vor lauter Verzweiflung hatte er bei Mike in der Kneipe nachgefragt, ob er nicht an der Theke helfen könne oder ob kleine Botengänge zu machen waren, aber Mike hatte nur gelacht.
„Ostern ist hier zu. Kommt sowieso keiner, wozu also aufmachen. Außerdem ist mein Kleiner jetzt 6 Jahre. Da will ich das Ostereiersuchen noch mal genießen. Lang können wir ihm nicht mehr sagen, dass der Osterhase die Eier bringt.“ Er lachte schallend, gab Joe noch eine Zigarette und kümmerte sich wieder um seine Bestellungen. Als Joe schon an der Tür war, fiel Mike noch was ein. Er kritzelte schnell einige Worte auf einen Bierdeckel, den er wie ein Ufo zur Tür segeln ließ. Joe fing den Bierdeckel geschickt auf, las die Worte und murmelte ein flüchtiges Danke, bevor er die Kneipe verließ.

Oo~~oOo~~oO

Draußen schüttelte er sich angewidert. Was sollte aus dieser Menschheit werden, wenn man sie schon im Kindesalter anlog. Obwohl Ehrlichkeit einen auch nicht weiter brachte. Sah man ja an ihm. Jedes Jahr aufs Neue erinnerte Ostern ihn an seine beschissene Kindheit. Mit sechs Jahren hatte man ihn längst nicht mehr hinters Licht führen können.
Joe verzog verächtlich die Nase.
Daran ist wohl das Kinderheim schuld, dachte er. Geschenke zu Ostern an Heimkinder waren nicht üblich. Dafür war nie genug Geld da, also hatte man die Kinder schnell aufgeklärt, damit auch ja keiner Ansprüche an die Schwestern stellen konnte. Tat auch keiner, bis auf die Frischlinge vielleicht, aber spätestens im nächsten Jahr wussten auch die, dass hier nichts zu holen war.
Sein Magen knurrte und erinnerte ihn daran, dass eine ausreichende Mahlzeit schon lange her war. Unwillig knurrte er zurück, es interessierte den aber nicht die Bohne. Jetzt half nur noch die Armenspeisung bei den Pinguinen von St. Helens. Das hatte er zu vermeiden versucht. Sie gaben zwar reichlich und es schmeckte sogar, was nicht alltäglich war bei freiwilligen Essensspenden, aber sie rückten es nur raus, wenn man deren Gottesdienst mitmachte.
Joe war Atheist. Gäbe es einen Gott, hätte er eine Villa auf dem Berg und einen Stall voll Hasen darin, wie Hugh Hefner, fand er. Dann würde ihn auch ein Altar auf dem Klo nicht stören. So aber war Singen und Beten zu etwas, was man nicht greifen konnte, seiner Ansicht nach Blödsinn hoch zehn.
Joe kramte in der Tasche, in die er den Bierdeckel gesteckt hatte. Vielleicht bot der eine Möglichkeit, die Gebete der Pinguine auszulassen.

Oo~~oOo~~oO

Die Adresse, die Mike auf den Bierdeckel geschrieben hatte, war nicht weit entfernt. Joes Magen entschied für ihn und seine Schritte wurden schneller. Als er um die letzte Ecke bog, blieb er kurz stehen, um sich das Haus und die Umgebung anzusehen. Eine Angewohnheit, die ihm schon öfter den Hintern gerettet hatte. Enge Bebauung, drei Geschosse, im Erdgeschoss war ein Kostümverleih, darüber gutbürgerliche Wohnungen. Dass sie gutbürgerlich waren, konnte man an Gardinen und der Auswahl an Topfpflanzen erkennen. Alles in allem also sicher, fand er. Schnellen Schrittes, sich nur mit Mühe bremsend, damit er nicht rannte, legte er die letzten Meter zurück und betrat das Geschäft. Eine altmodische Glocke bimmelte den Besitzer aus dem unübersehbaren Kostümverleih.
„Sie wünschen?“
„Mike schickt mich. Sie hätten einen Job?“
„Oh, ja. Das ist ja prima. Sie schickt der Himmel.“
Wohl eher der Hunger, dachte sich Joe, hielt aber die Klappe, da er befürchtete, es würde den Lohn senken, wenn man seine Not bemerkte.
„Was soll ich machen und was bringt das ein?“, knurrte er.
Der Mann nannte eine Summe, die ausreichen würde für die nächsten drei Tage oder wenn Joe sparsam war, zumindest bis nach Ostern, wenn die Geschäfte wieder liefen. Joe nickte zustimmend und gab damit dem Mann den Startschuss für seine Erklärung.
„Ich habe einen Auftrag vom Kaufhaus in der Gartenstraße, aber mir ist ein Mitarbeiter ausgefallen. In einer Stunde schon hätte der da sein sollen. – Komm mit nach hinten, dann zeig ich es dir.“ Der Mann tauchte so schnell in den Gängen zwischen den Kostümen unter, dass Joe Mühe hatte, ihm zu folgen. Vorbei an Zombies und Vampiren, mit Blut und ohne, folgte er dem Mann gefühlt durchs halbe Märchenreich. Plötzlich stoppte der Inhaber so abrupt, dass Joe ihn anrempelte und nicht sah, was der Mann da aus der Menge zog. Er konnte nur etwas Plüschiges in braun erkennen.
„Hier, das müsste passen. Zieh es mal an.“
„Was’n das?“
„ROGER RABATT, der Sonderangebotshase.“
„’n Karnickel?“ Joe schnaufte abwertend durch die Nase.
„Kein Karnickel … ein SON-DER-AN-GE-BOTS-HA-SE.“ Der Mann betonte jede Silbe. „Das Kaufhaus hat einen Mann für Werbezwecke bestellt.“ Er grinste breit. „Hab denen meinen Hasen angeboten, wo doch bald Ostern ist. Haben sie auch gleich geschluckt. Toll nicht?“
Erwartete der Typ tatsächlich Lob?
„Das zieh ich nicht an. Ich mach mich doch nicht zum Vollhorst!“
„Ohne Kostüm kein Geld.“
„Wenn mich meine Kumpel darin sehen, kann ich mich auf der Straße nicht mehr blicken lassen. Vergessen Sie’s.“
„Papperlapapp. Wie soll man Sie erkennen, wenn Sie das hier auf haben?“ Der Mann griff in eine Tasche, die der Osterhase an der Seite hatte und zog eine Maske heraus. Die beiden großen weißen Vorderzähne blinkten auf im Schein der Neonfunzel an der Decke. Übergroß wie alles an der Maske, von Augenwimpern über Apfelbäckchen und riesigen Augen. In die Pupille hatte man Löcher geschnitten, damit der Träger sah, wo er hinlief.
Joes Magen knurrte wieder.
Elender Verräter.
„Lang nichts gegessen, was?“ Scheiße, der Mann hatte es gehört. „Zieh das Kostüm doch einfach an. Dort hinten …“, der Mann deutete den Gang entlang nach hinten, „… ist ein Spiegel. Wenn du fertig bist, komm nach vorn, dann geb ich dir die Adresse und eine Anzahlung. Wenn du dich beeilst, kannst du dir auf dem Weg noch was zu essen kaufen.“ Sprach’s und verschwand in die Richtung aus der sie gekommen waren.
„Muss es ausgerechnet ein Karnickel sein?“, brüllte Joe dem Mann hinterher?
„Ein Haaase! – Und ja, es muss!“
Joe nestelte mit spitzen Fingern den Haken aus dem Kostüm und zog sich um. Es war ein Overall, der an der Seite Tascheneingriffe hatte für Portemonnaie oder Taschentuch. In einer Plastiktüte, die um den Bügel gebunden war, fand er noch die passenden Überschuhe, plüschige Hasenpfoten mit Gummizug, so dass sie über jeden Schuh passten. Joe probierte ein paar Schritte und geriet ins Trudeln, als die Riesenkralle eines Fußes unter seinen Schuh geriet. Hilflos ruderte er mit den Armen und griff blind in die Kostüme, die reißende Geräusche abgaben, konnte sich jedoch gerade noch abfangen.
Selbst schuld, wenn die jetzt kaputt sind, dachte er sich und sandte einen bösen Blick in die Richtung, in die der Besitzer verschwunden war. Der Penner hätte ihn ja auch warnen können, wie leicht man sich auf die Schnauze legen konnte, wenn die Krallen unter den Schuh gerieten.
„Ist alles ok?“, wollte der Inhaber wissen.
„Ja, ja. Moment noch!“, rief Joe zurück.
„Scheiß Hetzerei. Was macht man nicht alles, wenn man Hunger hat“, brummte Joe. „Wehe, wenn mich wer erkennt. Dann komm ich zurück und mach den Kerl zum Regenwurm. Wird sich bestimmt so ein Kostüm finden lassen.“ Missmutig stapfte Karnickel Joe zum Spiegel und war überrascht.
Es war nichts, aber auch gar nichts zu erkennen. Zumindest, wenn er die Handschuhe, die er in der anderen Tasche gefunden hatte, über seine Hände zog. Sie hatten Fell außen auf dem Handrücken und ein dünnes Netzgewebe innen, dass sich so dehnen ließ, dass auch seine Pranken hineinpassten. Gut so, so würde keiner sein Tattoo sehen. Dabei waren die Handschuhe sehr bequem und er konnte noch alles greifen. Joe war beruhigt. Wäre ja noch schöner, wenn ihn wen erkennen würde. Den Namen würde er nie wieder los. Er konnte das schadenfrohe Gegacker jetzt schon hören.
Nun gut, er würde das machen. Der Verdienst war gut, sehen konnte ihn keiner, wenn er nicht die Maske abnahm. Was sollte schon passieren.
Joe suchte den Besitzer des Kostümverleihs auf, ließ sich die Instruktionen geben und war eine Viertelstunde später auf der Gasse.

Oo~~oOo~~oO

Am Kiosk an der Ecke hielt er an und testete seine Verkleidung. Schon von fern hatte er gesehen, dass nur die alte Karin hinterm Tresen stand. Sie kannte ihn gut genug, würde ihn, falls sie ihn erkannte, sicher nicht verpfeifen.
„Bier!“
„Willste nicht lieber ein Möhrchen?“ Die Alte kicherte sich schlapp. Unfassbar!
„Bier, aber zackig, sonst komm ich rüber und schieb dir das Möhrchen sonstwohin.“ Joe war stinkig.
Karin konnte er damit nicht erschrecken; sie war Härteres von ihrer Stammkundschaft gewohnt. Gelassen öffnete sie den Kühlschrank, griff nach einem Pils und stellte es ihm vor die Nase.
„Was soll das? Mach es auf!“
„Nutz doch deine Zähnchen“, kicherte Karin, holte aber den Öffner.
Joe griff nach der Flasche und versuchte zu trinken.
„Verdammt!“, die Hälfte des Biers hing im Fell. Ohne die Maske zu heben, ließ sich das Bier nicht trinken. Der Geruch stieg ihm in die Nase und machte ihn wütend. So kurz vor der Erfüllung seiner Wünsche und dann …
„Darf ich Ihrer hochwohlgeborenen Lordschaft einen Strohhalm kredenzen?“ Karin konnte sich kaum halten vor Lachen.
„Muss wohl. Gib schon her, das Ding.“ Joe funkelte die kichernde Karin an, aber durch die Maske verpfuffte seine Wut.
„Was willste? Das ist der neuste Schrei im Karnickelbau.“ Karin japste nach Luft über ihren Scherz.
Auf seinen Frust hin ließ er sich noch ein zweites und ein drittes Bierchen geben, danach besserte sich seine Laune und er zog weiter.
Karin hatte ihn bis zum Schluss nicht erkannt, und das war Sinn der Übung. Die Maske saß und sein Magen hatte was zu tun. Bestens.

Oo~~oOo~~oO

Am Kaufhaus angekommen hielt er sich an die Anweisungen und suchte den Personaleingang.
Der Pförtner war wohl schon informiert und griff bei seinem Anblick gleich nach dem Telefonhörer.
„Herr Müller, das Karnickel ist angekommen.“
„Der Haaase, du Vollpfosten.“
Joes Einwand ignorierend telefonierte der korpulente Pförtner weiter. „Ja, ich bring ihn hin. Bis gleich!“ Er legte auf, dann drehte er sich zu Joe um: „Wer hier der Vollpfosten ist, wird spätestens am nächsten Spiegel klar. Und jetzt komm mit. Herr Müller, der Inhaber will dich sehen.“
Na warte, wenn ich aus dem dämlichen Kostüm raus bin.
Der Pförtner schnaufte, während er Joe durch ein wahres Labyrinth von Gängen führte. Joe versuchte sich alles zu merken, aber die Hasenmaske hatte nur sehr kleine Löcher zur Orientierung und so verlor er diese recht schnell.
Waren das jetzt zwei links und drei rechts und dann die Treppe hoch oder ein Gang links und zwei rechts, bevor es wieder links zur Treppe ging? Verdammter Irrgarten.
Während er noch überlegte, stoppte der Pförtner vor einer großen, grauen Stahltür. Dort drehte er sich um. „Hier ist dein Einsatzbereich. Herr Müller wird dich empfangen. – Wenn du aufs Klo musst, dass ist hier rechts. Wage es ja nicht, auf die Kundentoilette zu gehen. Die ist für Kunden und nicht für so abgeranzte Fellbeutel.“ Der Mann öffnete die Stahltür und gab Joe einen Schubs, dann knallte er die Tür mit Schwung wieder in die Angeln, dass Joe zusammenzuckte. Es erinnerte ihn an die Türen im Knast. Der gleiche scheppernde Laut, den er hassen gelernt hatte.

Oo~~oOo~~oO

Joe sah sich um. Geschenkabteilung links, Schmuck geradeaus, Süßwaren rechts.
Lange hatte er nicht, da kam auch schon ein geschniegelter Verkäufer auf ihn zu und hielt ihm die Hand hin. „Müller, ich bin der Geschäftsführer hier. Und Sie sind der Hase, den mir Hans geschickt hat?“ Er tanzte einmal um Joe und murmelte ständig Worte wie: „Perfekt!“ oder „Hätte ich meinem Schwager nicht zugetraut, aber das könnte klappen.“ Einmal fasste er an Joes Hinterteil und Joe machte einen Satz, um sich in Sicherheit zu bringen. Herr Müller hatte Glück, dass er keine gewischt bekam. „Meine Güte, ist der Puschel aber niedlich.“
Wohl vom anderen Ufer, was? Der soll nur seine Griffel bei sich behalten, sonst knallt’s.
Es dauerte eine Weile, dann hatte Herr Müller sich endlich wieder im Griff. Er zog Joe zu einem Regal mit Pralinen.
„Das hier“, er deutete stolz auf ein Pralinenregal, „sind unsere neusten Leckerlis.“ Herr Müller griff in ein Regal und holte ein glitzerndes Osterei hervor und öffnete es. Darin lag eine ganze Lage kleinerer Ostereier. „Eine neue Sorte Pralinen, die jetzt in die Verkostung kommt. Trüffel und feinster Likör, extra in Eierform, weil doch Ostern ist. Und was passt da besser, als die Eier von einem Hasen servieren zu lassen.“ Herr Müller kicherte, als hätte er schon zu viel von seinen Schnapspralinen gekostet.
„Die Arbeit ist ganz einfach: Sie füllen die Pralinen auf dieses Tablett …“, wo hatte er das denn jetzt her, fragte sich Joe, als Herr Müller mit einem Silbertablett wedelte. „… dann bieten Sie diese den Kunden an. In den Beutel hier können Sie die Pralinen füllen, Nachschub ist hinter diesem Tresen. Einfach den Beutel über den Kopf ziehen; die Henkel sind lang genug. – Selbstverständlich dürfen Sie auch einmal probieren, aber zuerst kommen die Kunden. Um 12 Uhr können Sie einen halbe Stunde Mittag machen. Um 20 Uhr schließt das Geschäft. Dann müssen Sie draußen sein, sonst werden sie eingeschlossen.“ Er kicherte haltlos, als hätte er einen riesigen Scherz gemacht. Dann gab es nichts mehr zu sagen und er verschwand, um andere Angestellte mit seinen Scherzen zu unterhalten.
Joe stöhnte.
Na das dürfte ein Scheißtag werden. Gehetzten Kunden die Drecksdinger andrehen und sich von quengligen Gören an seinen Hasenschwanz ziehen lassen. Konnte eine Arbeit ätzender sein?
Was hatte ihn nur geritten?
Schnapsidee.
Hey ja, kicherte er, als das Wortspiel ihm auffiel. Eine echte Schnapsidee.
Dann wurde er wieder ernst. Was hatte Herr Müller noch gesagt? Da war Likör drin? Da würde er noch aufpassen müssen, dass die nicht kaputt gingen.
Kagge.
Joe suchte nach anderen Verkäufern, aber bis auf die zugemalte Ziege am Schmuckstand konnte er keinen in seiner Nähe erblicken. Die Kasse war am Ende des Stockwerks, gleich neben der Rolltreppe und von mehreren Säulen verdeckt. Er war allein. Ein Plüsch-Karnickel zwischen lauter Glitzerkram. Wenn das seine Kollegen wüssten.
Eine Klingel ertönte. Joe wusste nicht, was das bedeutete, aber er fand es spätestens heraus, als die ersten Kunden in den Laden stürmten, als gäbe es kein Morgen. Der Tag ging los.

Oo~~oOo~~oO

Einige Stunden später drückten die drei Bierchen vom Kiosk. Es ging auf Mittag zu und die Massen hatten sich etwas verzogen. Waren wohl alle auf Nahrungssuche. Die Gelegenheit war günstig und Joe suchte die Toilettenräume auf. Erst als er vor dem Pissoir stand merkte er, dass das Hasenkostüm keinen Eingriff hatte. Er fluchte, dann suchte er eine der Kabinen auf. Dort zog er sich auch die Kapuze vom Kopf und kam schweißnass und wie erschossen zum Sitzen.
Alter, ist das ein Scheißjob. Dieses beschissene Rumstehen. Wie machen das nur die Weiber aus der Parfümerie, die aus ihren Miefinseln nie rauskommen? Frauen sind wohl doch anders.
Erstmal sitzend merkte er, wie schwach sich seine Beine anfühlten. Vielleicht sollte er das Angebot von Herrn Müller annehmen und die Pralinen mal probieren. Er war ja nicht so für Süßkram, eine Salami war ihm eigentlich lieber. Aber Salami gabs auf dem Stockwerk nicht und Schokolade sollte doch die Nerven beruhigen, sagte man.
Er änderte etwas die Haltung auf der Toilette, dabei kullerte eine der Pralinen aus der Jutetasche mit Werbeaufdruck des Kaufhauses, die ihm Herr Müller um den Hals gehängt hatte. Joe griff danach und probierte.
Oh holla, da hat einer aber mit Alkohol nicht gespart.
Eingebettet in eine hauchdünne Schicht Schokolade ergoss sich beim Draufbeißen auf die Praline ein ganzer Schwung Kirschwasser, so viel, dass sich Joe fast verschluckte und husten musste. Er riss erstaunt die Augenbrauen hoch. Nun war seine Neugier geweckt. Er griff noch einmal nach dem Papier. Vier Farben fand er, rot, blau, grün und gelb. Ok, rot hatte er gehabt, dann würde er jetzt die blaue probieren.
Die blaue Praline entpuppte sich als Pflaume in Wodka. Die grüne war Maracuja-Rum, die gelbe Marc de Champagne. Alle übelst lecker. Joe konnte sich nicht entscheiden, welche wohl besser schmeckte und startete den Versuch erneut. Und noch ein paar Mal mehr.
Als er seinen Posten wieder einnahm, war der Beutel fast leer. Joe wackelte zum Tresen, um seinen Beutel wieder zu füllen. Dabei schwankte er leicht, aber er tröstete sich damit, dass die Mittagspause ja nah war.

Oo~~oOo~~oO

Den Imbiss neben dem Kaufhaus hatte er beim Kommen schon bemerkt. Dort würde er eine schnelle Currywurst futtern, nahm er sich vor. Die würde seinen leichten Schwips schon bekämpfen.
Der Verkäufer musst jedoch verliebt gewesen sein. Die Wurst war so verbrannt, dass er nur noch die Hälfte essen konnte und die Pommes waren versalzen und stanken nach ranzigem Fett, dass seine Haltbarkeit um ein Vielfaches erreicht hatte. Das gab Durst, also gönnte er sich zwei weitere Bierchen, eins, um den miesen Geschmack loszuwerden und das zweite für den Durst, den die Pommes verursachten.
Zurück am Arbeitsplatz war der ranzige Geschmack von den Pommes immer noch auf seiner Zunge. Also bekämpfte er den mehr oder weniger erfolgreich mit weiteren Pralinen. Das Zählen hatte er eingestellt, auch die Testläufe. Irgendwie waren sie alle gut, fand er und auf einmal war der Job auch längst nicht mehr so ätzend, wie er noch am Vormittag gedacht hatte.
Joe fand langsam Gefallen an Ostern.
Gegen 15 Uhr schien es fast, als hätte der Kindergarten früher zugemacht, so viele Familien mit Kindern von maximal acht bis zehn Jahren kamen auf einmal in das Kaufhaus.
Eine Familie mit Vater, Mutter und Grundschulkind lief vorbei.
„Ey Sie, ’sch hab hier was Leckeres. Mussen Sie probiern, echt lecker.“ Joes Stimme wackelte genau wie sein Gang, als er auf die Frau zuhielt, die schnell ihr Kind aus dem Weg zog. Kurz noch hörte er etwas zischeln, was wie „Unerhört“ klang, dann waren die Familie um die Ecke.
Er startete einen neuen Versuch, seine Pralinen an den Mann zu bringen. Joe griff mit vollen Händen in die Auswahl, tapste dem eben verschwundenen Mann hinterher und schob ihm die Pralinen in die Jackentasche.
„Bei dem Drachen kannste die volle Dröhnung gebrauchen“, flüsterte er so laut, dass man es auch eine Regalreihe weiter noch hören konnte und zwinkerte dem Mann unter der Maske zu. Der hechtete pikiert seiner Frau hinterher.
Joe drehte sich grölend um und schlug sich mit den Hasenpranken auf die Oberschenkel, während er sich vor Lachen schüttelte.
Eine andere Kundin passte nicht auf, und so griff er eine Handvoll Pralinen, um sie ihrer sechsjährigen Tochter in den Anorak zu schieben. Der Abend dürfte lustig werden, fand er. Zu schade, dass er das nicht mehr mitbekommen würde, aber er gönnte es der kleinen Göre. Er hätte sich zumindest über die Schokolade gefreut.
Weil ihm langweilig wurde, schlenderte er für ein kleines Gespräch zu der Schmuckverkäuferin, die auf einmal längst nicht mehr so angemalt aussah. Das entpuppte sich überraschenderweise als überaus interessant.
„Mein Name ist Chantal. Ich bin jedes Jahr zu Ostern und Weihnachten hier“, verriet sie. „Da machst du die besten Umsätze. Wenn hier um 20 Uhr der Hammer fällt, dann geht der alte Müller von Kasse zu Kasse und holt die Beutel mit den Einnahmen ab. Wir zählen nur das Wechselgeld raus. Das bleibt in der Kasse, damit es morgen Früh schneller geht. Den Rest legt man in den Tresor. Gezählt wird erst morgen, wenn das Stammpersonal wieder da ist.“
„Und wie viel Wechselgeld habt ihr hier so?“
„Normal sind zweihundert, aber vor den Feiertagen wird auf dreihundert erhöht.“
Joe versuchte kurz durchzurechnen, wie viel Wechselgeld dann in den Kassen verblieb, aber sein leicht benebeltes Hirn verweigerte den Dienst. Erst wollte er Chantal fragen, wie viel Kassen in dem großen Haus waren, entschied sich aber dagegen. Weiber konnten doch nie die Klappe halten.
Ist aber auch egal, wird auf jeden Fall ausreichen für eine flotte Sause, grinste er.
Joe überlegte, ob er Chantal einladen sollte, den Abend mit ihm zu verbringen. An Feiertagen merkte er immer besonders, dass er keinen mehr hatte, der mit ihm feiern wollte. Großzügig bot er Chantal einige seiner Pralinen an, doch sie meinte, sie wäre allergisch gegen Alkohol.
Allergisch? Gibts das denn?
Joe fragte nach.
„Ach weiß du, ich krieg dann immer so rote Flecken im Gesicht. Ich seh jedesmal aus wie ein Streuselkuchen.“ Chantal kicherte.
Joe war entsetzt. Chantal merkte es nicht, da die Maske sein entsetztes Gesicht verbarg, aber sie hatte sich gerade den Lover abgeschossen. Das fehlte gerade noch. Eine "Puppe" musste zum Angeben taugen, gut im Bett sein und die Klappe halten können. Aufs „Klappe halten“ hätte er großzügig verzichten können. Er hatte sowieso nicht vor, zu lange mit Chantal zusammen zu sein. So jedoch hatte sie das mit dem „Angeben“ gerade gekillt. Er würde das "Bett" also nie testen können. – Eigentlich schade, aber bestimmt besser so.
Weiber machen sowieso nur Ärger.
„Du Chantal, ich muss wieder meinen Job tun. Bis nachher.“ Er winkte kurz mit seiner Tatze, dann zog Joe sich zurück, als hätte ihn eine Schlange gebissen.
Während er wieder zu seinem Pralinenregal schlenderte, brummte er: „Wie blöd ist das denn?“ Er konnte sich gar nicht beruhigen. „Was soll ich mit einer Flamme, die keinen Alkohol verträgt.“
Das konnte man wohl getrost als „Stichflamme“ bezeichnen, die schnell wieder ausgepustet war. Vielleicht wäre es Zeit gewesen, sich eine andere Aufreißmasche auszudenken, aber Joe dachte nicht daran. Wozu, es hatte bisher immer geklappt, wenn er seine Weiber auf einen Drink eingeladen hatte. Irgendwann konnten sie nicht mehr laufen, dann bot er seine Bude zum Übernachten an. Der Rest war Geschichte. Zumindest meistens klappte es.
Joe tröstete sich erneut mit einigen Pralinen. Die waren aber auch so was von lecker.

Oo~~oOo~~oO

Während er seine Pralinen anbot, lief sein Hirn auf Volllast. Die Sache mit dem Wechselgeld ging ihm nicht mehr aus den Gedanken. Was wäre, wenn er sich einschließen ließ und dann in aller Ruhe die Kassen lehrte? War nur die Frage, wie er wieder aus dem Haus kam, aber da würde ihm sicher was einfallen. Er überlegte.
Vielleicht als Putzmann. Geld in einen Sack und ab durch die Mitte. Aber hatten die überhaupt Männer, die putzten? Vermutlich würde er auffallen. Putzen war Weiberarbeit, fand er. Und nach einem dämlichen Karnickel in eine Kittelschürze zu schlüpfen war nun echt zu viel des Guten.
Durch ein Fenster? Ach nee, die hatten bestimmt eine Alarmanlage. Zu blöd, dass er nicht darauf geachtet hatte, als man ihn durch die Gänge geführt hatte.
Ob er als Ablenkung seine Kumpels anrufen könnte? Besser nicht. Erstens sähen sie ihn dann im Karnickelkostüm und zweitens würden sie was abhaben wollen von der Beute. Und das kam nun überhaupt nicht in die Tüte. Schließlich hatte er den ganzen Tag hier das gammelige Plüschteil getragen. Da stand ihm etwas Ausgleich mehr als zu, fand er.
Egal, wie er es drehte, irgendein Pferdefuß war immer, der ihm in die Suppe spuckte.
Auf die Schnelle ließ sich das nicht bewerkstelligen. Besser er nahm seinen Lohn und überlegte noch einmal in Ruhe.
Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Weihnachten ist nur noch acht Monate entfernt.
Und darauf einen Marc de Champagne-Trüffel. Mahlzeit.
Kurz vor Feierabend musste Joe noch einmal aufs Klo. Das plüschige „Ganzkörperkondom“ nervte beim Runterziehen, zumal die Toilettenkammer irgendwie auf die Hälfte geschrumpft schien. Und sie wackelte zum Gotterbarmen.
Billigramsch, sollte sich mal der Haushandwerker ansehen, fand Joe.
Mit dem Gedanken ließ er sich erschöpft auf die Toilettenbrille fallen. – Oder fast. – Beim zweiten oder dritten Vorbeilauf erwischte er das „Mistding“ endlich, machte er es sich gemütlich und … schlief ein.
Er hörte nicht die Glocke, die das Ende der Shoppingzeit einläutete. Auch nicht das Türklappen, als die Verkäufer sich umzogen. Sein leerer Magen hatte sich mit Volleifer auf die Schokolade und den Alkohol gestürzt. Das lange und ungewohnte Stehen sowie die Bierchen vor und während seiner Schicht taten ihr Übriges. Er schlief und träumte vom großen Raubzug und der „Joe Heffner-Villa“ auf dem Hügel.

Oo~~oOo~~oO

Als Joe wieder wach wurde, war es weit nach Mitternacht. Dem Wachdienst, der gegen Viertel vor elf vorbeigesehen hatte, war er nicht aufgefallen. Joe hatte die hinterste Toilette gewählt und bis dahin zu prüfen ließ die Rundenzeit nicht zu. 12 Minuten für ein Objekt dieser Größe (bei zügigem Schritt) und dann weiter, sonst war die Nacht nicht zu schaffen.
Es dauerte eine Weile, bis Joe begriff, wo er war und dass es mitten in der Nacht war. Eigentlich merkte er es nur daran, dass das Licht, das bei seinen ersten Bewegungen angegangen war, wieder ausging. Dann begriff er. Es war Nacht ...
Er hatte seine Pläne eigentlich für aktuell nicht durchführbar gehalten, aber jetzt …
Vielleicht gab es doch einen lieben Gott, der endlich mal ein Einsehen hatte. Dass er auch für Joe ein erfolgreiches Ostern hatte.
Fast konnte man wieder gläubig werden, dachte sich Joe.
Schon wieder angezogen, schob er die Kapuze wieder zurück in den Nacken, seine Maske auf den Hinterkopf und nahm auf die Freude sogleich noch eine Handvoll Pralinen. Auch allein schon, weil er jetzt nicht an Essen herankam und sein Magen schon wieder krampfte. Sein Kopf schmerzte, also hielt er ihn unter den Wasserhahn, aber die hatten so eine Sparschaltung verbaut, die nur funktionierte, wenn er die Hände unter einen Sensor hielt. Also bildete er aus den Händen eine Schaufel, vergaß aber, dass er noch die Fellhandschuhe anhatte. Er spuckte und hustete, als ihm einzelne gelöste Haare in die Kehle rutschten.
„Drecks-Karnickel! Nicht mal vernünftig saufen kann man damit.“
Wütend zog Joe die Handschuhe aus und stopfte sie in seine Kostümtaschen. Dann erfrischte er sich erneut. Langsam, ganz langsam wurden seine Gedanken wieder klarer, wenn auch die Kopfschmerzen blieben.
Er würde es also doch versuchen, wenn er schon mal hier war. Das Wechselgeld aus den Kassen einzusammeln war leichter, als einer Henne die Eier unterm Hintern zu klauen, kicherte er. Morgen, bevor die ihr Wechselgeld suchten, würde er aus dem Personaleingang stürmen. Sobald die Türen offen waren. Maske hatte er ja schon. Wie gut, dass ihn keiner nach einem Ausweis gefragt hatte. Das war ein Job mit Cash auf die Hand. Steuerfrei, besser an der Steuer vorbei.
Diesen Job hat mir der Himmel geschenkt.

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Joe ging systematisch vor. Als erstes schnappte er sich einen Einkaufswagen aus der Kofferabteilung. Es sollte so ein altmodischer „Hackenporsche“ in „Tarnkaro“ werden, mit dessen "Bruder" vermutlich schon seine Oma einkaufen war.
Dann aber fand er, etwas mehr Stil könne er sich durchaus leisten und griff sich einen hochpreisigen in feuerwehrrot. Etwas weiblich vielleicht, aber zumindest nicht in Omas geliebtem Schottenkaro.
Außerdem konnte er der Technik nicht widerstehen. Schließlich war er ein Mann, also von Natur aus Herr über Technik und Allem, was dazu gehörte. „Kugellager, verstärkte Achsen, fehlt nur noch das tiefergelegte Fahrwerk, schwärmte Joe und strich liebevoll über das Gestänge, das im Schein der Notbeleuchtung blitzte.
Den Hackenporsche im Schlepp, klapperte Joe seine Abteilung ab, danach erleichterte er den Rest des Stockwerks. Er beschloss, das Erdgeschoss für den Schluss aufzuheben. Da war die Gefahr, dass er durch ein Schaufenster gesehen wurde, am höchsten und vielleicht würde er schnell türmen müssen.
Das Kleingeld ließ er in der Kasse. Zumindest alles unter 50 Cent. Zu schwer und zu schwierig es wieder loszuwerden. Er wusste das, seit er bei seinem letzten Gang zum Sozialamt sein Fahrtgeld erbettelt hatte. Der Busfahrer hatte ihn danach angeraunzt, dass er ihn fast vom Fahrersitz geholt hätte. Nur der Gedanke, dass er dann seinen Termin versäumen würde und die Alte im Amt wieder ticken würde, hatte ihn zurückgehalten.
Als er alle Kassen geleert hatte bis auf die im Erdgeschoss, machte er in der Pralinenabteilung, in der er sich mittlerweile heimisch fühlte, Kassensturz und war enttäuscht. Nicht gerade viel Euro waren zusammengekommen. Das reichte nicht mal eine Woche, selbst wenn er sich einschränkte. Er überlegt kurz, ob er nicht doch die ganzen „Roten“ mitnehmen sollte, entschied sich aber dagegen. Es lohnte den Aufwand einfach nicht.
Joe lehnte sich entspannt an ein Regal und kämpfte gegen eine aufsteigende Müdigkeit. Kurz bevor er wieder einschlief, fuhren seine Gedanken Karussell. Etwas, was Chantal gesagt hatte, kreiselte und ließ sich nicht greifen, aber ihn auch nicht einschlafen.
„…dann geht der alte Müller nur von Kasse zu Kasse und holt die Beutel mit den Einnahmen ab … Der Rest wird in den Tresor gelegt. Gezählt wird erst morgen, wenn das Stammpersonal wieder da ist.“
Da, das war es.
Die Einnahmen waren noch da. Irgendwo im Haus musste ein Raum sein, in dem die Beute auf ihn wartete. Den musste er nur finden. – Joe war wieder hellwach.

Oo~~oOo~~oO

Erst einmal galt es, das Geld zu verstecken, da die Münzen doch recht schwer wurden. Auf sie verzichten wollte er nicht. Wer den Cent nicht ehrt, ist den Euro nicht wert, grinste er.
Joe zog die Handschuhe wieder aus den Taschen. Sie waren sowieso nass geworden und hinterließen ein klammes Gefühl auf seinem Oberschenkel. Das Kleingeld packte er in zwei Plastiktüten, die er verknotete.
So weit, so gut, sagte er sich. Er würde versuchen, morgen aus dem Personaleingang heraus zu spazieren, notfalls zu stürmen, doch dafür brauchte er ein Versteck.
Suchend sah er sich um. In einem Regal hinter dem Tresen, an dem Chantal gestanden hatte, fand er ein Dekorei aus Metallfolie, gerade groß genug für eins der Bündel. Seine leeren Pralinenschachteln ließen sich auch verwenden. Aus der benachbarten Geschenkartikelabteilung holte er sich Band und Kleber, mit denen er die Hälften wieder verband. Er würde behaupten, sie gehörten zu seiner Kostümierung. Rasch packte er die Eier in seinen Hackenporsche. Für die Scheine nutzte er noch weitere kleine aus der Pralinenabteilung. Zusammengerollt und zugeklebt konnte er die Scheine darin gut aufheben, und sie passten in die Hosentasche. Wenn er nun, den Kopf gesenkt und die Hände in den Taschen, am Pförtner vorbeischlenderte, würde die Dumpfbirne bestimmt keinen Verdacht schöpfen. Und hey, es war so ein tolles Gefühl, die Hände voller Geld zu haben. Oben auf legte er noch einige Schoko-Eier als Deko und einige große Leerschachteln, in die er die Haupteinnahmen packen wollte. So vorbereitet zog er los.
Wo war wohl das Büro? Bestimmt oben. Geldsäcke hatten immer gern den Überblick, das wusste Joe. Selbst die Pinguine hatten ihre Mutter Oberin im 2. Stock untergebracht. Sagte ja auch schon der Name. Eine „Oberin“ wohnte „oben“. Vielleicht war sie dort ihrem Herrn auch näher. Ihm war es egal. Ein Plan war so gut wie jeder andere. Und „oben“ war kein schlechter Plan.
Er strebte also wieder auf die Metalltür zu, die die Angestellten von den Kunden trennte. Quietschend öffnete sich die Tür und Joe schlüpfte durch. Sein Wägelchen hinter sich die Treppen hochziehend, suchte er nach dem Kassenbüro. Es schepperte nicht schlecht, wenn der Wagen jeweils gegen eine neue Stufe schlug, aber da keiner im Haus war, wen hätte es stören sollen?

Oo~~oOo~~oO

Das Glück war auf seiner Seite. Er musste nicht lange suchen, da das Kassenbüro mit großen Tafeln an der Wand im Obergeschoss ausgewiesen war.
Mensch, Mensch, Mensch. Einem Baby den Schnuller klauen ist schwieriger.
Die Glasscheibe war noch oben, der Tresor deutlich sichtbar. Leider zu. Na ja, war nicht anders zu erwarten. Jetzt müsste er „Slyder“ hier haben. Der würde wissen, wie man da rankäme.
Er würde ihn anrufen, ob er eine Idee hätte.
Joe tastete seine Taschen ab, dann fiel ihm ein, dass er sein Mobiltelefon zu Hause gelassen hatte. Sein Guthaben war leer, also wozu mitnehmen.
Kagge.
In seinem Augenwinkel sah er ein Festnetztelefon. Gute alte Technik.
„Sly, hier Joe. Du musst mir mal kurz helfen.“
„Joe? Bist du irre? Weißt du, wie spät es ist? Und von wo rufst du an? Die Nummer kenn ich ja gar nicht.“
„Nee, aber ist auch egal. Hör mal …“
„Egal? Es ist halb fünf. Ruf wieder an, wenn ich wach bin.“
„Was, so spät schon? Verdammt. – Hör mal, ich hab hier ein kleines Problem und brauch mal deine Hilfe. Hier ist so ein Tesor …“
„Vergiss es.“ Es klickte in der Leitung.
Der hat doch jetzt nicht aufgelegt?
Joe war empört, konnte es aber nicht glauben. Also rief er noch einmal an. Vielleicht war Sly aus Versehen, weil er müde war, auf den Aus-Schalter gekommen.
War er nicht – Besetztzeichen.
Joe kam das Heulen. Das konnte doch nicht wahr sein. So kurz vor einem richtigen Reibach und er stand vor dem Safe wie bestellt und nicht abgeholt.
„Na warte, Sly. Das rächt sich.“

Oo~~oOo~~oO

Zehn Minuten stand er wie eingefroren und starrte stumpf den Safe an. Dann kam langsam wieder Leben in ihn. Halb fünf hatte Sly gesagt. Mittlerweile musste es fünf Uhr sein. Die Straßen würden langsam voll werden. Er hatte keine Zeit mehr, hier traurig den Tresor anzusehen, er musste dringend verschwinden, wenn er nicht dem fetten Pförtner in die Arme laufen wollte.
Dann eben nur das Kleingeld. Verdammt ärgerlich.
Er schnappte sich das Wägelchen und beeilte sich, wieder ins Erdgeschoss zu kommen. Vielleicht hatte die Toilette im Erdgeschoss ein Außenfenster. Dann könnte er sich den nervigen Pförtner sparen.
Der feuerrote Einkaufswagen rappelte wieder Stufe um Stufe hinter ihm her. Die Ostereier im Inneren wirbelten wie wild durcheinander, aber Joe hatte es auf einmal sehr eilig. Unten angekommen, rannte er in Richtung Personaltoilette. – Fenster ja, aber vergittert. Frustriert rüttelte er an den Stäben, aber sie saßen bombenfest.
Dann blieb eben doch nur der Pförtnereingang. Irgendwie freute er sich sogar schon auf das blöde Gesicht des Pförtners. Mit seinem Frust im Bauch würde er dem Fettsack so eine geben, dass der einen Gesichtschirurgen bräuchte. Er hatte die blöden Worte bei seiner Ankunft noch im Ohr.
Am besten war, wenn er den Kerl überrumpelte. Dazu brauchte er nur noch einen Überraschungseffekt.
Joe sah sich um. Neben der Pförtnerloge fand Joe einen Putzschrank. Darin verkroch er sich, seinen Wagen stellte er griffbereit daneben ab. So wartete er, trat von einem Bein aufs andere, damit sie nicht einschliefen, auf dass er die Schlüssel in der Tür hörte konnte.

Oo~~oOo~~oO

Er wartete nicht lange, aber für Joe fast zu lange. Das Wasser, das er in der Toilette getrunken hatte nach seinem Nickerchen, hatte den fast leeren Magen passiert und wollte raus. Warum war er auch auf der Erdgeschosstoilette nicht auf Vorrat gegangen, fragte er sich und kniff die Beine zusammen.
Gerade als er vorsichtig den Schrank wieder öffnen wollte, hörte er Schlüssel klappern.
Der Pförtner. Kagg. Dann eben nicht.
Joe versuchte nicht an das silberne Gefühl zu denken, das ihn quälte.
Überraschungseffekt. – Genau, ich spring raus und renn ihn um. Der Fetti wird bestimmt nicht so schnell auf die Beine kommen und ich bin weg. Hoffentlich hält die Blase …
Vorsichtig lunzte Joe durch einen Schlitz. Der Mann drehte sich gerade zur Tür, als wollte er sie wieder zuschließen
Wieso zuschließen. Egal, Indianernummer: auf ihn mit Gebrüll.
Gesagt. Getan.
Er riss die Tür vollständig auf und hüpfte auf die Gestalt an der Tür.
Die Überraschung gelang. Kein Wunder, wer rechnete den auch mit einem aggressiven Osterhasen, der einem beim Kommen von hinten angriff.
Der Mann ging in die Knie, Joes Gewicht tat sein Übriges. Platt wie eine Flunder lag der Mann auf dem Boden, einen Hasen im Huckepack, und etwas Feuchtes im Kragen. Joes Blase hatte die Beanspruchung nicht mehr ausgehalten. Warm rann es an seinem Knie herunter und Joe fluchte. Er rappte sich auf, schubste den Mann von der Tür weg und wollte schon losrennen. Da erinnerte er sich im letzten Moment an den Einkaufswagen und riss ihn hinter dem Schrank hervor. Er stolperte über den Mann, der sich gerade aufrichtete, trat ihm noch auf die Hand und flüchtete.
„Aaau ... – Ey du verdammtes Karnickel, bist du nicht ganz dicht? Bleib stehen!“
Da kannst du lange darauf warten, dachte sich Joe und rannte mit bockendem Einkaufswagen weiter.
„Bleib stehen, du kommst damit nicht durch!“
Die Stimme klang nah. Joe wunderte sich, rannte aber weiter.
„Ich zieh dir den Stummelschwanz lang, wenn du nicht gleich stehenbleibst!“
Wieder so dicht, wieso ist der fette Pförtner so schnell?
Joe wurde nervös. Er suchte die nächste Seitengasse. Dort angekommen bog er um die Ecke und riskierte einen Blick zurück.
„Oh Mist! Der Wachdienst!“

Oo~~oOo~~oO

Nicht der fette Pförtner war da hinter ihm her, es war ein durchtrainierter Wachmann. Es gab wohl noch eine zweite Runde oder der war übereifrig auf dem Heimweg noch einmal am Kaufhaus vorbeigelaufen.
Jetzt brauchte er einen Plan. Und das schnell. Aber: Erst mal weiterrennen.
„Ein … Plan … ich … brauch … einen … Plan“, keuchte er.
„Ich brat dich am Spieß, wenn ich dich falschen Hasen erwische.“
So ein Quatsch. „Falscher Hase“ bruzzelt man in einem Bräter, korrigierte Joes ausgehungertes Hirn und in seinem Mund lief das Wasser zusammen bei dem Gedanken. Es wurde Zeit, dass er den abhängte. Der nervte. Konnte der nicht an die Wohltätigkeit zu Ostern denken und ihn einfach ziehen lassen? War doch alles versichert.
Gehetzt blickte er sich um.
Die Gegend kam ihm bekannt vor. Ah ja. Am Ende der Straße lag das Waisenhaus, in dem er aufgewachsen war. Davor war ein kleiner, verwunschener Park mit Ententeich, den könnte er vielleicht als Ablenkung nutzen. Dann durch die Büsche in den Hinterhof des Waisenhaus. Kein perfekter Plan, aber für den Moment das Beste, was Joe auf die Schnelle einfiel. Er musste von der Straße runter. Ein rennendes Karnickel war zu auffällig, selbst an Ostern. Jeder würde sich daran erinnern.
Die ersten Büsche kamen und Joe zwängte sich durch das Gestrüpp, das noch nicht wieder mit Laub besetzt war. Er verfluchte seine Idee mit dem Einkaufswagen, aber um die Eier jetzt auszuladen fehlte ihm die Zeit. Er hob ihn über die Hecke und rannte weiter. Der Wagen holperte über Baumwurzeln, drehte sich öfters, so dass Joe stehenbleiben musste, um ihn wieder auf die Rollen zu setzen. Die waren schon von den Treppen im Kaufhaus ordentlich geschädigt und der Morast in den Kugellagern tat ein Übriges. So kam es, wie es kommen musste. An der dritten Wurzel war Feierabend mit Elite-Hackenporsche. Joe blieb hängen und als er an dem Bügel riss, löste sich ein Rad aus der Verankerung und verschwand im Dämmerlicht.
Joe fluchte gottlästerlich in Gedanken. Für lautes Gejammer hatte er keine Luft mehr. Keuchend hängte er sich den Griff über eine Schulter und hastete weiter.
Die Rufe hinter ihm hatten nachgelassen. Er hoffte, der Kerl hatte endlich aufgegeben, aber er traute sich nicht, sich umzudrehen und womöglich Zeit zu verlieren. Vor sich sah er den Maschendrahtzaun, der den Garten des Kinderheims von der Anlage trennte. Nur noch wenige Meter. Gleich war er da. Dort würde er sich sicher im Keller verstecken können. Er war lange genug in dem Gemäuer gewesen, um alle Verstecke zu kennen.

Oo~~oOo~~oO

Am Kinderheim angekommen, schmiss er den Einkaufswagen über den Zaun und krabbelte hinterher, nicht einfach in dem plüschigen Ganzkörperkondom, das zudem noch unangenehm, weil kalt und nass, an seinem Bein klebte.
Als er sich auf die andere Seite fallen ließ, hörte er, wie der Stoff nachgab. Ein Teil seines Kostüms fiel auf die Parkseite. Es zog unangenehm kühl am Stummelschwanz. Ärgerlich, aber nicht zu ändern. Die Zeit, wieder über den Zaun zu klettern und es zu holen, hatte er nicht. Joe tröstete sich damit, dass es braun war wie die vertrockneten Blätter und vielleicht nicht auffiel. Man musste schließlich wissen, nach was man suchen wollte, sonst war das nur ein Stück undefinierbares Fell. Da Joe sowieso nicht vorhatte, das Kostüm wieder abzugeben, war es auch egal. Er sammelte also den Einkaufswagen wieder ein, der mittlerweile extrem ramponiert aussah, schulterte ihn und pirschte sich an das Haus heran, immer zwischen den Büschen, um weder vom Haus noch vom Park gesehen zu werden. Ab und zu kroch er auf den Knien durchs Gestrüpp, dann wieder duckte er sich hinter einem Baum. Er nahm sich Zeit, denn er schien seinen Verfolger abgehängt zu haben. Auf keinen Fall wollte er vom Haus aus gesehen werden. Kinder waren nicht nur ätzend, sie waren auch extrem neugierig und könnten ihn verraten. Aber es ließ sich keins blicken.
Gut so. Gleich würde er ausruhen können.

Oo~~oOo~~oO

Als er an die hintere Kellertür kam war er sich sicher, dass ihm keiner gefolgt war.
Joe atmete erleichtert auf. Kein Bulle, kein Wachmann, einfach niemand war zu sehen gewesen. Nur noch durch die Tür, die, wie er aus Erfahrung wusste, nie zugeschlossen war, und er wäre in Sicherheit.
Die Pfote auf der Klinke, ein breites Grinsen auf den Lippen, lehnte er sich entspannt gegen die Tür und …
… fiel in die Arme eines Polizisten. Nur Sekunden später klickten die Handschellen und er schrie vor Enttäuschung auf.
„Wie … wieso?“ Joe verstand die Welt nicht mehr. Wo kam denn auf einmal der Bulle her?
„Lass mal sehen, wer unter der Maske steckt“, sagte der Polizist und zerrte an Joes Maske. Da half Joe all sein Zappeln nicht. Nur wenig später war die Maske ab und der Polizist stellte fest: „Ach du Joe. Hätte ich mir auch denken können. – Wolltest du den Kindern in deiner alten Heimat was Gutes tun?“
„Die Kinder sind mit scheißegal. An mich hat auch nie einer gedacht.“ Joe zappelte noch immer, aber der Griff des Polizisten ließ ihm keinen Freiraum.
„Und da dachtest du, du genehmigst dir selbst ein erfreuliches Osterfest. Tja, Denken war noch nie so dein Fall.“
Wütend zerrte Joe an seinen Fesseln. „Wieso bist du Bullensau hier?“
Der Polizist schob Joe ungerührt zum Streifenwagen, der vor dem Haus geparkt stand. Erst dort antwortete er Joe.
„Für dich Armleuchter immer noch ‚Herr Polizist‘. Und warum du ein Armleuchter bist? Kann ich dir erklären. Erstens: Wie kann man nur seine Beute in diesen Einkaufswagen packen? Nicht genug, dass er im feuchten Park eine deutliche Spur hinterlassen hat. Diese feuerwehrrote Farbe scheint durch den unbelaubten Park wie ein Leuchtturm an der Küste. Noch auffälliger gings wohl nicht, was? Außerdem führt der Park in der anderen Richtung nur an den Fluss, war also klar, wohin du wolltest. Und nun zeig mal deine Beute ...“

Oo~~oOo~~oO

Zwei Tage später war Ostern. Nicht für Joe, der, weil er noch Bewährung hatte, direkt eingefahren war in die Haftanstalt. Als Nettigkeit hatte man ihm ausnahmsweise ein gefärbtes weichgekochtes Ei auf sein Frühstückstablett gestellt. Es hinterließ einen hässlichen gelben Fleck an der Wand hinter Joes Kopfkissen.
Sein Rechtsanwalt hatte ihm mitgeteilt, dass seine Strafe etwas höher ausfallen würde, denn man hatte die Beute nicht gefunden. Würde Joe ihnen sagen, wo er die Gelder gelassen hätte, dann würde man sehen können, aber so … Es war schließlich eine üppige Summe, denn der Tresor im Kassenbüro war offen und leer aufgefunden worden, als der Wachmann zurück zum Kaufhaus kam.
Joe konnte sich denken, wer da auf seine Kosten lange Finger gemacht hatte, aber seine Ganovenehre ließ nicht zu, dass er sang. Aber Sly würde er sich krallen, wenn er wieder aus dem Knast kam, was aber noch etwas dauern würde. Dann aber, das schwor sich Joe, würde er Sly für jeden zusätzlichen Tag bezahlen lassen.
Nicht mal das Kleingeld hatte man gefunden. Bei der Jagd durch das Gestrüpp hatte Joe ein Loch in die Tasche gerissen und es nicht einmal gemerkt. Die kleinen, leichten und ungefüllten Plastikeier hatte er noch im Park verloren, was einer zusätzlichen Spur gleichkam.
Die Kinder des Waisenhauses freuten sich trotzdem darüber. Vor allem, als sie weitere, diesmal aber gefüllte Ostereier in den Büschen auf dem Gelände des Waisenhauses entdeckten.
Der Kaufhausbesitzer, dem sie nach der Zeitungsanzeige, die am nächsten Tag erschien, ihren Fund zeigten, hatte Mitleid und verschwieg den Fund. Er hatte von der Versicherung bereits den nötigen Ausgleich zugesagt bekommen, als die Eier gefunden wurden. Herr Müller legte sogar noch einige Schokoeier dazu für die Ehrlichkeit, wobei er sorgsam darauf achtete, dass diese ohne Alkohol waren.
Das wiederholte er ab nun jedes Jahr, was die Kinder zu würdigen wussten.

Nur Joe mochte immer noch kein Ostern.

 

Dies war das Ende für dieses Jahr. Wir sehen uns hoffentlich 2021 wieder.
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Und zu allerletzt:

Ich wünsch allen Lesern ein üppiges Ostern.
Bleibt sauber und gesund.

Eure Agatha

 

Osterkalender 2019

Der Tag, an dem ich kein Kind mehr sein durfte …

Kennt ihr das, wenn ihr glaubt, weder Fisch noch Fleisch zu sein? Ekeliges Gefühl, was?
Hier gehörst du nicht hin, dort aber auch nicht. Oder noch nicht.
Bei uns daheim sagte man dann: Dich hat der Esel im Galopp verloren. Dabei gab´s nirgendwo mehr Esel.
Blöder Spruch.

Im Laufe meines Lebens haben mich ganze Eselshorden schon verloren, ohne dass ich je auf einem Rücken saß. Aber in Erinnerung ist mir ausgerechnet ein Osterfest geblieben.

Was war passiert?

Es war mal wieder soweit. Ostern war´s, mein absolutes Lieblingsfest von allen Festen, die so gefeiert wurden. In meiner Familie war es Tradition, dass wir Kinder in Omas Garten bunte Ostereier suchten. Ein Heidenspaß für meine Cousins, Cousinen und mich. Meine Eltern reisten dafür extra immer zu Ostern an, zwei Stunden Stillsitzen in der Bahn, aber was ist schon eine so lange Fahrt, wenn man die Großeltern wiedersehen konnte und es zum Ostereiersuchen ging. Ein Mückenschiss, sag ich euch.

Die Großen, also meine Eltern, Tanten, Onkel und meine Großeltern machten ein Riesengeheimnis darum. Alle achteten streng darauf, dass kein gefärbtes Ei vor Sonntagmorgen zu sehen war. Ein Getuschel und Geraune verstärkte die Vorfreude noch und machte einem klar, dass es bald soweit war. Freitag- oder Samstagabend wurden wir früh ins Bett geschickt. Man musste ja fit sein, um vielleicht doch noch den Osterhasen zu erwischen, wie er gerade dabei war … Aber wie früh wir auch ins Bett gingen, er war immer schneller.

„Nächstes Jahr kriegen wir ihn.“ „Ganz sicher!“

Wir Jungen gaben uns das Versprechen fest in die Hand und versuchten es immer wieder.
Erfolg hatten wir nie, aber Hoffnung.

Mit den Jahren wurde es immer unwahrscheinlicher, dass es ein Hase war. Anzeichen gab es immer mehr. Die Großen wurden nachlässig. So schickte mich meine Oma zur nahegelegenen Hühnerfarm, wo ich 80 Eier kaufen sollte. Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg. Wer sollte die denn alle essen? Wir waren doch nur neun. Mein Großeltern, meine Eltern, meine Tante und mein Onkel und meine beiden Cousinen. Die Cousins lebten nebenan und hatten ebenfalls eine größere Eierbestellung zu holen. Die zählten also nicht mit. Vielleicht käme noch meine andere Cousine mit Bruder und ihren Eltern, dann wären es noch mal vier. Immer noch eine recht üppige Eierbestellung.

Als es sich schließlich nicht mehr verheimlichen ließ, wurde uns gesagt: „Oma hilft dem Osterhasen.“
Das konnte man verstehen. Bei den vielen Kindern auf der ganzen Welt, da war das sicher besser, wenn ihm jemand half. Er hatte ja auch nur Pfoten, keine Hände wie der Weihnachtsmann. Und er musste die Eier selbst schleppen. Der Weihnachtsmann hatte ja wenigstens einen Schlitten. Die Argumentation leuchtete uns also ein.

80 Eier und 20 Knickeier. Knickeier waren Eier, die aus der Norm fielen. Zu groß, zu klein oder dreckig, manchmal mit zwei Dotter oder auch einfach nur etwas angeschlagen, aber noch nicht offen und deshalb günstiger. Oma nutzte sie für Kuchen und Nudeln, die sie in rauen Mengen herstellte und über einem Stock nahe des Ofens trocknete, bevor sie in einer großen Blechdose für später aufbewahrt wurden. Alle, bis auf die, die vorher in unseren Bäuchen landeten. Gespannt saßen wir immer zu zweit oder zu dritt auf dem Sofa vor dem Küchentisch.  Gab es Streusel, war das schon das erste Highlight der vor uns liegenden Tage und wir lauerten selig auf unsere Gelegenheit.

„Du bekommst Bauchweh, wenn du rohen Teig isst!“, war die Standardwarnung, aber hat es je ein Kind gegeben, das auf eine solche Warnung reagiert hat? Zumindest bei uns gab es keinen. Wir grinsten, vergruben kurz unsere Händchen unter den Oberschenkeln, um gleich darauf wieder Teig zu naschen. Oma scheuchte uns vorbeugend zum Händewaschen, damit die verbliebenen Streusel sich durch unsere Händchen nicht grau verfärbten, denn sie wusste, wir konnten der süßen Pracht nicht widerstehen. Je nachdem, wie viele Enkel sie beobachteten, passte meine Oma sogar in weiser Voraussicht die Streuselmenge für den Kuchen an. Ihr sanftes Schimpfen gehörte irgendwie dazu, wurde aber geflissentlich überhört. Omas Kuchen waren eben die Besten. Und sie verzuckerten uns die Wartezeit.

Je näher der Sonntag kam, desto ängstlicher wurde der Blick in den Himmel. Ob das Wetter hielt? Ostereier suchte man doch im Sonnenschein im Garten, wo der Osterhase leichtes Spiel hatte beim Verstecken. In der Wohnung zu suchen war nicht so prall. Die Verstecke langweilig und immer irgendwelche Beine von einem Erwachsenen im Weg. Ätzend.

Meist hatten wir Glück. Wir drängelten und schoben uns vor der Tür und jeder wollte als erster ein Ei finden. Prickelnder konnte kein Formel Eins-Rennen sein. Wir wurden aber noch vor der Startlinie wieder eingefangen. Badezimmer, Zähne putzen, Gesicht waschen. Erbarmungslos. Dabei warteten doch die Eier auf uns. Man stelle sich vor, während wir uns mit so Nichtigkeiten rumplagen mussten, würden wilde Tiere die Eier wegschleppen. Oder Kinder vom Nachbarn. Oder der Hase würde sie wieder mitnehmen. Obwohl … Letzteres wohl eher weniger, aber die Vögel. Was, wenn sie die Eier anpickten? Vergeblich unser Jammern. Die Erwachsenen waren nicht zu erweichen. Ihr strenges Gesicht duldete keinen Widerspruch, und wir fügten uns murrend und widerwillig.

Und dann … endlich … wurde die Tür geöffnet, und die wilde Horde tobte einmal quer durch den Vorgarten und dann rund ums Haus.

Mit den Jahren wurden wir Älteren bei den offensichtlichen Nestern zurückgehalten. Die sollten für die Kleinsten von uns sein. Die, die es noch nicht so drauf hatten mit suchen. Nun gut, ich zuckte mit den Achseln, das konnte man noch nachvollziehen. Aber dann kam der Tag …

Längst war klar, dass es den Osterhasen nicht gab. Aber man verdrängte es immer erfolgreich. So auch jetzt. Die Tür öffnete sich, ich stürmte an den offensichtlichen Eiern vorbei und suchte die geheimen Ecken, als sich eine Hand auf die Schulter legte.

„Nicht für dich.“ Irritiert versuchte ich mich loszureißen, überhaupt nicht begreifend, was da jemand zu mir sagte. Der Griff wurde fester. „Lass die Jungen dran. Du bist schon zu alt.“

Zu alt? Wozu? Ostereier suchen? Konnte man je dafür zu alt sein?

Hätte man mir meine Arme abgeschlagen und die Beine an den Knien gekürzt, ich hätte mich nicht schlimmer fühlen können. „Du brauchst das nicht. Sei nicht so gierig. Das ist nur für die Kleinen. Du bist zu alt.“ Ein Faustschlag im Magen, den ich heute noch spüre.

Gier? Echt? Als hätte mich die Schokolade je interessiert. Die verschenkte ich regelmäßig. Ich war mehr der Wurstfan. Nein, es war das Suchen. Dieses kribbelige Gefühl, wenn man was fand. Wie Sprudelwasser im Hirn und im Bauch. Wie Sherlock Holmes, obwohl ich den damals noch nicht einmal kannte, drehte ich mit Begeisterung jedes Primelblatt um. Es könnte ja ein Schokoladenei darunter gerollt sein. Die waren schließlich sehr klein.

Und nun sollte das alles ein Ende haben? Nie wieder?

Schock!

Mein Ostern war ruiniert. Gründlich. Hätte es fünf Tage hintereinander geregnet, alles in Schlamm getaucht, es wäre mir egal gewesen. Ich hätte es vermutlich nicht mal bemerkt.

Den Großen entging mein panisches Gesicht. – Meine plötzliche Antriebslosigkeit. – Meine Zurückgezogenheit. Um mich herum tobte das Leben, es war mir plötzlich alles sch... egal.

Nicht nur der entgangene Spaß nagte an mir. Auch meine falsch verstandene Motivation. Ich, die ich immer den Kleinen gezeigt hatte, wo die Nester lagen, die ihnen meine Eier, auch die blöden Schokoladendinger, die sie so liebten und die selten waren, geschenkt hatte, ich sollte gierig sein? Mir kamen die Tränen. Sie rannen still die Wangen herunter; keiner merkte es. Mit hängendem Kopf schlich ich zurück in die stille Küche und wartete, dass die johlende Gemeinschaft zum Frühstück mit den gefundenen Eiern auftauchte, um sie zu verspeisen.

Meine Kinderseele mit Füßen zertrampelt und der Jugendseele mit auf den Weg gegeben, dass man die Beachtung nicht wert war. Das zog länger. Es hinterließ lange noch ein schales Gefühl auf meiner Zunge, und ich würde denjenigen von damals gerne entgegenschreien: Das war nicht fair. Ich war ... nein, ich bin doch auch noch da. Habt ihr mich vergessen?

Es ist sinnlos. War es schon immer. Mal abgesehen, dass von den Personen nur noch zwei leben, verstanden hätte mich keiner. Damals nicht und heute immer noch nicht. Vermutlich hätte man nur mit dem Kopf geschüttelt, sich umgedreht oder mich blöd angemacht. Dabei hat es mich wirklich verletzt.

**V**   **V**   **V**

Zwei weitere trübe Jahre vergingen, dann schöpfte ich wieder etwas Hoffnung. Mittlerweile wusste ich, dass wir so früh ins Bett geschickt wurden, weil die Erwachsenen dann die Eier färbten, mit Speckschwarte glänzend polierten oder Bilder aufklebten. Da wollte ich mitmachen. Unbedingt. Wenn ich schon kein Kind mehr war, dann gehörte ich also zu den Erwachsenen. Logisch, oder?

Weit gefehlt. „Wenn du konfirmiert bist, dann darfst du. Vorher nicht.“ Na toll. Kind nicht, Erwachsener auch nicht. Ich war enttäuscht.

Dazu kam die Erniedrigung, mit den Zwergen ins Bett gescheucht zu werden, obwohl man doch nicht zu ihnen gehörte. – Wohlgemerkt: zwei Stunden vor der üblichen Zeit. – Ich lag wach und hörte das Kichern aus der Küche, begleitet von dem Schnarchen der Zwerge. Nun gut, ein wenig bedauerte ich mich selbst. Zugegeben. Trotzdem! Die Hilflosigkeit ob der empfundenen Ungerechtigkeit färbten jeglichen Gedanken tiefschwarz. Nur schwer schlief ich endlich ein.

Es war eine ätzende Zeit. Ich fühlte mich ausgestoßen. Nirgendwo dazuzugehören tat weh. Dazu kam, dass in der Zeit auch der Schulwechsel stattfand. Auch hier war die Zuordnung nicht einfach. Ich kam in eine weiterführende, fremde Schule. In meiner Klasse kannten sich alle schon seit Jahren. Ich kannte keinen. Die Folge war klar.

Eierfärben durfte ich dann erst mit fünfzehn, zwei Jahre nach der Konfirmation. Es war Arbeit, aber zumindest eine winzige Befriedigung.

 

**V** **V** **V**

Lange habe ich daran zu knabbern gehabt. Es hat mich sensibilisiert für Ausgestoßene, mich interessiert, wie sie in die Lage kamen. Und ob ich etwas gegen dieses miese Gefühl unternehmen konnte, das ich gespürt hatte und nicht vergessen konnte.

Aber es dauerte noch einmal mehr als drei Jahrzehnte, bis ich mich mit Ostern endgültig aussöhnte. In den Jahren dazwischen sorgte ich persönlich für meine bunten Eier. Ob in Beziehung oder nicht: gefärbte Ostereier, wenn auch nur mit Gräsern, Socke und Zwiebelschalen gefärbt, waren Pflicht. Und dann kam das Ostern mit den Kindern meines Freundes.

Tage vorher wurde wieder der Himmel beobachtet. Sonntagmorgen war ich noch früher als sonst wach und huschte allein durch den Garten. Die Stille beruhigte mich, gleichzeitig spürte ich wieder das Sprudelwasser in den Gliedern, und ich gab mir echt Mühe, die Verstecke machbar, aber nicht zu offensichtlich zu wählen. Die Zeit dort im stillen Garten, der Tau, Sonnenstrahlen, die kitzelten, die ersten Vogelstimmen und die bunten Eier … all das beflügelte mich … und nahm mir den jahrelang mitgeschleiften Groll. – ICH hatte es in der Hand, – ja ich – dass sich keiner ausgestoßen fühlen musste. Egal wie alt.

Meine Güte, dieses Ostern war fast noch besser als meine Erinnerungen an die Kindheit.

Dank euch. – Ihr habt mir mein Ostern zurückgegeben.

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Autoren-Osterkalender 2018

Marvin Murmeltier - Osterwettbewerb

„Es ist Ostern“, zwitscherten die Spatzen.

„Oh ja, Ostern“, gurrten die Tauben und rieben sich mit den Flügeln die dicken Bäuche.

Marvin runzelte die Stirn. Was war denn "Ostern"? Und warum waren alle so aufgeregt? Alle Vögel im Wald und am kleinen Bach, an dem er lebte, waren völlig aus dem Häuschen. Es tschilpte hier, es gaggerte da, ein Konzert von vielen tausend Vogelstimmen und alle freuten sich auf dieses unbekannte „Ostern“.

Drei kleine Spatzen auf der alten Eiche über seinem Kopf tuschelten freudig und schubsten sich gegenseitig vom Ast. Marvin beschloss, sie zu fragen.

„Guten Morgen“, fing er höflich an, aber sie hörten ihn nicht. Er versuchte es noch einmal etwas lauter. „Hallo, guten Morgen! Könnt ihr mir bitte eine Frage beantworten?“
Zwecklos. Sie waren total mit sich beschäftigt.

Also das gab es doch nicht, dachte sich Marvin. Er stieß einen schrillen Pfiff aus, wie das Murmeltiere so machen, wenn jeder etwas mitbekommen sollte. Das wirkte. Die Spatzen stoppten kurz und blickten ihn an.

„Hey ihr da. Was ist Ostern und warum seid ihr so aufgeregt?“ Marvin schob noch ein kurzes „Bitte erklärt es mir“ hinterher, denn er höflich. Dann blickte er erwartungsvoll himmelwärts.

„Du kennst Ostern nicht? Wo gibt es denn sowas!“
Sie kicherten ungläubig.

„Das ist doch das tollste Fest am Jahresbeginn. Danach kommt nur noch Weihnachten, aber da ist es immer so kalt. Ostern ist viiiiiel besser!“

Zwitscherten sie Marvin zu, stoben davon und ließen ihn grübelnd zurück.

„Marvin“, brummte es hinter ihm, „… mach dir keine Gedanken. Ich sag dir, was sie an Ostern so toll finden.“ Marvin drehte sich um und entdeckte Elvira, die uralte Eule, die auch am Bach wohnte, auf einem Zweig. Elvira und er waren schon lange gute Freunde. Sie warnten sich immer gegenseitig, wenn Gefahr drohte. Wenn es Neuigkeiten gab, informierte jeder den anderen, denn Elvira war nachts aktiv und Marvin tagsüber. Das passte prima. Jetzt war es an der weisen Elvira, Marvin etwas zu erklären.

„Sie sind so aufgeregt, weil es an Ostern immer einen Wettbewerb um das schönste Ei gibt. Der Gewinner bekommt einen extrafeinen Kuchen aus dem Dorf, lecker, süß und mit Körner und Nüssen. Hermann Hase holt den immer vom Bäcker, der den extra für die Tiere backt und vor seine Tür legt. An Ostern treffen sich dann die Vögel des Waldes auf der Lichtung nahe des Dorfes und zeigen ihre tollsten Eier und Hermann entscheidet. Der Gewinner des Wettbewerbs bekommt den Kuchen und muss deshalb mindestens eine Woche lang das Nest nicht mehr verlassen.“

„Aha, deshalb sind sie so aufgeregt. Wann ist das Treffen, denn das würde ich mir zu gerne ansehen.“

„Schon heute, du musst dich beeilen. Wenn die Sonne am höchsten steht, geht es los.“

„Kannst du mich vielleicht dort hinbringen, Elvira? Zurück finde ich schon alleine, aber ich möchte nichts verpassen.“

Elvira überlegte. Sie war total müde und wollte eigentlich nur noch schlafen, aber Marvin sah sie so lieb an, da konnte sie ihm seine Bitte nicht abschlagen.

„Na komm, stell dich dort drüben auf den Baumstumpf, dann fang ich dich ein.“ Marvin ließ sich nicht lange bitten. Ruckzuck stand er auf dem Baumstamm und richtete sich auf. Die Vorderpfoten streckte er weit von sich. Elvira ließ sich von ihrem Ast fallen, breitete die Flügel aus und schoss auf Marvin zu. Ihre Füße mit den scharfen Krallen griffen unter seine ausgestreckten Pfoten und schon war er in der Luft. Es kitzelte etwas, als Elviras Krallen an seinem Bauch entlang wischten. Marvin kicherte.

„Hör auf zu lachen, sonst rutscht du mir noch durch die Krallen. Von hier oben bleibt nicht viel von dir übrig, wenn du fällst“, warnte Elvira.

Marvin wagte einen kurzen Blick nach unten und verstand. Der Wald war so weit unter ihm, dass die Bäume ganz klein aussahen. Augenblicklich hörte er auf mit dem Zappeln und machte sich steif. Aus der Luft herunter zu fallen wäre kein Spaß. Der Wind pfiff ihm um die Ohren und plusterte sein Fell ordentlich auf. Vorsichtig fiel sein Blick nach unten. Dort drüben, das musste die große, alte Eiche sein, unter deren Wurzeln seine Höhle lag. Wie klein sie auf einmal war. Der Bach war nur noch ein schmales, silbernes Band und sah gar nicht mehr gefährlich aus. Alles war so winzig geworden, dass Marvin kaum noch erkennen konnte, wo sie gerade waren. Am Horizont sah er Rauchwolken aufsteigen.

„Es brennt, Elvira, es brennt! Lass uns schnell runter und die Tiere warnen!“, rief er aufgeregt.

„Dummerchen, das ist doch nur das Dorf. Das ist Rauch aus den Schornsteinen. Wir sind gleich da. Mach dich zur Landung bereit. Ich muss dich etwas fallen lassen, denn mit dir zusammen kann ich nicht landen.“

„Alles klar. Danke Elvira!“

Elvira setzte zur Landung an. Etwa einen Meter über dem Boden ließ sie los. Marvin federte den Sturz ab, kullerte noch einen halben Meter, dann stand er wieder auf seinen Pfoten. Er bedankte sich höflich bei Elvira, die zwei Meter weiter auf einem Ast saß.

„Vielen Dank, das ging ja ratzfatz. Bleibst du auch hier?“, wollte er wissen. Elvira schüttelte den Kopf.

„Das ist nichts mehr für mich. Früher habe ich auch mitgemacht, aber jetzt bin ich dafür zu alt. Ich werde wieder zu unserem Baum fliegen und schlafen. Ich war die ganze Nacht auf den Flügeln, jetzt bin ich müde.“ Sie gähnte, dann breitete sie die Flügel aus, bereit zum Abheben. „Bis später und viel Vergnügen“, rief sie Marvin noch zu, hob ab und war sogleich hinter den Bäumen verschwunden.

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Marvin sah sich um. Die Lichtung, auf die Elvira ihn hatte plumpsen lassen, war nicht groß, aber schon ordentlich belebt. Er war nicht der Einzige, den der Wettbewerb interessierte. Die Teilnehmer waren schnell entdeckt. Vier Vögel hatten sich ein Nest in einem Gebüsch über einem Wiesenstreifen gebaut und saßen schützend auf ihren Eiern. Eine Goldammer, ein Neuntöter-Weibchen, eine Gartengrasmücke und ein Gartenrotschwanz-Weibchen. Es war zwar schon Frühjahr, aber der Boden war noch zu kalt. Im Nest waren die Eier geschützter.

Marvin reckte sich, um alles zu überblicken. Vom Kuchen war noch nichts zu sehen. Er war also noch rechtzeitig angekommen. Langsam wurde die Lichtung voll. Marvins Bauch knurrte und erinnerte ihn daran, dass er noch nicht gefrühstückt hatte. Da von Hermann mit dem Kuchen noch nichts zu sehen war, beschloss Marvin, sich erst mal etwas zu essen zu suchen. Wer weiß, wie lange das noch dauerte. Auf der anderen Seite der Lichtung glaubte er beim Anflug Haselnuss-Sträucher gesehen zu haben. Das wollte er untersuchen.

Schnell huschte Marvin in die Richtung. Er konnte die Sträucher schon sehen, als sie auf einmal wackelten. Augenblicklich stoppte Marvin seinen Lauf. Wachsam kontrollierte er die Gegend. Wackelnde Büsche waren nicht normal. Wer weiß, was sich da drin verbarg. Womöglich lief er direkt Ferdinand Fuchs vor die Schnauze. Der hätte ihm gerade noch gefehlt. Ferdinand war immer hungrig und Marvin wollte nicht sein Frühstück werden.

Aufmerksam und fluchtbereit beobachtete er das zappelnde Gebüsch. Da, ein roter Schwanz. Ferdinand?

Marvin wollte gerade losrennen, da vernahm er ein ansteckendes Kichern aus dem Busch. Gleich darauf kugelten Erwin Eichhörnchen, ein alter Freund von Marvin, und seine Enkel aus dem Grün. Die Eichhörnchen tobten wie eine wilde Horde auf die Lichtung. Erwin, der Opa der Bande, folgte langsamer. Als er Marvin erkannte, winkte er ihm freundlich.

„Hallo Marvin. Haben dich meine Enkel erschreckt? Keine Sorge, die sind nur übermütig und freuen sich auf den Wettbewerb.“

„Ach Erwin, du bist das.“ Marvin seufzte erleichtert. „Ich dachte schon, Ferdinand stört wieder die gute Stimmung."
Marvin kicherte.

"Es ist aber auch zu blöd, dass eure Schwänze die gleiche Farbe haben. Das kann einen schon erschrecken.“

„Hihi, da könntest du recht haben“, kicherte Erwin und strich sich seine weiße Strähne aus der Stirn. An der Stelle hatte er einmal einen Zusammenstoß mit Ferdinand und seit dem wuchsen dort keine roten sondern nur noch weiße Haare. Sie erinnerte ihn daran, dass man Ferdinand nicht trauen durfte.

„Ihr wollt also auch zu dem Wettbewerb?“

„Ja klar doch. Wir sind jedes Jahr hier. Ist Hermann schon aufgetaucht?“

„Ich habe ihn noch nicht gesehen. Den Kuchen, von dem Elvira mir erzählt hat, auch nicht. Ich dachte mir daher, ich such mir noch schnell etwas zu essen und komm dann gleich wieder.“

„Gute Idee. Wir haben schon gefrühstückt. Aber wenn du nur schnell etwas suchst, dann geh in die Richtung. Unter der Brombeerhecke habe ich letzten Herbst ein Depot mit Nüssen angelegt, das ich noch nicht geplündert habe. Das schenk ich dir, dann bist du schneller wieder da, als wenn du selbst erst suchen müsstest.“

„Oh danke Erwin. Sobald das hier herum ist, kriegst du das auch wieder zurück. Bis gleich!“, freute sich Marvin und huschte in die Richtung, die Erwin ihm gezeigt hatte.

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Er musste nicht lange suchen. Erwin war schon alt und nicht mehr so kräftig. Daher waren seine Verstecke auch nicht tief im Boden. Teilweise lugten sogar Teile der Beute aus den Blättern, die er über die Löcher mit Nahrung gelegt hatte. So auch hier. Zwischen alten braunen Blätter und jungem saftigen Grün, das von dem Grasfleck daneben herüber wuchs, entdeckte Marvin eine Haselnuss. Zwei Kratzer mit seiner Kralle später hatte er noch 3 weitere gefunden und ließ es sich schmecken.

Die Sonne schickte einige Strahlen zwischen den Bäumen hindurch. Sie trafen genau den Grasfleck, auf dem Marvin saß und an den Nüssen knabberte. Sie wärmte seinen Pelz, und er ließ für einen Augenblick die Nuss sinken, die er gerade bearbeitet hatte. Er schloss die Augen und genoss die Stille und die Wärme.

Ein leises Rascheln riss ihn aus seiner Stimmung. Er blickte sich um und sah eine Henne aus dem Dorf traurig im Erdboden picken. Alles an ihr war traurig. Das Gefieder hing herunter, der Kopf war gesenkt, die Bewegungen langsam und müde.

Marvin wollte sie nicht erschrecken, also sprach er sie leise an.

„Hallo, du da. Was ist mit dir?“

Die Henne erschrak und kippte einfach um. Wie ein Stein lag sie da und rührte sich nicht mehr.

Oh nein. Hatte er sie umgebracht? So erschreckt, dass ihr Herz aussetzte? Marvin kam langsam näher und tippte vorsichtig die Henne an. Er wollte sehen, ob sie noch lebte.

Das weckte die Henne und sie schüttelte sich. Marvin war erleichtert.

„Geht es dir gut? Du bist einfach umgekippt. Ich wollte dich nicht erschrecken.“

„Ach je, das passiert mir immer wieder. Tut mir leid, es muss schlimm für dich ausgesehen haben. Auf meinem Hühnerhof sind sie es schon gewohnt. Die „hektische Herta“ nennen sie mich da. Mir geht es gut. Keine Sorge.“

„Aber du siehst traurig aus. Was ist los? Kann ich dir helfen?“

„Leider nein. Es ist nur wieder dieser Wettbewerbstag. Der macht mir Sorgen.“

„Warum? Jeder scheint sich darauf zu freuen, nur du nicht. Und warum bist du hier und nicht dort drüben auf der Lichtung?“

„Ach, ich bin nie dabei. Wozu auch. Da werden die schönsten Eier präsentiert. Ich lege doch nur weiße Eier. Die sind langweilig. Und die will keiner sehen. Da brauche ich nicht mal anzutreten.“ Herta seufzte. „Ich habe sie gesehen, die anderen Eier. Dort drüben vom Gebüsch aus.“ Sie zeigte auf das Gebüsch, in dem noch vor kurzem Erwin mit seinen Eichhörnchen herumgeturnt hatte.

„Hast du es denn schon einmal probiert?“

„Ja, im ersten Jahr. Ich hatte ein wunderschönes, gleichmäßig geformtes Ei. Ganz glatt und glänzend. Aber sie haben mich alle ausgelacht. Da wären ja keine Muster drauf. Es wäre so langweilig.“ Ihr kullerte eine Träne aus dem linken Auge bei der Erinnerung. „Sie haben ja recht. Mein Ei war langweilig wie es mein Leben ist.“ Traurig ließ sie den Kopf hängen und pickte lustlos nach einem Wurm.

Marvin tat Herta leid. Er hätte ihr gerne Trost gespendet, aber so recht fiel ihm auch nicht ein, wie er das machen sollte. Vor Trauer, dass er Herta nicht helfen konnte, schmeckte ihm nun die Nuss auch nicht mehr. Er legte sie mit den anderen wieder in das Loch und deckte alles sauber ab. Damit das Versteck nicht gleich wieder gefunden werden würde, kratzte er noch ein paar Brombeerbuschreste über das Loch.

Nachdenklich drehte er sich wieder um und schlug den Weg zur Lichtung ein. Grübelnd folgte er Herta, die sich wieder unter dem Gebüsch verstecken wollte, wohl wissend, dass der Preis auch dieses Jahr nicht an sie gehen würde.

Marvins Pfoten blieben an einem Blatt kleben. Er stoppte und zog sich das Blatt von der Kralle. Darunter war die Pfote dunkel-lila. Marvin stutzte. Blut konnte das nicht sein. Sein Blut war rot - es war nicht lila. Und hätte er eine Wunde, dann hätte auch die Kralle weh getan.

Verwirrt schüttelte er den Kopf. Wieso lila? Suchend, als hätte der Wald die Antwort, sah er sich um. Sein Blick blieb an dem Brombeergestrüpp hängen.

„Brombeeren … Beeren … Saft … Farbe … Farbe?“ Er eilte zurück zum Gestrüpp und suchte an der Stelle, an der er seine Nüsse vergraben hatte. Dort wurde er fündig. Eine vertrocknete Brombeere aus dem letzten Herbst lag im Tau und war etwas aufgeweicht. Als Marvin die Brombeerblätter und –zweige über die Nüsse gekratzt hatte, hatte er mit den Krallen die Brombeere erwischt. Dort, wo sie aufgeweicht war, glänzte es lilafarben in der Sonne.

Marvin kam eine Idee. Schnell lief er Herta nach. Einen Versuch war es wert, fand er.

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Auf der Lichtung wurde es langsam voll. Hermann war eingetroffen und hatte den Kuchen hinter sich hergezogen. Ein starkes Stück Arbeit, aber er sonnte sich auch im Lob der anderen Tiere.

Die Vogelmütter drängten schon. Sie wollten das Ergebnis.

„Hey Hermann, wie lange dauert es denn noch? Mein Küken schlüpft gleich. Ich habe nicht mehr viel Zeit“, riefen sie.

Hermann ließ sich nicht hetzen. Er genoss noch eine Weile das Lob, schließlich hatte er dem Hofhund getrotzt und sich redlich abgemüht, den runden Kuchen bis zur Lichtung zu rollen. Jetzt hatte er ordentlich Hunger, zumal der Kuchen verführerisch duftete.

„Immer mit der Ruhe, die Damen. Ihr wisst doch, wann es losgeht. Noch ist die Sonne nicht am höchsten Punkt. Ich muss mich jetzt erst mal stärken. Solange müsst ihr noch warten.“

Die Vogelmütter murrten, aber keiner achtete auf sie. Es hatten sich mittlerweile auch andere Vögel des Waldes eingefunden. Dazu einige Mäuse, die hofften, von dem Kuchen etwas abzunagen, bevor er völlig im Nest einer der Mütter verschwunden sein würde. Eine Ricke mit ihrem Rehkitz knabberte am Rasen nahe der Nester. Die Vogelmütter zeterten so lange, bis sie auf die andere Seite der Lichtung wechselte. Im Schatten auf der Nordseite des Platzes war die Erde vom letzten Regen noch weich, da hier die Sonne nicht hinkam. Dort suhlten sich einige Wildschweine mit ihren Frischlingen im Dreck und genossen es.

Hermann aß sich satt, dann trommelte er mit seinen Läufen auf einem abgesägten Baumstamm, der die Mitte der Lichtung markierte.
Augenblicklich wurde es still. Alle Augen waren auf ihn gerichtet.

„Also“, er räusperte sich kurz, dann fuhr er fort, „also, wir haben uns hier versammelt, um die alljährliche Eierschau durchzuführen. Wer hat das schönste, größte, originellste Ei?"

„Nun mach schon, mein Küken klopft schon!“
„Beeil dich.“

Hermann ließ sich nicht hetzen. Aufrecht auf zwei Beinen, damit er größer wirkte und auch jeder ihn sehen konnte, wankte er auf das erste Nest zu.

Die Vogelmutter flatterte kurz auf einen Ast über ihrem Nest und alle größeren Tiere konnten einen Blick auf das Gelege erhaschen. Drei gesprenkelte rötlich-braune Eier lagen im Nest. Neuntöter-Eier. Zwei kleinere und ein etwas größeres Ei. Das Größere wackelte heftig. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis das Küken schlüpfen würde. Kein Wunder also, dass seine Mutter gedrängt hatte.

„Hmm, hmm. Schön, schön. Welches Ei meldest du zum Wettbewerb an?“ Hermann brummte in seinen Bart und strich sich mit den Vorderpfoten die Haare seines Schnurrbarts in Form. Die Neuntöter-Vogelmutter deutete auf das größte. „Selbstverständlich dies hier. Ist doch klar.“

Hermann nickte.

„Das nächste Ei bitte.“

Auch hier der gleiche Ablauf. Diesmal waren die Eier eher weiß mit unregelmäßigen braunen Flecken. Auch hier wackelte das größte Ei bedenklich.

So ging das fort bis zum letzten Ei, das Ei der Gartenrotschwanz-Mutter. Strahlend blau ohne jeden Fleck lag es im Nest. Seine Mutter platzte fast vor Stolz und trillerte einen Jubelschrei in die Luft. Sie konnte nicht verlieren. Das musste das tollste Ei sein. Da war sie sich absolut sicher.

Hermann ließ sich auf alle Pfoten zurückfallen und hoppelte erneut zum ersten Ei. Er ließ sich Zeit. Alle warteten nur auf seinen Richterspruch und das bisschen Aufmerksamkeit im Jahr wollte er sich nicht kürzen lassen.

Während er sich vor dem ersten Ei erhob, um noch einmal in das Nest zu blicken, erklang ein leises Knacken aus dem dritten Gelege. Nur einen Augenblick später kamen ein Milchzahn und einige feuchte Federn zum Vorschein.

Alle stürzten zu dem Nest und beglückwünschten die Mutter.

Da knackte es im Nest daneben, dem zweiten.

Die Tiere blickten gespannt auf das zweite Nest. Auch hier brach die Schale, und während sich noch das Küken ins Licht boxte, gingen zeitgleich jeweils das größte Ei des ersten und des letzten Gelege zu Bruch.

Die Tiere staunten nicht schlecht. Vier Küken fast zeitgleich hatte es noch nie gegeben.

Alle gratulierten. Aber auf einmal kam aus dem Hintergrund eine Stimme.

„Die sehen ja alle gleich aus!“

Totenstille.

Alle drehten sich zu der Stimme um. Ein vorwitziges Eichhörnchen aus Erwins Gefolge hatte sich einen Platz auf einem Ast gesichert, der über einen Teil der Lichtung ragte. Von diesem erhöhten Platz hatte es den Überblick und erkannte sofort, was den anderen Tieren auf der Lichtung erst langsam dämmerte.

In jedem Nest saß ein Küken, das den Küken der anderen Nester aufs Gefieder glich.

Hermann kratzte sich am Kopf und überlegte. So etwas Ungeheuerliches hatte es in den langen Jahren des Wettbewerbs noch nie gegeben. Was war geschehen?

Da öffnete das erste Küken seinen Schnabel und verlangte nach Futter.

„Gu-kuh, gu-kuh!“

Die anderen Küken fielen mit ein in den Ruf.

„Gu-kuh, gu-kuh, gu-kuh!“

Der Ruf des Kuckucks ...

Es fiel allen wie Schuppen von den Augen. In jedes Nest hatte ein Kuckuck sein Ei gelegt. Und da, wie allen bekannt war, Kuckuckmütter sich nicht um ihre Jungen kümmern, sondern die Eier in die Nester von anderen Vögeln legen und ausbrüten lassen, hatten sie nur die Farbe den bereits gelegten Eiern angepasst. So war es nicht aufgefallen, und sie überließen es den anderen Müttern, sich um ihre Küken zu kümmern.

„Hmm, also so geht das nicht. Wie soll ich einen Sieger wählen, wenn alle gleich aussehen?“, raunzte Hermann. „Hat nicht noch einer ein Ei, dass er zum Wettbewerb anmelden kann?“

Stille trat ein. Keiner rührte sich.

Marvin, der mit Herta unter dem Busch saß, stupste Herta kurz in die Seite.

„Los jetzt. Deine Chance.“

„Meinst du echt?“

„Klar doch. Wenn nicht jetzt, wann dann? Los, trau dich.“

Er schob sie von hinten unter dem Busch vor. Alle Augen blieben an Herta hängen.

Schüchtern hob sie einen Flügel. „Ich, … ich hätte noch eins.“

Ein gewaltiges Getöse kam von den Vogelmüttern auf ihren Nestern.

„Was willst du denn?“

„Du hast doch nur hässliche, langweilige weiße Eier.“

„Geh nach Hause und kratz weiter im Dreck!“

„Also wirklich, was glaubt sie, wer sie ist“, empörten die Vögel sich.

Herta zuckte zurück und wollte schon wieder unter dem Busch verschwinden, aber Marvin versperrte ihr den Rückzug.

„RUHE!“, brüllte Hermann so laut er konnte und trommelte zusätzlich auf dem Baumstumpf, um sich Gehör zu verschaffen.

„Ruhe sag ich. Ihr hattet eure Chance. Ich will sehen, was Herta hat.“

Marvin meldete sich. „Hier ist Hertas Ei. Ich war selbst dabei, sie hat es höchstpersönlich gelegt.“

Bei den Worten versteckte Herta verschämt den Schnabel unter einem Flügel. Marvin statt dessen rollte ein Hühnerei auf die Lichtung.

Aber was war das für ein Ei!

„Oooooch!“, entfuhr es allen Tieren, und viele standen mit offenem Mund da, und sie staunten. So ein Ei hatte noch keiner von ihnen je gesehen.

Auf dem glänzenden Weiß der Eierschale war ein bildschönes Muster aus Kringeln und Strichen in Lila angebracht. Genauer gesagt in Brombeer-Lila.

Andächtig bestaunten die Tiere die gleichmäßigen Punkte und Striche. Sie gingen einmal, zweimal um das Ei, aber sie konnten keinen Fehler entdecken.

„Also das … also das ist wirklich das tollste Ei, dass ich je gesehen habe. Stimmt ihr mir zu?“, fragte Hermann in die Runde.

Alle waren einverstanden. Herta hatte das schönste Ei des Jahres.

„Dann verkünde ich hiermit: Herta, du bist die diesjährige Siegerin. Vielen Dank für das schöne Ei. Der Kuchen ist deiner.“

Herta war so aufgeregt, den letzten Satz bekam sie schon nicht mehr mit. Sie kippte wieder um.

Marvin huschte an ihre Seite und weckte sie. Ein Strahlen ging über ihr Gesicht. Ein solches Strahlen, dass es Marvin ganz warm ums Herz wurde.

„Vielen Dank“, flüsterte Herta. Dann räusperte sie sich und wandte sich an die anderen Tiere.

„Ich danke Euch. Das hätte ich so nicht erwartet. Ihr habt mir einen wunderschönen Tag beschert. Daher möchte auch ich etwas zurückgeben. – Da ich nicht mit dem Sieg gerechnet habe, möchte ich den Kuchen gerne für alle frei geben. Bedient euch. Ich bin so glücklich, ich brauche keinen Kuchen zusätzlich. Esst und freut Euch mit mir. Das ist mir genug.“

Na da war aber was los. Alle redeten durcheinander. Dann machten sie sich über den Kuchen her und von dem anschließenden Fest haben sie noch lange erzählt.

Hermann, der Hase, änderte die Regeln für das nächste Jahr. Nur noch gefärbte Eier durften an dem Wettbewerb teilnehmen, da so jeder eine Chance bekam, nicht nur die Vögel, die von Natur aus hübsche Eier hatten.

Marvin aber betrachtete seine Pfote, die brombeerlila verfärbt war, grinste und machte sich auf den langen Heimweg.

Ende - oder doch nicht?

Vielleicht helft Ihr das nächste Mal,
wenn Helga wieder ein schönes Osterei benötigt. Viel Spaß.


Aufgrund der neuen Datenschutzregeln wurden sämtliche Bilder entfernt, auch wenn sie der Institution Pixabay entnommen wurden.
Es ist schade, aber vielleicht kann ich bald eigene Bilder nachliefern.
Ich bemühe mich. Versprochen.

 

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