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CORONA - denkt eigentlich irgendwer an die chinesischen / asiatischen Mitbürger, deren Familien gefährdet sind?

Die Informationen, falls sie welche bekommen, erhalten sie mitten in unserer Nacht . Verständlich, wenn dann die restliche Nacht nicht mehr an Schlaf zu denken ist.
Morgens geht es dann gerädert zur Arbeit, um so zu tun, als wüsste man von nichts mit Gesichtern, grau vor Sorge.
Ich sehe sie später beim Mittagessen allein an einem Tisch sitzend. Viele Meter Abstand liegen zwischen ihnen und dem Rest. Besorgt blicken sie in die Runde. Um wen besorgt? Die Familie oder die eigene Person? Schließlich sind Übergriffe, ob verbal oder körperlich, durchaus denkbar.

CORONA - ist in vieler Munde, aber ich habe noch keinen sagen hören:
" Wie geht es deiner Familie?"
" Wie fühlst du dich?"
-> Und am wichtigsten wäre:

"Ich bin da, wenn du jemand zum Reden brauchst."

Mich erinnern zur Zeit viele Gespräche an die Pest-Appelle des Mittelalters, als keiner wusste, was auf ihn zukam und daher das Unmöglichste versucht wurde, sich und die seinen zu retten vor dem Unbekannten. Nicht zuletzt auch durch Denunziation und Ausgrenzung. Mitleid im Sinne von mit einer Person leiden war nicht angesagt und leider lese ich das auch heute nicht.

Wir haben (fast) nichts dazugelernt. Oder?

Wirft das nicht ein erbärmliches Licht auf unsere so hochgelobte Informationsgesellschaft?

Die Ansteckung ist geringer als bei einer landläufigen Grippe, die Todesrate ebenfalls. Zumindest noch. Nun gut, man weiß nicht, wohin die Entwicklung noch geht.
Die menschliche Entwicklung zumindest scheint eher rückläufig zu sein.

Zu teuer, um zu überleben?

Erste Erfolge mit teuren Medikamentencocktails zur Abwehr gegen Krebs und Aids hat es scheinbar schon gegeben, aber wer kann die Massen bezahlen, die nötig sind um alle zu heilen? Gerade in armen Ländern, in denen ein Kratzer, eine simple Wunde, schon den Tod bedeuten kann, weil man sich weder Impfstoff, geschweige denn einen Arzt leisten kann.
Verschwörungstheorien kursieren überall, der/das Virus wäre von irgendwem aus reiner Profitgier erzeugt worden, um mit den Medikamenten den großen Reibach zu machen.

Dazu gesellen sich erste Stimmen, dass man die Deutschen, die mit einem Flieger nach Hause geholt wurden, doch hätte dort bleiben lassen sollen, weil man sich die Seuche so zusätzlich ins Land geholt hätte, machen die Runde. Zusperren, einsperren, Schlüssel wegwerfen.
Was ist die Menschheit doch erbärmlich in ihrer Angst.

Bleibt für mich die Frage, was man mit verseuchten Gehirnen macht,
für die Humanität ein Fremdwort ist.
Wenn das alles ist, was wir in Jahrhunderten gelernt haben, vielleicht sind wir es nicht wert, diesen Erdball zu bevölkern und schaffen uns so selbst ab?

Wer weiß ... wir (die menschliche Rasse) waren ja schon öfter kurz vorm Aussterben.

Danke fürs Lesen – Danke fürs Nachdenken – Danke fürs Handeln.

 

Osterkalender 2019

Der Tag, an dem ich kein Kind mehr sein durfte …

Kennt ihr das, wenn ihr glaubt, weder Fisch noch Fleisch zu sein? Ekeliges Gefühl, was?
Hier gehörst du nicht hin, dort aber auch nicht. Oder noch nicht.
Bei uns daheim sagte man dann: Dich hat der Esel im Galopp verloren. Dabei gab´s nirgendwo mehr Esel.
Blöder Spruch.

Im Laufe meines Lebens haben mich ganze Eselshorden schon verloren, ohne dass ich je auf einem Rücken saß. Aber in Erinnerung ist mir ausgerechnet ein Osterfest geblieben.

Was war passiert?

Es war mal wieder soweit. Ostern war´s, mein absolutes Lieblingsfest von allen Festen, die so gefeiert wurden. In meiner Familie war es Tradition, dass wir Kinder in Omas Garten bunte Ostereier suchten. Ein Heidenspaß für meine Cousins, Cousinen und mich. Meine Eltern reisten dafür extra immer zu Ostern an, zwei Stunden Stillsitzen in der Bahn, aber was ist schon eine so lange Fahrt, wenn man die Großeltern wiedersehen konnte und es zum Ostereiersuchen ging. Ein Mückenschiss, sag ich euch.

Die Großen, also meine Eltern, Tanten, Onkel und meine Großeltern machten ein Riesengeheimnis darum. Alle achteten streng darauf, dass kein gefärbtes Ei vor Sonntagmorgen zu sehen war. Ein Getuschel und Geraune verstärkte die Vorfreude noch und machte einem klar, dass es bald soweit war. Freitag- oder Samstagabend wurden wir früh ins Bett geschickt. Man musste ja fit sein, um vielleicht doch noch den Osterhasen zu erwischen, wie er gerade dabei war … Aber wie früh wir auch ins Bett gingen, er war immer schneller.

„Nächstes Jahr kriegen wir ihn.“ „Ganz sicher!“

Wir Jungen gaben uns das Versprechen fest in die Hand und versuchten es immer wieder.
Erfolg hatten wir nie, aber Hoffnung.

Mit den Jahren wurde es immer unwahrscheinlicher, dass es ein Hase war. Anzeichen gab es immer mehr. Die Großen wurden nachlässig. So schickte mich meine Oma zur nahegelegenen Hühnerfarm, wo ich 80 Eier kaufen sollte. Kopfschüttelnd machte ich mich auf den Weg. Wer sollte die denn alle essen? Wir waren doch nur neun. Mein Großeltern, meine Eltern, meine Tante und mein Onkel und meine beiden Cousinen. Die Cousins lebten nebenan und hatten ebenfalls eine größere Eierbestellung zu holen. Die zählten also nicht mit. Vielleicht käme noch meine andere Cousine mit Bruder und ihren Eltern, dann wären es noch mal vier. Immer noch eine recht üppige Eierbestellung.

Als es sich schließlich nicht mehr verheimlichen ließ, wurde uns gesagt: „Oma hilft dem Osterhasen.“
Das konnte man verstehen. Bei den vielen Kindern auf der ganzen Welt, da war das sicher besser, wenn ihm jemand half. Er hatte ja auch nur Pfoten, keine Hände wie der Weihnachtsmann. Und er musste die Eier selbst schleppen. Der Weihnachtsmann hatte ja wenigstens einen Schlitten. Die Argumentation leuchtete uns also ein.

80 Eier und 20 Knickeier. Knickeier waren Eier, die aus der Norm fielen. Zu groß, zu klein oder dreckig, manchmal mit zwei Dotter oder auch einfach nur etwas angeschlagen, aber noch nicht offen und deshalb günstiger. Oma nutzte sie für Kuchen und Nudeln, die sie in rauen Mengen herstellte und über einem Stock nahe des Ofens trocknete, bevor sie in einer großen Blechdose für später aufbewahrt wurden. Alle, bis auf die, die vorher in unseren Bäuchen landeten. Gespannt saßen wir immer zu zweit oder zu dritt auf dem Sofa vor dem Küchentisch.  Gab es Streusel, war das schon das erste Highlight der vor uns liegenden Tage und wir lauerten selig auf unsere Gelegenheit.

„Du bekommst Bauchweh, wenn du rohen Teig isst!“, war die Standardwarnung, aber hat es je ein Kind gegeben, das auf eine solche Warnung reagiert hat? Zumindest bei uns gab es keinen. Wir grinsten, vergruben kurz unsere Händchen unter den Oberschenkeln, um gleich darauf wieder Teig zu naschen. Oma scheuchte uns vorbeugend zum Händewaschen, damit die verbliebenen Streusel sich durch unsere Händchen nicht grau verfärbten, denn sie wusste, wir konnten der süßen Pracht nicht widerstehen. Je nachdem, wie viele Enkel sie beobachteten, passte meine Oma sogar in weiser Voraussicht die Streuselmenge für den Kuchen an. Ihr sanftes Schimpfen gehörte irgendwie dazu, wurde aber geflissentlich überhört. Omas Kuchen waren eben die Besten. Und sie verzuckerten uns die Wartezeit.

Je näher der Sonntag kam, desto ängstlicher wurde der Blick in den Himmel. Ob das Wetter hielt? Ostereier suchte man doch im Sonnenschein im Garten, wo der Osterhase leichtes Spiel hatte beim Verstecken. In der Wohnung zu suchen war nicht so prall. Die Verstecke langweilig und immer irgendwelche Beine von einem Erwachsenen im Weg. Ätzend.

Meist hatten wir Glück. Wir drängelten und schoben uns vor der Tür und jeder wollte als erster ein Ei finden. Prickelnder konnte kein Formel Eins-Rennen sein. Wir wurden aber noch vor der Startlinie wieder eingefangen. Badezimmer, Zähne putzen, Gesicht waschen. Erbarmungslos. Dabei warteten doch die Eier auf uns. Man stelle sich vor, während wir uns mit so Nichtigkeiten rumplagen mussten, würden wilde Tiere die Eier wegschleppen. Oder Kinder vom Nachbarn. Oder der Hase würde sie wieder mitnehmen. Obwohl … Letzteres wohl eher weniger, aber die Vögel. Was, wenn sie die Eier anpickten? Vergeblich unser Jammern. Die Erwachsenen waren nicht zu erweichen. Ihr strenges Gesicht duldete keinen Widerspruch, und wir fügten uns murrend und widerwillig.

Und dann … endlich … wurde die Tür geöffnet, und die wilde Horde tobte einmal quer durch den Vorgarten und dann rund ums Haus.

Mit den Jahren wurden wir Älteren bei den offensichtlichen Nestern zurückgehalten. Die sollten für die Kleinsten von uns sein. Die, die es noch nicht so drauf hatten mit suchen. Nun gut, ich zuckte mit den Achseln, das konnte man noch nachvollziehen. Aber dann kam der Tag …

Längst war klar, dass es den Osterhasen nicht gab. Aber man verdrängte es immer erfolgreich. So auch jetzt. Die Tür öffnete sich, ich stürmte an den offensichtlichen Eiern vorbei und suchte die geheimen Ecken, als sich eine Hand auf die Schulter legte.

„Nicht für dich.“ Irritiert versuchte ich mich loszureißen, überhaupt nicht begreifend, was da jemand zu mir sagte. Der Griff wurde fester. „Lass die Jungen dran. Du bist schon zu alt.“

Zu alt? Wozu? Ostereier suchen? Konnte man je dafür zu alt sein?

Hätte man mir meine Arme abgeschlagen und die Beine an den Knien gekürzt, ich hätte mich nicht schlimmer fühlen können. „Du brauchst das nicht. Sei nicht so gierig. Das ist nur für die Kleinen. Du bist zu alt.“ Ein Faustschlag im Magen, den ich heute noch spüre.

Gier? Echt? Als hätte mich die Schokolade je interessiert. Die verschenkte ich regelmäßig. Ich war mehr der Wurstfan. Nein, es war das Suchen. Dieses kribbelige Gefühl, wenn man was fand. Wie Sprudelwasser im Hirn und im Bauch. Wie Sherlock Holmes, obwohl ich den damals noch nicht einmal kannte, drehte ich mit Begeisterung jedes Primelblatt um. Es könnte ja ein Schokoladenei darunter gerollt sein. Die waren schließlich sehr klein.

Und nun sollte das alles ein Ende haben? Nie wieder?

Schock!

Mein Ostern war ruiniert. Gründlich. Hätte es fünf Tage hintereinander geregnet, alles in Schlamm getaucht, es wäre mir egal gewesen. Ich hätte es vermutlich nicht mal bemerkt.

Den Großen entging mein panisches Gesicht. – Meine plötzliche Antriebslosigkeit. – Meine Zurückgezogenheit. Um mich herum tobte das Leben, es war mir plötzlich alles sch... egal.

Nicht nur der entgangene Spaß nagte an mir. Auch meine falsch verstandene Motivation. Ich, die ich immer den Kleinen gezeigt hatte, wo die Nester lagen, die ihnen meine Eier, auch die blöden Schokoladendinger, die sie so liebten und die selten waren, geschenkt hatte, ich sollte gierig sein? Mir kamen die Tränen. Sie rannen still die Wangen herunter; keiner merkte es. Mit hängendem Kopf schlich ich zurück in die stille Küche und wartete, dass die johlende Gemeinschaft zum Frühstück mit den gefundenen Eiern auftauchte, um sie zu verspeisen.

Meine Kinderseele mit Füßen zertrampelt und der Jugendseele mit auf den Weg gegeben, dass man die Beachtung nicht wert war. Das zog länger. Es hinterließ lange noch ein schales Gefühl auf meiner Zunge, und ich würde denjenigen von damals gerne entgegenschreien: Das war nicht fair. Ich war ... nein, ich bin doch auch noch da. Habt ihr mich vergessen?

Es ist sinnlos. War es schon immer. Mal abgesehen, dass von den Personen nur noch zwei leben, verstanden hätte mich keiner. Damals nicht und heute immer noch nicht. Vermutlich hätte man nur mit dem Kopf geschüttelt, sich umgedreht oder mich blöd angemacht. Dabei hat es mich wirklich verletzt.

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Zwei weitere trübe Jahre vergingen, dann schöpfte ich wieder etwas Hoffnung. Mittlerweile wusste ich, dass wir so früh ins Bett geschickt wurden, weil die Erwachsenen dann die Eier färbten, mit Speckschwarte glänzend polierten oder Bilder aufklebten. Da wollte ich mitmachen. Unbedingt. Wenn ich schon kein Kind mehr war, dann gehörte ich also zu den Erwachsenen. Logisch, oder?

Weit gefehlt. „Wenn du konfirmiert bist, dann darfst du. Vorher nicht.“ Na toll. Kind nicht, Erwachsener auch nicht. Ich war enttäuscht.

Dazu kam die Erniedrigung, mit den Zwergen ins Bett gescheucht zu werden, obwohl man doch nicht zu ihnen gehörte. – Wohlgemerkt: zwei Stunden vor der üblichen Zeit. – Ich lag wach und hörte das Kichern aus der Küche, begleitet von dem Schnarchen der Zwerge. Nun gut, ein wenig bedauerte ich mich selbst. Zugegeben. Trotzdem! Die Hilflosigkeit ob der empfundenen Ungerechtigkeit färbten jeglichen Gedanken tiefschwarz. Nur schwer schlief ich endlich ein.

Es war eine ätzende Zeit. Ich fühlte mich ausgestoßen. Nirgendwo dazuzugehören tat weh. Dazu kam, dass in der Zeit auch der Schulwechsel stattfand. Auch hier war die Zuordnung nicht einfach. Ich kam in eine weiterführende, fremde Schule. In meiner Klasse kannten sich alle schon seit Jahren. Ich kannte keinen. Die Folge war klar.

Eierfärben durfte ich dann erst mit fünfzehn, zwei Jahre nach der Konfirmation. Es war Arbeit, aber zumindest eine winzige Befriedigung.

 

**V** **V** **V**

Lange habe ich daran zu knabbern gehabt. Es hat mich sensibilisiert für Ausgestoßene, mich interessiert, wie sie in die Lage kamen. Und ob ich etwas gegen dieses miese Gefühl unternehmen konnte, das ich gespürt hatte und nicht vergessen konnte.

Aber es dauerte noch einmal mehr als drei Jahrzehnte, bis ich mich mit Ostern endgültig aussöhnte. In den Jahren dazwischen sorgte ich persönlich für meine bunten Eier. Ob in Beziehung oder nicht: gefärbte Ostereier, wenn auch nur mit Gräsern, Socke und Zwiebelschalen gefärbt, waren Pflicht. Und dann kam das Ostern mit den Kindern meines Freundes.

Tage vorher wurde wieder der Himmel beobachtet. Sonntagmorgen war ich noch früher als sonst wach und huschte allein durch den Garten. Die Stille beruhigte mich, gleichzeitig spürte ich wieder das Sprudelwasser in den Gliedern, und ich gab mir echt Mühe, die Verstecke machbar, aber nicht zu offensichtlich zu wählen. Die Zeit dort im stillen Garten, der Tau, Sonnenstrahlen, die kitzelten, die ersten Vogelstimmen und die bunten Eier … all das beflügelte mich … und nahm mir den jahrelang mitgeschleiften Groll. – ICH hatte es in der Hand, – ja ich – dass sich keiner ausgestoßen fühlen musste. Egal wie alt.

Meine Güte, dieses Ostern war fast noch besser als meine Erinnerungen an die Kindheit.

Dank euch. – Ihr habt mir mein Ostern zurückgegeben.

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Habt Ihr auch bemerkt, dass sich mit der Zeit das Gefühl für Wochenenden ändert?
Komisch ist das schon. Das Wochenende liegt immer noch hinter Donnerstag und vor Montag, aber es fühlt sich mittlerweile anders an.
War es früher soooo lange noch hin und die Woche gähnend lang, so ist es jetzt doch schneller da (und leider auch schneller rum), und ich zumindest frage mich, wo die Zeit geblieben ist.

Wenn das so weitergeht, dann bin ich irgendwann mal 70 und jeder Tag ist Wochenende,
weil ich dazwischen nichts mehr mitbekomme.
Hey, könnte eine geile Idee sein, wenn da nur nicht das Problem mit der leidigen Verwandschaft wäre. Oder der zwangsadoptierten Verwandschaft (des Partners).
Wenn die jetzt alle 7 Tage nerven, dann habe ich das mit 70 jeden gruseligen Tag, den ich noch lebe. *Brrrr. Nette Aussichten, oder?

Mal überlegen:
Vielleicht muss ich die Woche einfach an einem Mittwoch anfangen lassen.
Sollte ich dann die Tage bis zum neuen Wochenende am Dienstag vergessen,
habe ich die bucklige Verwandschaft auch "mit"vergessen.
Hey, das klingt nach einem guten Plan.

Tja Wochenende. Mittlerweile, geschafft von der Woche, hängt man oft nur auf der heimischen Couch ab. Körperzellen sollen sich ja abnutzen, aber auch erneuern. Aber irgendwo muss im Erneuerungsprozess eine der Zellen falsch abgebogen sein. Wo bleiben meine Aktivitäts-Zellen? Die ich noch mit 20 hatte? Das Wochenende vollgepackt mit Events, dass dagegen die Woche nur abstinken konnte, weil es soviel Abwechlung im Job nicht gab.

Jetzt hol ich mir die Abwechslung, wie viele andere, mit der Glotze nach Hause.
Fernseh-Mikado.
Stillsitzen, konsumieren. Keine Bewegung (Snacks und Getränke sind von der Regelung ausgenommen). Wer zuerst nach der Fernbedienung greift, hat verloren.
So ruhig merkt man natürlich nicht den Unterschied zwischen der Woche und dem Wochenende und die Tage beginnen zu rennen. Immer schneller auf das Alter zu. Da hilft nur Ablenkung. Wer will schon in der Blüte seiner Jahre an deren Vertrocknen erinnert werden.
Ok. Also Fernsehen: Was gibt´s denn heute?

Man hat die Qual der Wahl, wenn es um einen guten Film geht. Jeder Sender haut am Wochenende die besten Stücke raus. Als wäre man immer nur an einer Sache interessiert.
Wie Schubladendenken, das mir schon immer verhasst war.
Agi mag Krimis, also darf sie keine romantische Komödie sehen (läuft zeitgleich).
Oder doch lieber eine Dokumentation über das Weltall? (Ist morgen immer noch da!)
Und der Animationsfilm von Pixa, den sie aber im Kino verpasst hat? (Nur für Kinder ... oder?)
Ehrlich: Manches Mal sehne ich mich zurück in die Zeit,
als es nur 3 (in Worten: drei) Fernsehprogramme gab.
Selbst da konnten Interessensüberschneidungen stattfinden,
aber es waren deutlich weniger.

Ausgehen sollte man wieder. Wie früher. Au ja.
Keine Programmwahl, nur die Frage des Kellners, was man trinken mag.
Passt die Musik nicht, hört man das schon auf der Straße und geht einfach weiter, ohne sich erst "reinhören" zu müssen.
Keine Verwandschaft, nur Freunde. Und die Option, noch mehr neue Freunde kennenzulernen, ohne von ihren geposteten Tellern genervt zu werden.
Echte Menschen, bei denen man sieht, ob sie lachen oder nur so tun als ob.
Seufz.

Auch das klingt nach einem Plan. Einem guten. So mach ich das.
In diesem Sinne ... Tschüss bis nächste Woche.

 

Nachbarn, eine merkwürdige Gattung Mensch.
Jeder hat sie, nicht jeder will sie.
Sie sind so vielfältig, wie es die Natur ist.
Dicke, dünne, große, kleine, alte, junge.
Rücksichtsvolle, liebevolle - und andere.

Ich bin in meinem Leben einige Male umgezogen. Da kommen viele Orginalen zusammen. Lasst mal überlegen:

Da war die Dame, die sich als Hausmeister aufspielte (es aber nicht war) und mir meinen Kellerschlüssel abnahm, weil 1-Zimmer-Wohnungen angeblich keinen Keller haben. - Geglaubt habe ich es ihr nicht, aber ich hatte keine Chance. Ich stand mit meinem gesamten Hausstand vor der Tür, hatte Zeitdruck, weil der Wagen noch ausgeräumt werden musste und es nur noch eine Stunde Luft gab, bis der Mietwagen eine weitere Stunde gekostet hätte. Circa fünf Jahre später habe ich durch Zufall die Kellertür offen gesehen und musste nachzählen, ich konnte nicht anders. Eigentlich überflüssig, da ich die Wohnung von einer Freundin hatte, die mir schon ein halbes Jahr nach Einzug bestätigte, dass es definitiv einen Keller gegeben hatte. Und natürlich gab es ausreichend Keller, sogar noch drei zusätzlich. Wo mein Keller abgeblieben war, konnte ich mir leicht vorstellen.

Die nette Dame wohnte auch noch Tür an Tür mit mir. So kam ich in den Genuss, sie (und das gesamte Haus) zu retten.
Was war passiert: Eines Tages kam ich nachmittags von der Arbeit nach Hause, als ich sie, auf einem Küchenstuhl im Flur sitzend, vorfand. Auf der Schwelle zu ihrer Wohnung - zwei Stuhlbeine in der Wohnung, zwei im Flur. Als sie mich erblickte, krallte sie sich in meinen Arm und meinte, ich möge ihr unbedingt folgen. Jetzt gleich. Sofort. Sie bekäme den Herd nicht aus.
Ich gebe zu, ich war irritiert. Zickte sie mich doch sonst immer nur an.
Nun gut, ich war und bin ja kein Unmensch.

Vergeben ist Pfadfinderpflicht, dachte ich mir und folgte ihr in die nach Bohnerwachs und Spießigkeit riechende Wohnung. Sie zog mich in die Küche und zeigte auf ihren Herd. Ein kurzer Blick und ich erkannte das Drama ...
Ein Wassertopf köchelte, mit dem sie irgendetwas bruzzeln wollte.
"Er geht nicht aus!", jammerte sie. "Ich habe schon vier Stunden auf dem Stuhl gesessen, aber es ist keiner nach Hause gekommen."
Vier Stunden. Wow. Das nenn ich mal Ausdauer für so eine tüttelige Dame, deren Blase bestimmt nicht mehr die beste war.
Ein Blick auf die Knöpfe des Herdes offenbarte ihr -hausgemachtes- Dilemma. In ihrem Putzwahn hatte sie so lange auf den Schaltknöpfen herumgerieben, bis keine Zahlen mehr erkennbar waren. Rechtzeitig Striche zu machen an den entsprechenden Stellen oder gar Kerben mit dem Messer zu graben, um wenigstens die Null-Stellung zu orten, war ihr nicht eingefallen. Kriegsgeneration eben. Man macht Kerben in seinen Gewehrholm, aber nicht in Herde!
Selbstverständlich hatten die Knöpfe eine Mini-Markierung, die, das muss ich zugeben, kaum sichtbar war. Auch ich musste suchen.
Und außerdem: Es war natürlich auch eine Gemeinheit des Herdes, dass er Elektroplatten hatte. Die Restwärme ließ nicht erkennen, ob die Platte noch heizte oder nicht. Und Geduld ist ab einem bestimmten Alter nicht mehr angesagt. Man hat schließlich in seinem Leben schon genug gewartet und muss die letzten Sekunden des Lebens auskosten. Auf die Gefahr hin, es werden auch die letzten Sekunden des restlichen Hauses. Wer war das noch, der gesagt hatte, wenn man sich umbringen will, soll man mindestens drei mitnehmen, die es verdient haben? So ein Mietshaus macht die Auswahl dann natürlich einfacher. Irgendwer wird schon dabei sein, der Dreck am Stecken hat. Ist ja eine Großstadt, in der man lebt. Die sind per se schon Sündenpfuhle. Ach ja, früher auf dem Land war alles besser und die Menschen zufriedener ...

Als ich, von vielen Dankesbekundungen verfolgt, meiner Wohnung zustrebte, im sicheren Gefühl, für kurze, viel zu kurze Zeit die Welt und speziell unser Haus gerettet zu haben, fragte ich mich, wie groß die Halbwertszeit solcher Dankbarkeit wäre. - Ich darf euch verraten:
NICHT sehr LANG.
Schon eine Woche darauf hörte ich wieder ihr Gekeife hinter mir bezüglich meines vollen Postkastens. Als ich dann aber Mahnungen bekam, weil sie dem Postboten gesagt hatte, ich würde nicht mehr in dem Haus wohnen (vermutlich weil ihr Gehör versagte und sie meine Musik nicht mehr durch ihr Fernseher-Getöse hörte, das allabendlich durch die Wand drang), hatte ich genug und suchte mir neue Nachbarn.

Die Nächsten warnten mich schon drei Tage vor Einzug, auf was ich mich vorzubereiten hatte. Ich habe nicht darauf gehört und musste büßen. Selbst schuld.
Ich hatte drei Tage vor Einzug die Schlüssel für meinen, nun definitiv zur Wohnung gehörenden, Keller bekommen, um schon Sachen einzulagern. Meine Wohnung wurde noch renoviert. Die Tapeten hatte ich mir zwar aussuchen dürfen, aber noch nicht an der Wand gesehen, da der Hauptschlüssel noch fehlte.
Die Beurteilung darüber erübrigte sich, da ich sie frei Haus geliefert bekam.
Während ich noch meine Kisten umschaufelte, um sie nach Zimmern sortiert schnell greifen zu können, wenn es losging, spürte ich im Genick ein leichtes Kribbeln. Als naturwissenschaftlich erzogener Mensch kann ich nur sagen, es müssen die freien Radikale gewesen sein, die meine Aura störten. Als ich mich umdrehte, stand da eine niedliche Oma, vermutlich Mitte sechzig mit Kittelschürze und einen Röntgenblick. Die Radikale waren unsichtbar, aber ich sollte sie noch zu spüren bekommen.
"Sie sind die Neue!", stellte sie fest. Während ich noch nickte, folgte umgehend: "Schöne Tapeten haben sie."
Irritiert blieb mir die Sprache weg und sie musste an meinem Gesicht gesehen haben, welche Frage mich beschäftigte. Also berichtete sie mir dreist, sie habe die Handwerker bemerkt und Kaffee gekocht und das Gebräu den Handwerkern heruntergebracht, da sie zwei Stockwerke über mir wohnte. Dabei seien ihr meine Tapeten ins Auge gefallen.
Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie erwartete, dass ich ihr für den Kaffee dankte oder ihr einen Scheck ausschreiben sollte, aber sie fuhr schon fort, mir genau zu erzählen, wer noch in dem Haus wohnte, wie alt er wäre und was er treiben würde. Selbst die Freundinnen hatte sie schon gecheckt.
Ah ja. Gut zu wissen, dachte ich mir.

Ehrlich: Die Warnung half mir kein Stück. Ich achtete zwar darauf, wen ich in meine Wohnung mitnahm, aber das hatte ich vorher schon getan. Sehr ärgerlich. Ich lud auch keinen zum Kaffeeklatsch ein. Noch ärgerlicher. Wie sollte man so die Einrichtung durchhecheln mit der halben Straße. Oder die Kondome im Badezimmer suchen?
Sprich: Ich war ein echtes Ärgernis.
Das ging ja garnicht. Irgendeinen Aufhänger musste es geben. Ein halbes Jahr warteten sie, die nette Oma aus dem dritten Stock und die 20-Jahre ältere aus der Wohnung unter ihr. Dann hatten sie ihn gefunden:
Deutschlands liebster Sprengstoff in Mietshäusern. "Die Hausordnung".
Es ärgerte sie zu Tode, bzw. leider nur kurz vor Tode, dass ich nicht "ihre Zeit" zu nutzen schien. Samstags vormittags um 11 Uhr ist Hausordnungszeit. Nicht früher, nicht später.
Das weiß ich jetzt. Und halte mich immer noch nicht daran. Oh Schande.

Nachdem ich selbst auf ihr Klingeln nicht reagierte, bzw. die Haustür wieder vor der Nase der Dame schloss, war ich der Antichrist der Hausgemeinschaft. - Und stolz drauf.
Also nicht dass ich die Aufgabe verweigerte. Im Gegenteil. Ich wienerte die entsprechenden Stellen bis zur Selbstaufgabe ... nur nie um 11 Uhr an einem Samstag.
So gnadenlos wie sie und ihre Busenfreundin aus dem Stockwerk über mir, die mir dann alle drei Monate den Hausmeister auf den Hals hetzten, anonyme Zettelchen in den Briefkasten warfen oder die eine mich mit der ganzen Kraft einer über 80-jährigen in der Haustür einklemmen wollte, ernsthaft, sowas habe ich seit dem nie wieder erlebt.
Die Krönung kam, als im Winter die Wasserrohre einfroren. Auf ihrer Seite, nicht auf meiner. Kein Wunder, denn das Erdgeschoss und auch der erste Stock waren über Weihnachten nicht zu Hause und hatten alle Heizkörper abgedreht. Bei außenliegenden Rohren etwas risikoreich. Ich grinste, als ich die Gespräche im Hausflur mitbekam. Mit bester Laune strebte ich wieder in meine Küche, denn es galt einen Geburtstagskuchen fertigzustellen. Meinen. Es war der Vortag zu meinem Ehrentag.

Nachmittags klingelte es an der Haustür. Sie stand vor der Tür.
"Ach sie sind ja doch da. Ich wollte ihnen nur mitteilen, dass die Feuerwehr in ihren Keller eingebrochen ist. - Die Rohre sind eingefroren und Sie sind schuld, weil ihr Kellerfenster in Kippe stand."
"Wie bitte? Bei mir hat keiner geklingelt. Wie können die in den Keller, ohne dass bei mir jemand klingelt?"
"Ich habe denen gesagt, Sie sind nicht da. Sind Sie ja normalerweise auch nicht." Auch das klang vorwurfsvoll. Wie konnte ich denn nur arbeiten gehen. Eine gute deutsche Frau war vermutlich verheiratet und immer zu Hause. Aber es ging weiter: "In ihren Keller kommt man doch ganz einfach. Da muss man doch nur den Riegel etwas zur Seite schieben, dann geht die Tür auf, weil der Backstein morsch ist."
Danke, das wusste ich. Aber woher wusste sie das? Wie oft hatte Frau Tapetenforscherin schon in meinen Sachen gewühlt?

Jeglichen Protest von mir schüttelte sie ab wie eine Katze ein paar Regentropfen. Sie drehte sich einfach um und ließ mich verdattert stehen. Statt dessen hatte ich kurz darauf den nächsten Besuch des Hausmeisters, der mir ihre Klagen mitteilte. Lieblingsthema: Ich würde die Hausordnung nicht richtig machen. Und sie wäre eine so solide langjährige Mieterin, der man unbedingt Glauben schenken müsse.
Meinen Lappen, aus dem die Flecke der ersten "großen Hausordnung" nicht mal mit Kochen und Fleckensalz herausgingen, weil die ach-so-sauberen-Erzhausfrauen nur "runde Ecken" kannten, akzeptierte er nicht als Gegenargument. Auch nicht den Kalender, in dem ich die Tage sogar mit Tageszeit notiert hatte.
Also saß er nun zwei Tage nach Silvester, immer noch besoffen und drei Meter gegen den Wind nach Schnaps stinkend, in meiner Wohnung und weigerte sich, diese zu verlassen. Erst nachdem ich die Polizei kam, die ihm versuchte den Tatbestand des Hausfriedensbruch nahezubringen, jedoch an seinem Alkohol kläglich scheiterte, schlich er uneinsichtig wie eh und je von dannen.
Auf den Entschuldigungsbrief, den der Schiedsmann von ihr und dem Hausmeister gefordert hat, warte ich heute noch.

Ja, Nachbarn.
Man liebt sie, man hasst sie.
Aber man kommt ohne sie leider nicht durch die Welt.
Ich hoffe nur, ich mache es besser ...

In diesem Sinne wünsche ich Euch freundliche Nachbarn,
mit genau der Nähe, die ihr verkraften könnt.
Einen schönen Sonntagabend.

Abnehmgruppen auf Facebook:
Ich werde das Gefühl nicht los, es sind zum großen Teil
Tauschbörsen für Rezepte von / für potenziell Magersüchtige(n)
und Halbwahrheiten. Aber Gefühle sind frei. Selbst meine.

Noch...


Magere Gedanken
(Gedicht)

Kurzer Ausflug in Diätwelten-Gruppe.
Ade Bratkartoffel, hallo Magersuppe?
->Festgestellt: Nicht "meine" Welt.

Entschieden, lieber entspannt zu genießen.
Zufrieden rundlich, lass nichts mir vermiesen.

4/5tel des Lebens: ich schlank - nix Diät.
Das sollte euch reichen, ja sogar das geht.

Kannst nicht jeden retten, ganz sicher mich nicht.
Muss jeder selbst wissen, ob ihn das anficht.

... Bleibt nun zum Schluss noch die Kardinals-Frage:
... Eis? Kuchen? Pizza? Und welche Beilage?...


Ja, meine "schlanken" Tage sind vorbei. Definitiv, vermutlich endgültig.
Vollschlank! Wer hat sich so ein Augenwischer-Wort nur ausgedacht.
Irgendwann packte mich aber der Ehrgeiz, und ich wollte noch Mal ...
Mein Jeans-Minirock, der gerade noch über einen Oberschenkel passte,
er hat mich dezent deprimiert. Gebe ich zu. Wenn auch nur kurz.

Voller Motivation also ab nach Facebook. Hier gibt´s Gruppen für alles!
Vom Fußpilz bis zum abgebrochenen Fingernagel wird einem geholfen.
Warum also nicht auch mir, dachte ich so.
Ein paar Erfahrungsaustausche und das Gefühl, nicht alleine zu kämpfen.
Und leckere Rezepte, die nicht nach Verzicht schmecken.

Als erstes musste ich feststellen, dass ich kein Deutsch konnte.
Xucker mit X. Muss ein Fehler sein, oder? Englische Tastatur und dann verrutscht.
Leider nein. Ich kann einfach kein Diät-Deutsch. Denn den gibt es.
Metabolismus, Detox, Grundumsatz, Formula, Glyx usw. und so fort.
Zwei Wochen habe ich allein nur nachgelesen, wovon die Mitleidenden sprachen.
Jawohl: Mitleidenden. Jubelrufe waren selten. Keiner war irgendwie zufrieden.

Dann beschloss ich, mich nur noch auf die Rezepte zu konzentrieren.
Ich öffnete also meinen Küchenschrank für Dinkelmehl und Xucker.
Und schloss ihn schnell wieder. Denn Abnehmen ist teuer.
Am sichersten nimmt man am Portemonnaie ab.
Eigentlich logisch: Was man teuer bezahlt hat, um es auf die Rippen zu kleben,
sollte man genauso teuer auch wieder verlieren müssen. Strafe muss sein.

Immerhin, ich war immer noch willig. Habe mich durch Foren gelesen, nächtelang.
Und Menschen beobachtet. Menschen auf einer Mission gegen alles, was Spaß macht, wie mir schien.
Nicht böse sein, ich kann nicht anders. Es ist mir wie eine zweite Haut.
Warum macht wer was warum und wie? Ich hinterfrage alles, selbst mich.
Und es war schon merkwürdig. Ich habe ja oben erwähnt, dass nur wenige zufrieden waren.
Der Trend setzte sich fort. Wo immer ich hinsah, der gleiche Tenor:
"Ich habe jetzt 50 kg abgenommen, aber ich will 60. " Oder:
"Ich habe vorgestern eine Pizza gegessen. Seit dem habe ich nicht mehr gesch... jetzt wiege ich 50 Gramm mehr. Wie kann das sein?"
Schlimm. Das zog mich herunter. Mehr noch als mein Jeans-Minirock.
(Nun gut, der wog aus Stoffmangel auch nicht so viel.)

Was mich dann aber wirklich aufregte war ein Post, der mich erschreckte.
Falsch ... dessen Antworten mich erschreckte. So muss das lauten.

Eine Dame meinte, sie würde jetzt nach Abnahme 65 kg wiegen und
wollte noch 10 weitere verlieren. Ihre Waage allerdings stocke und sie war verzweifelt.
Rasch kamen massenweise Tipps. Das aggressive Ping-Ping von Facebook ließ keine andere Beschäftigung mehr zu. Also wollte ich sehen, was da so megainteressant sein sollte. – Und habe alle Posts gelesen.

OMG.

Keiner, absolut keiner hinterfragte die Ausgangssituation.
Niemand wollte wissen, wie groß die Dame war. Wie sich das Verhältnis zusammensetzte, was sie vorher wog? Wie viel sie in welcher Zeit abgenommen hatte? Ob es realistisch war?
Wie alt war sie überhaupt?

Nun wusste ich aus eigener Erfahrung, dass 65 kg sehr schlank sein können.
(Oh schön war die Zeit. Da passte auch noch der Jeans-Mini!)
Und meine Gedanken waren bei der Posterin. Wer war sie?
War sie vielleicht nur 1,60m oder doch 1,80m?
Ich machte mir Sorgen, sie könne ins Untergewicht fallen.
Schlimmer noch: MAGERSUCHT
Denn wo ist die Grenze von schlank zu mager?
Wie lange ist Abnehmen gesund und ab wann wird man krank?

Ich musste eingreifen. Habe laut STOP gerufen und erst mal nachgefragt.

Und dann kamen die Shit-Posts!
Fast genau so viele wie vorher Tipps.
Ich war schlagartig der Anti-Christ der Abnehmgruppe.
Hallo? Geht´s noch? Was war mein Fehler?
Weil ich mir Sorgen um eine der ihren gemacht habe?

An dem Tag beschloss ich, mit etwas Speck auf den Rippen schlägt sich
mein Freund nicht die Knochen blau, wenn er mich umarmt.
Und das ist gut so.
In einer Gruppe zu sein, die sich so wenig um sich selbst kümmert,
und noch weniger auf andere Acht gibt, möchte ich nicht sein.
Niemals. Und niemals wieder.

Ich erklärte meinen Abschied, reimte das oben gepostete Gedicht und das war´s.
Und habe es nicht bereut.
(Und meinen Jeans-Mini hebe ich trotzdem auf. Er ist eine Erinnerung an eine andere Zeit. Nicht mehr und nicht weniger. Ohne Reue, ohne Depri.)

In diesem Sinne:
Man muss schon auf sich selbst aufpassen. Ein anderer wird es nicht tun.

Ich wünsche Euch einen entspannten Tag.