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Einladung
Im Januar 2019 erscheint:

Kein Erbe ohne Tod

Anlässlich des Erscheinens meines zweiten Falls lade ich hiermit zur

Buchpremiere am Dienstag, 05.Februar 2019 um 19 Uhr

in der Buchhandlung Leuwer, Am Wall 171, 28195 Bremen, ein.

Nach meinem Debütroman „Morgenmuffel“ (2017) kommt nun der zweite Krimi in die Läden. Der in sich abgeschlossene Roman greift den Kommissar des ersten Buches wieder auf.

Zum Inhalt:

Frankfurter Südfriedhof. Ein Toter wird auf einem Grab gefunden, das Gesicht brutal zerschlagen, ohne Schuhe, die Füße in einem Karton, jedoch liebevoll aufgebahrt.
Irgendeinem scheint der Tote wichtig gewesen zu sein.

Kommissar Michael Oders Chef ist anderer Ansicht, denn der Fall verspricht keine Schlagzeile, mit der er glänzen kann. So gewährt er Oder nur eine Woche, bevor der Fall zu den Akten soll. Aber das Umfeld des Toten schweigt. Auf den Rat seiner hübschen neuen Kollegin aus der Rechtsmedizin hin, mischt er sich unter die Gefährten des Toten, die Ausgestoßenen der Gesellschaft, und bekommt Einblicke, die ihn nachdenklich machen. Besonders als sich herausstellt, dass der Tote kein Unbekannter ist, sondern ein Kunst-Mäzen und Mitglied der gehobenen Gesellschaft. Was treibt einen Mann, der alles hatte, zu einem Leben, in dem man nur noch das Nötigste mit sich trägt?

Je mehr Kommissar Oder erfährt, umso mehr fragt er sich:
Wer ist hier die bessere Gesellschaft?

Zum Text:

Auch wenn der Roman in Frankfurt spielt, wurde ich doch inspiriert von den Schicksalen der Obdachlosen rund um den Bremer Hauptbahnhof.
Für Recherchen habe ich mit einigen von ihnen gesprochen und diese Fakten im Buch einfließen lassen. Entsprechend realitätsnah und packend ist die Geschichte. Die Einblicke in das meist unbekannte Leben auf der Straße erschrecken und regen zum Überdenken der eigenen Position an.

Zumindest mich hat bei der Recherche vieles irritiert und schockiert.
Vermutlich werde ich nie wieder einen Sitzplatz in einer U-Bahn so sehen wie bisher.

Ein Augenzwinkern ist trotz des ernsten Themas immer mit dabei, denn für mich gehört Lachen zum Leben – wie der Tod. So gibt es durchaus Momente, bei denen man sich wieder köstlich amüsieren kann, wenn man trockenen Humor mag.

Seid dabei, wenn ich meine erste Lesung habe.
Ich freue mich über jede Unterstützung.

Vielen Dank im Voraus.

Eure Agatha



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  Türchen 11 -

Weihnachtszeit - Lichterzeit.

Lichter haben etwas Magisches. Umso mehr, wenn sie auf einmal nicht mehr da sind. Ich habe hier einige Gedanken skizziert, die ich gerne mit Euch teilen möchte:

Gedanken einer Nacht

Menschen irren verwirrt durch die dunklen Straßen.
"Hast du ...?" Sie blicken sich gegenseitig in die erschrockenen Gesichter. "Bei dir auch?"
Fremde kommen auf dich zu: "Wisst Ihr was?" und Erinnerungen werden wach. Erinnerungen an Bilder, die immer weit weg erschienen und nun doch so nah sind. Hautnah sozusagen.

In das geisterhaften Treiben der Meisten mischt sich hektische Betriebsamkeit von einigen Wenigen. "Da muss doch noch ..." "Ich hatte extra welche aufgehoben!" Ihr aufgescheuchtes Herumflattern wirkt auf die ängstlichen Gesichter in der Nacht nicht beruhigender. Eher das Gegenteil trifft ein. Man rückt zusammen wie eine Herde Schafe und versucht, in der Masse das Fremde, Unbekannte, das immer schon Befürchtete bekämpfen zu können. Mir was? Plüschpantoffeln?

"Wie lange wird es dauern?", ist die meistgestellte Frage der Nacht. Ja, wie lange ...?

Einige Tapfere versuchen sich mit Zweckoptimismus. "Ich gehe jetzt ins Bett und wenn ich wieder wach werde, ist alles vorbei." Merkwürdig, wie es an die Kindheit erinnert, als die Mutter das noch sagte. "Kind, schlaf erst einmal darüber. Morgen ist alles vorbei." Eine bessere Welt durch Ignoranz? Wird man so der Lage gerecht? Es fühlt sich falsch an. Doch was kann man machen ... kann ich machen?

Wohin ich schaue, sehe ich graue Gesichter. Einige Straßenlaternen senden noch ihr fahles Licht in die Nacht. Wie lange werden sie noch scheinen? Was, wenn sie ausgehen? Wer ist noch hier – an wen könnte man sich wenden, falls man Hilfe braucht? Wann kommt der Mob? Der muss doch kommen. Kennt man schließlich aus dem Fernsehen. Irgendwann kommt immer der Mob. Menschen rücken zusammen und nicht immer sind sie auf Hilfe aus.

Ein schnelles Drehen des Kopfes in alle Richtungen beruhigt latent. Die dort, die kenn ich, das sind meine Nachbarn. Die auf der anderen Seite kenn ich auch. Vom Sehen. Gesprochen habe ich noch nie mit ihnen. Wozu auch. Bis jetzt. ... Aber wer ist das? Das Mädchen habe ich noch nie vorher hier gesehen. Wo kommt sie her? Was will sie? Und wen hat sie mitgebracht? Angst. – Angst hat sie mitgebracht. Als hätte man nicht schon ausreichend selbst hier in der Runde. Wir geben uns gelassen und sind es doch so wenig.

Unser Leben ist urplötzlich anders geworden. Wie wenn ein Schalter umgelegt wurde. Wann wird es wieder so sein, wie es zu Mutters Zeiten war? Warm, sicher, hell? Vermutlich nie. Ist man auf die Lage, sollte sie so bleiben, ausreichend vorbereitet? Ist ausreichend Wasser im Keller? Essen? Zu dumm, dass man den Gedanken an das Notstromaggregat nicht weiterverfolgt hat. Wenn alles wieder normal ist, muss man darüber unbedingt noch einmal nachdenken. Ach was! Nicht nachdenken ... handeln. Ja handeln. Nichts ist schlimmer als zur Untätigkeit verdammt zu sein. Morgen gleich. Ach nein, da ist ja Sonntag ... aber übermorgen, wenn alles wieder normal ist.

Wird es das je wieder ...


... Bis der Strom wiederkam, waren wir uns alle etwas näher als sonst. Schon am nächsten Tag lief man wieder in den eigenen Spuren, schön neben den anderen. Selten kreuzten sich die Wege. Weihnachten kam, Weihnachten ging. Die Festbeleuchtungen in diesem Jahr unterschieden sich nicht von denen der vergangenen Jahre. Jeder blieb für sich.

Aber an Neujahr kam man wieder auf der Straße zusammen. Im Dunklen, den Blick auf die glitzernden Lichter am Himmel gerichtet, wurden Gläser gehoben, Hände geschüttelt, und es wurde angestoßen auf das neue Jahr. Die Erinnerung an die Zeit des Stromausfalls mochte nicht mehr jedem präsent sein, aber sie lebte in allen fort und verband Nachbarn, die sich sonst nie trafen.

Dies Silvester war wärmer als jedes bisher erlebte. Fast war ich dankbar für den kleinen Fehler im Umspannwerk, damals im August, als für circa eine Stunde um 23:34 Uhr in Bremen das Licht ausging.

Was ein kleines bisschen Licht in der Dunkelheit doch manchmal ausmachen kann.

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Zu diesem Text:

Inspiriert wurde ich zu dem Text in der Nacht des 03. auf den 04.08.2018,
als ein Stromausfall um 23:34 Uhr in Bremen die Lichter erlöschen ließ
für die Dauer von ca. einer Stunde.

Mit ihm möchte ich die Hoffnung in diese Welt schicken,
dass es nicht erst einen Stromausfall benötigt,
damit man seinen Nachbarn sieht.

Vielleicht trägt er ebenso zu einem Umdenken bei wie mein neuer Roman,
der voraussichtlich im Januar 2019 im JustTales Verlag erscheinen wird.
Auch dort geht es um Sehen und Gesehen werden.

Kommissar Michael Oder löst seinen zweiten Fall, nachdem er den
"Morgenmuffel" im November 2017 zur Strecke brachte.
Titel des neuen Kommissar Oder Krimis:

                                "Kein Erbe ohne Tod"

Vorankündigung und Termin zur offiziellen Buchpremiere findet sich hier.

Marvin Murmeltier - Osterwettbewerb

„Es ist Ostern“, zwitscherten die Spatzen.

„Oh ja, Ostern“, gurrten die Tauben und rieben sich mit den Flügeln die dicken Bäuche.

Marvin runzelte die Stirn. Was war denn "Ostern"? Und warum waren alle so aufgeregt? Alle Vögel im Wald und am kleinen Bach, an dem er lebte, waren völlig aus dem Häuschen. Es tschilpte hier, es gaggerte da, ein Konzert von vielen tausend Vogelstimmen und alle freuten sich auf dieses unbekannte „Ostern“.

Drei kleine Spatzen auf der alten Eiche über seinem Kopf tuschelten freudig und schubsten sich gegenseitig vom Ast. Marvin beschloss, sie zu fragen.

„Guten Morgen“, fing er höflich an, aber sie hörten ihn nicht. Er versuchte es noch einmal etwas lauter. „Hallo, guten Morgen! Könnt ihr mir bitte eine Frage beantworten?“
Zwecklos. Sie waren total mit sich beschäftigt.

Also das gab es doch nicht, dachte sich Marvin. Er stieß einen schrillen Pfiff aus, wie das Murmeltiere so machen, wenn jeder etwas mitbekommen sollte. Das wirkte. Die Spatzen stoppten kurz und blickten ihn an.

„Hey ihr da. Was ist Ostern und warum seid ihr so aufgeregt?“ Marvin schob noch ein kurzes „Bitte erklärt es mir“ hinterher, denn er höflich. Dann blickte erwartungsvoll himmelwärts.

„Du kennst Ostern nicht? Wo gibt es denn sowas!“

„Das ist doch das tollste Fest am Jahresbeginn. Danach kommt nur noch Weihnachten, aber da ist es immer so kalt. Ostern ist viiiiiel besser!“

Sie kicherten ungläubig. Dann stoben sie davon und ließen Marvin grübelnd zurück.

„Marvin“, brummte es hinter ihm, „… mach dir keine Gedanken. Ich sag dir, was sie an Ostern so toll finden.“ Marvin drehte sich um und entdeckte Elvira, die uralte Eule, die auch am Bach wohnte, auf einem Zweig. Elvira und er waren schon lange gute Freunde. Sie warnten sich immer gegenseitig, wenn Gefahr drohte. Wenn es Neuigkeiten gab, informierte jeder den anderen, denn Elvira war nachts aktiv und Marvin tagsüber. Das passte prima. Jetzt war es an Elvira, Marvin etwas zu erzählen.

„Sie sind so aufgeregt, weil es an Ostern immer einen Wettbewerb um das schönste Ei gibt. Der Gewinner bekommt einen extrafeinen Kuchen aus dem Dorf, lecker, süß und mit Körner und Nüssen. Hermann Hase holt den immer vom Bäcker, der den extra für die Tiere backt und vor seine Tür legt. An Ostern treffen sich dann die Vögel des Waldes auf der Lichtung nahe des Dorfes und zeigen ihre tollsten Eier und Hermann entscheidet. Der Gewinner des Wettbewerbs bekommt den Kuchen und muss deshalb mindestens eine Woche lang das Nest nicht mehr verlassen.“

„Aha, deshalb sind sie so aufgeregt. Wann ist das Treffen, denn das würde ich mir zu gerne ansehen.“

„Schon heute, du musst dich beeilen. Wenn die Sonne am höchsten steht, geht es los.“

„Kannst du mich vielleicht dort hinbringen, Elvira? Zurück finde ich schon alleine, aber ich möchte nichts verpassen.“

Elvira überlegte. Sie war total müde und wollte eigentlich nur noch schlafen, aber Marvin sah sie so lieb an, da konnte sie ihm seine Bitte nicht abschlagen.

„Na komm, stell dich dort drüben auf den Baumstumpf, dann fang ich dich ein.“ Marvin ließ sich nicht lange bitten. Ruckzuck stand er auf dem Baumstamm und richtete sich auf. Die Vorderpfoten streckte er weit von sich. Elvira ließ sich von ihrem Ast fallen, breitete die Flügel aus und schoss auf Marvin zu. Ihre Füße mit den scharfen Krallen griffen unter seine ausgestreckten Pfoten und schon war er in der Luft. Es kitzelte etwas, als Elviras Krallen ihn erwischten. Marvin kicherte.

„Hör auf zu lachen, sonst rutscht du mir noch durch die Krallen. Von hier oben bleibt nicht viel von dir übrig, wenn du fällst“, warnte Elvira.

Marvin wagte einen kurzen Blick nach unten und verstand. Augenblicklich hörte er auf mit dem Zappeln und machte sich steif. Aus der Luft herunterzufallen war kein Spaß. Der Wind pfiff ihm um die Ohren und plusterte sein Fell ordentlich auf. Vorsichtig fiel sein Blick nach unten. Dort drüben, das musste die alte Eiche sein. Wie klein sie auf einmal war. Der Bach war nur noch ein schmales, silbernes Band und sah gar nicht mehr gefährlich aus. Alles war so klein geworden, dass Marvin kaum noch erkennen konnte, wo sie gerade waren. Am Horizont sah er Rauchwolken aufsteigen.

„Es brennt, Elvira, es brennt! Lass uns schnell runter und die Tiere warnen!“, rief er aufgeregt.

„Dummerchen, das ist doch nur das Dorf. Das ist Rauch aus den Schornsteinen. Wir sind gleich da. Mach dich zur Landung bereit. Ich muss dich etwas fallen lassen, denn mit dir zusammen kann ich nicht landen.“

„Alles klar. Danke Elvira!“

Elvira setzte zur Landung an. Etwa einen Meter über dem Boden ließ sie los. Marvin federte den Sturz ab, kullerte noch einen halben Meter, dann stand er wieder auf seinen Pfoten. Er bedankte sich höflich bei Elvira, die zwei Meter weiter auf einem Ast saß.

„Vielen Dank, das ging ja ratzfatz. Bleibst du auch hier?“, wollte er wissen. Elvira schüttelte den Kopf.

„Das ist nichts mehr für mich. Früher habe ich auch mitgemacht, aber jetzt bin ich dafür zu alt. Ich werde wieder zu unserem Baum fliegen und schlafen. Ich war die ganze Nacht auf den Flügeln, jetzt bin ich müde.“ Sie gähnte, dann breitete sie die Flügel aus, bereit zum Abheben. „Bis später und viel Vergnügen“, rief sie Marvin noch zu, hob ab und war sogleich hinter den Bäumen verschwunden.

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Marvin sah sich um. Die Lichtung, auf die Elvira ihn hatte plumpsen lassen, war nicht groß, aber schon ordentlich belebt. Er war nicht der Einzige, den der Wettbewerb interessierte. Die Teilnehmer waren schnell entdeckt. Vier Vögel hatten sich ein Nest in einem Gebüsch über einem Wiesenstreifen gebaut und saßen schützend auf ihren Eiern. Eine Goldammer, ein Neuntöter-Weibchen, eine Gartengrasmücke und ein Gartenrotschwanz-Weibchen. Es war zwar schon Frühjahr, aber der Boden war noch zu kalt. Im Nest waren die Eier geschützter.

Marvin reckte sich, um alles zu überblicken. Vom Kuchen war noch nichts zu sehen. Er war also noch rechtzeitig angekommen. Langsam wurde die Lichtung voll. Marvins Bauch knurrte und erinnerte ihn daran, dass er noch nicht gefrühstückt hatte. Da von Hermann mit dem Kuchen noch nichts zu sehen war, beschloss Marvin, sich erstmal etwas zu essen zu suchen. Wer weiß, wie lange das noch dauerte. Auf der anderen Seite der Lichtung glaubte er beim Anflug Haselnuss-Sträucher gesehen zu haben. Das wollte er untersuchen.

Schnell huschte Marvin in die Richtung. Er konnte die Sträucher schon sehen, als sie auf einmal wackelten. Augenblicklich stoppte Marvin seinen Lauf. Wachsam kontrollierte er die Gegend. Wackelnde Büsche waren nicht normal. Wer weiß, was sich da drin verbarg. Womöglich lief er direkt Ferdinand Fuchs vor die Schnauze. Der hätte ihm gerade noch gefehlt. Ferdinand war immer hungrig und Marvin wollte nicht sein Frühstück werden.

Aufmerksam und fluchtbereit beobachtete er das zappelnde Gebüsch. Da, ein roter Schwanz. Ferdinand?

Marvin wollte gerade losrennen, da vernahm er ein ansteckendes Kichern aus dem Busch. Gleich darauf kugelten Erwin Eichhörnchen, ein alter Freund von Marvin, und seine Enkel aus dem Grün. Die Eichhörnchen tobten wie eine wilde Horde auf die Lichtung. Erwin, der Opa der Bande, folgte langsamer. Als er Marvin erkannte, winkte er ihm freundlich.

„Hallo Marvin. Haben dich meine Enkel erschreckt? Keine Sorge, die sind nur übermütig und freuen sich auf den Wettbewerb.“

„Ach Erwin, du bist das.“ Marvin seufzte erleichtert. „Ich dachte schon, Ferdinand stört wieder die gute Stimmung."
Marvin kicherte.

"Es ist aber auch zu blöd, dass eure Schwänze die gleiche Farbe haben. Das kann einen schon erschrecken.“

„Hihi, da könntest du recht haben“, kicherte Erwin und strich sich seine weiße Strähne aus der Stirn. An der Stelle hatte er einmal einen Zusammenstoß mit Ferdinand und seit dem wuchsen dort keine roten sondern nur noch weiße Haare. Sie erinnerte ihn daran, dass man Ferdinand nicht trauen durfte.

„Ihr wollt also auch zu dem Wettbewerb?“

„Ja klar doch. Wir sind jedes Jahr hier. Ist Hermann schon aufgetaucht?“

„Ich habe ihn noch nicht gesehen. Den Kuchen, von dem Elvira mir erzählt hat, auch nicht. Ich dachte mir daher, ich such mir noch schnell etwas zu essen und komm dann gleich wieder.“

„Gute Idee. Wir haben schon gefrühstückt. Aber wenn du nur schnell etwas suchst, dann geh in die Richtung. Unter der Brombeerhecke habe ich letzten Herbst ein Depot mit Nüssen angelegt, das ich noch nicht geplündert habe. Das schenk ich dir, dann bist du schneller wieder da, als wenn du selber erst suchen müsstest.“

„Oh danke Erwin. Sobald das hier herum ist, kriegst du das auch wieder zurück. Bis gleich!“, freute sich Marvin und huschte in die Richtung, die Erwin ihm gezeigt hatte.

- - - - - - - - - - - - - - -

Er musste nicht lange suchen. Erwin war schon alt und nicht mehr so kräftig. Daher waren seine Verstecke auch nicht tief im Boden. Teilweise lugten sogar Teile der Beute aus den Blättern, die er über die Löcher mit Nahrung gelegt hatte. So auch hier. Zwischen alten braunen Blätter und jungem saftigen Grün, das von dem Grasfleck daneben herüber wuchs, entdeckte Marvin eine Haselnuss. Zwei Kratzer mit seiner Kralle später hatte er noch 3 weitere gefunden und ließ es sich schmecken.

Die Sonne schickte einige Strahlen zwischen den Bäumen hindurch. Sie trafen genau den Grasfleck, auf dem Marvin saß und an den Nüssen knabberte. Sie wärmte seinen Pelz und er ließ für einen Augenblick die Nuss sinken, die er gerade bearbeitet hatte. Er schloss die Augen und genoss die Stille und die Wärme.

Ein leises Rascheln riss ihn aus seiner Stimmung. Er blickte sich um und sah eine Henne aus dem Dorf traurig im Erdboden picken. Alles an ihr war traurig. Das Gefieder hing herunter, der Kopf war gesenkt, die Bewegungen langsam und müde.

Marvin wollte sie nicht erschrecken, also sprach er sie leise an.

„Hallo, du da. Was ist mit dir?“

Die Henne erschrak und kippte einfach um. Wie ein Stein lag sie da und rührte sich nicht mehr.

Oh nein. Hatte er sie umgebracht? So erschreckt, dass ihr Herz aussetzte? Marvin kam langsam näher und tippte vorsichtig die Henne an. Er wollte sehen, ob sie noch lebte.

Das weckte die Henne und sie schüttelte sich. Marvin war erleichtert.

„Geht es dir gut? Du bist einfach umgekippt. Ich wollte dich nicht erschrecken.“

„Ach je, das passiert mir immer wieder. Tut mir leid, es muss schlimm für dich ausgesehen haben. Auf meinem Hühnerhof sind sie es schon gewohnt. Die „hektische Herta“ nennen sie mich da. Mir geht es gut. Keine Sorge.“

„Aber du siehst traurig aus. Was ist los? Kann ich dir helfen?“

„Leider nein. Es ist nur wieder dieser Wettbewerbstag. Der macht mir Sorgen.“

„Wieso? Und warum bist du hier und nicht dort drüben auf der Lichtung?“

„Ach, ich bin nie dabei. Wozu auch. Da werden die schönsten Eier präsentiert. Ich lege doch nur weiße Eier. Die sind langweilig. Und die will keiner sehen. Da brauche ich nicht mal anzutreten.“ Herta seufzte. „Ich habe sie gesehen, die anderen Eier. Dort drüben vom Gebüsch aus.“ Sie zeigte auf das Gebüsch, in dem noch vor kurzem Erwin mit seinen Eichhörnchen herumgeturnt hatte.

„Hast du es denn schon einmal probiert?“

„Ja, im ersten Jahr. Ich hatte ein wunderschönes, gleichmäßig geformtes Ei. Ganz glatt und glänzend. Aber sie haben mich alle ausgelacht. Da wären ja keine Muster drauf. Es wäre so langweilig.“ Ihr kullerte eine Träne aus dem linken Auge bei der Erinnerung. „Sie haben ja recht. Mein Ei war langweilig wie es mein Leben ist.“ Traurig ließ sie den Kopf hängen und pickte lustlos nach einem Wurm.

Marvin tat Herta leid. Er hätte ihr gerne Trost gespendet, aber so recht fiel ihm auch nicht ein, wie er das machen sollte. Vor Trauer, dass er Herta nicht helfen konnte, schmeckte ihm nun die Nuss auch nicht mehr. Er legte sie mit den anderen wieder in das Loch und deckte alles sauber ab. Damit das Versteck nicht gleich wieder gefunden werden würde, kratzte er noch ein paar Brombeerreste über das Loch.

Nachdenklich drehte er sich wieder um und schlug den Weg zur Lichtung ein. Grübelnd folgte er Herta, die sich wieder unter dem Gebüsch verstecken wollte, wohl wissend, dass der Preis auch dieses Jahr nicht an sie gehen würde.

Marvins Pfoten blieben an einem Blatt kleben. Er stoppte und zog sich das Blatt von der Kralle. Darunter war die Pfote dunkel-lila. Marvin stutzte. Blut konnte das nicht sein. Blut war rot - es war nicht lila. Und hätte er eine Wunde, dann hätte auch die Kralle wehgetan.

Verwirrt schüttelte er den Kopf. Wieso lila? Suchend, als hätte der Wald die Antwort, sah er sich um. Sein Blick blieb an dem Brombeergestrüpp hängen.

„Brombeeren … Beeren … Saft … Farbe … Farbe?“ Er eilte zurück zum Gestrüpp und suchte an der Stelle, an der er seine Nüsse vergraben hatte. Dort wurde er fündig. Eine vertrocknete Brombeere aus dem letzten Herbst lag im Tau und war etwas aufgeweicht. Als Marvin die Brombeerblätter und –zweige über die Nüsse gekratzt hatte, hatte er mit den Krallen die Brombeere erwischt. Dort, wo sie aufgeweicht war, glänzte es lilafarben in der Sonne.

Marvin kam eine Idee. Schnell lief er Herta nach. Einen Versuch war es wert, fand er.

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Auf der Lichtung wurde es langsam voll. Hermann war eingetroffen und hatte den Kuchen hinter sich hergezogen. Ein starkes Stück Arbeit, aber er sonnte sich auch im Lob der anderen Tiere.

Die Vogelmütter drängten schon. Sie wollten das Ergebnis.

„Hey Hermann, wie lange dauert es denn noch? Mein Küken schlüpft gleich. Ich habe nicht mehr viel Zeit“, riefen sie.

Hermann ließ sich nicht hetzen. Er genoss noch eine Weile das Lob, schließlich hatte er dem Hofhund getrotzt und sich redlich abgemüht, den runden Kuchen bis zur Lichtung zu rollen. Jetzt hatte er ordentlich Hunger, zumal der Kuchen verführerisch duftete.

„Immer mit der Ruhe, die Damen. Ihr wisst doch, wann es losgeht. Noch ist die Sonne nicht am höchsten Punkt. Ich muss mich jetzt erstmal stärken. Solange müsst ihr noch warten.“

Die Vogelmütter murrten, aber keiner achtete auf sie. Es hatten sich mittlerweile auch andere Vögel des Waldes eingefunden. Dazu einige Mäuse, die hofften, von dem Kuchen etwas abzunagen, bevor er völlig im Nest einer der Mütter verschwunden sein würde. Eine Ricke mit ihrem Rehkitz knabberte am Rasen nahe der Nester. Die Vogelmütter zeterten so lange, bis sie auf die andere Seite der Lichtung wechselte. Im Schatten auf der Nordseite des Platzes war die Erde vom letzten Regen noch weich, da hier die Sonne nicht hinkam. Dort suhlten sich einige Wildschweine mit ihren Frischlingen im Dreck und genossen es.

Hermann aß sich satt, dann trommelte er mit seinen Läufen auf einem abgesägten Baumstamm, der die Mitte der Lichtung markierte.
Augenblicklich wurde es still. Alle Augen waren auf ihn gerichtet.

„Also“, er räusperte sich kurz, dann fuhr er fort, „also wir haben uns hier versammelt, um die alljährliche Eierbegutachtung durchzuführen. Wer hat das schönste, größte, originellste Ei?"

„Nun mach schon, mein Küken klopft schon!“
„Beeil dich.“

Hermann ließ sich nicht hetzen. Aufrecht auf zwei Beinen, damit er größer wirkte und auch jeder ihn sehen konnte, wankte er auf das erste Nest zu.

Die Vogelmutter flatterte kurz auf einen Ast über ihrem Nest und alle größeren Tiere konnten einen Blick auf das Gelege erhaschen. Drei gesprenkelte rötlich-braune Eier lagen im Nest. Neuntöter-Eier. Zwei kleinere und ein etwas größeres Ei. Das Größere wackelte heftig. Es konnte nicht mehr lange dauern, bis das Küken schlüpfen würde. Kein Wunder also, dass seine Mutter gedrängt hatte.

„Hmm, hmm. Schön, schön. Welches Ei meldest du zum Wettbewerb an?“ Hermann brummte in seinen Bart und strich sich mit den Vorderpfoten die Schnurrbarthaare in Form. Die Neuntöter-Vogelmutter deutete auf das größte. „Selbstverständlich dies hier. Ist doch klar.“

Hermann nickte.

„Das nächste bitte.“

Auch hier der gleiche Ablauf. Diesmal waren die Eier eher weiß mit unregelmäßigen braunen Flecken. Auch hier wackelte das größte Ei bedenklich.

So ging das fort bis zum letzten Ei, das Ei der Gartenrotschwanz-Mutter. Strahlend blau ohne jeden Fleck lag es im Nest. Seine Mutter platzte fast vor Stolz und trillerte einen Jubelschrei in die Luft. Sie konnte nicht verlieren. Das musste das tollste Ei sein. Da war sie sich absolut sicher.

Hermann ließ sich auf alle Pfoten zurückfallen und hoppelte erneut zum ersten Ei. Er ließ sich Zeit. Alle warteten nur auf seinen Richterspruch und das bisschen Aufmerksamkeit im Jahr wollte er sich nicht kürzen lassen.

Während er sich vor dem ersten Ei erhob, um noch einmal in das Nest zu blicken, erklang ein leises Knacken aus dem dritten Gelege. Nur einen Augenblick später kamen ein Milchzahn und einige feuchte Federn zum Vorschein.

Alle stürzten zu dem Nest und beglückwünschten die Mutter.

Da knackte es im Nest daneben, dem zweiten.

Die Tiere blickten gespannt auf das zweite Nest. Auch hier brach die Schale, und während sich noch das Küken ins Licht boxte, gingen zeitgleich jeweils das größte Ei des ersten und des letzten Geleges zu Bruch.

Die Tiere staunten nicht schlecht. Vier Küken fast zeitgleich hatte es noch nie gegeben.

Alle gratulierten. Aber auf einmal kam aus dem Hintergrund eine Stimme.

„Die sehen ja alle gleich aus!“

Totenstille.

Alle drehten sich zu der Stimme um. Ein vorwitziges Eichhörnchen aus Erwins Gefolge hatte sich einen Platz auf einem Ast gesichert, der über einem Teil der Lichtung ragte. Von diesem erhöhten Platz hatte es den Überblick und erkannte sofort, was den anderen Tieren auf der Lichtung erst langsam dämmerte.

In jedem Nest saß ein Küken, das den Küken der anderen Nester aufs Gefieder glich.

Hermann kratzte sich am Kopf und überlegte. Sowas Ungeheuerliches hatte es in den langen Jahren des Wettbewerbs noch nie gegeben. Was war geschehen?

Da öffnete das erste Küken seinen Schnabel und verlangte nach Futter.

„Gu-kuh, gu-kuh!“

Die anderen Küken fielen mit ein in den Ruf.

„Gu-kuh, gu-kuh, gu-kuh!“

Der Ruf des Kuckucks ...

Es fiel allen wie Schuppen von den Augen. In jedes Nest hatte ein Kuckuck sein Ei gelegt. Und da, wie allen bekannt war, Kuckuckmütter sich nicht um ihre Jungen kümmern, hatten sie nur die Farbe angepasst. So war es nicht aufgefallen, und sie überließen es anderen, sich um die Küken zu kümmern.

„Hmm, also so geht das nicht. Wie soll ich einen Sieger wählen, wenn alle gleich aussehen?“, raunzte Hermann. „Hat nicht noch einer ein Ei, dass er zum Wettbewerb anmelden kann?“

Stille trat ein. Keiner rührte sich.

Marvin, der mit Herta unter dem Busch saß, stupste Herta kurz in die Seite.

„Los jetzt. Deine Chance.“

„Meinst du echt?“

„Klar doch. Wenn nicht jetzt, wann dann? Los, trau dich.“

Er schob sie von hinten unter dem Busch vor. Alle Augen blieben an Herta hängen.

Schüchtern hob sie einen Flügel. „Ich, … ich hätte noch eins.“

Ein gewaltiges Getöse kam von den Vogelmüttern auf ihren Nestern.

„Was willst du denn?“

„Du hast doch nur hässliche weiße Eier.“

„Geh nach Hause und kratz weiter im Dreck!“

„Also wirklich, was glaubt sie, wer sie ist“, empörten die Vögel sich.

Herta zuckte zurück und wollte schon wieder unter dem Busch verschwinden, aber Marvin versperrte ihr den Rückzug.

„RUHE!“, brüllte Hermann so laut er konnte und trommelte zusätzlich auf dem Baumstumpen, um sich Gehör zu verschaffen.

„Ruhe sag ich. Ihr hattet eure Chance. Ich will sehen, was Herta hat.“

Marvin meldete sich. „Hier ist Hertas Ei. Ich war selbst dabei, sie hat es höchstpersönlich gelegt.“

Bei den Worten versteckte Herta verschämt den Schnabel unter einem Flügel. Marvin statt dessen rollte ein Hühnerei auf die Lichtung.

Aber was war das für ein Ei!

„Oooooch!“, entfuhr es allen Tieren, und viele standen mit offenem Mund da, und sie staunten. So ein Ei hatte noch keiner von ihnen je gesehen.

Auf dem glänzenden Weiß der Eierschale war ein bildschönes Muster aus Kringeln und Strichen in Lila angebracht. Genauer gesagt in Brombeer-Lila.

Andächtig bestaunten die Tiere die gleichmäßigen Punkte und Striche. Sie gingen einmal, zweimal um das Ei, aber sie konnten keinen Fehler entdecken.

„Also das, … also das ist wirklich das tollste Ei, dass ich je gesehen habe. Stimmt ihr mir zu?“, fragte Hermann in die Runde.

Alle waren einverstanden. Herta hatte das schönste Ei des Jahres.

„Dann verkünde ich hiermit: Herta, du bist die diesjährige Siegerin. Vielen Dank für das schöne Ei. Der Kuchen ist dein.“

Herta war so aufgeregt, den letzten Satz bekam sie schon nicht mehr mit. Sie kippte wieder um.

Marvin huschte an ihre Seite und weckte sie. Ein Strahlen ging über ihr Gesicht. Ein solches Strahlen, dass es Marvin ganz warm ums Herz wurde.

„Vielen Dank“, flüsterte Herta. Dann räusperte sie sich und wandte sich an die anderen Tiere.

„Ich danke Euch. Das hätte ich so nicht erwartet. Ihr habt mir einen wunderschönen Tag beschert. Daher möchte auch ich etwas zurückgeben. – Da ich nicht mit dem Sieg gerechnet habe, möchte ich den Kuchen gerne für alle frei geben. Bedient euch. Ich bin so glücklich, ich brauche keinen Kuchen zusätzlich. Esst und freut Euch mit mir. Das ist mir genug.“

Na da war aber was los. Alle redeten durcheinander. Dann machten sie sich über den Kuchen her und von dem anschließenden Fest haben sie noch lange erzählt.

Hermann, der Hase, änderte die Regeln für das nächste Jahr. Nur noch gefärbte Eier durften an dem Wettbewerb teilnehmen, da so jeder eine Chance bekam, nicht nur die Vögel, die von Natur aus hübsche Eier hatten.

Marvin aber betrachtete seine Pfote, die brombeerlila verfärbt war, grinste und machte sich auf den langen Heimweg.

Ende - oder doch nicht?

Vielleicht helft Ihr das nächste Mal,
wenn Helga wieder ein schönes Osterei benötigt. Viel Spaß.


Aufgrund der neuen Datenschutzregeln wurden sämtliche Bilder entfernt, auch wenn sie der Institution Pixabay entnommen wurden.
Es ist schade, aber vielleicht kann ich bald eigene Bilder nachliefern.
Ich bemühe mich. Versprochen.

 

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Halle 5 Stand E 202, JustTales Verlag

Mein "Morgenmuffel" erobert Leipzig

Ihr findet mich am Stand des JustTales Verlags, bei dem der Morgenmuffel auch erschienen ist.
Gerne gebe ich Euch da ein Autogramm ins Buch, falls Ihr mögt.

Was, Ihr kennt Morgenmuffel Herbert noch nicht?

Wie konnte das passieren?
Aber dagegen läßt sich doch was unternehmen.

Amazon hält noch Print-Exemplare für euch bereit:

aber auch als E-Book ist er käuflich erwerbbar.

Top-Kundenrezensionen

am 4. Januar 2018
Format: Taschenbuch|Verifizierter Kauf

Hallo, ich bin Marvin.

Agatha hat gesagt, ich soll mich doch mal vorstellen, wo sie doch schon ein Buch über mich schreibt. Na da mach ich das doch mal.
Ich heiße Marvin und ich bin ein Murmeltier. Kennt Ihr Murmeltiere?
Vermutlich nicht, es sei denn, Ihr wohnt in den Alpen, hat Agatha gemeint.
Sie sagt, ich seh aus wie ein Hamster mit buschigem Fell und einem Schwanz.

Also wirklich, ein Hamster, Agatha? Die sind doch so winzig!
Dann aber ein unheimlich plüschiger, sehr, sehr großer Hamster. Wirklich!
Für ein Murmeltier jedoch bin ich sehr klein.

Ich bin nur etwas größer als der Schuhabdruck von einem Erwachsenen. So ungefähr 30Zentimeter, sagt Agatha. Mein Schwanz ist etwas kürzer. Nur so lang wie ein Blatt Papier. Aber wunderschön buschig und dunkelbraun. Mit dem kitzele ich gerne meine kleinen Brüder, wenn ich sie besuche. Das macht Spaß.
Mein älterer Bruder Mirko ist fast doppelt so groß, aber der stößt immer mit dem Kopf an die Decke von der Höhle. Dann zieht er den Kopf ein bis zum nächsten Gang, dort vergisst er das wieder und ... rumms.
Da bin ich doch echt froh, dass ich klein bin, auch wenn mich alle immer hänseln.

Klein zu sein ist nicht schlimm. Echt nicht. Ich war noch nie groß. Schon als ich auf die Welt kam, war ich kleiner als meine Brüder. Das war praktisch, wenn ich mit ihnen Verstecken gespielt habe im großen Kogel. Sie haben mich erst gefunden, wenn sie mit der Schnauze schon direkt vor mir standen, weil ich mich in die kleinsten Ecken drücken konnte. Und der Kogel hat viele Ecken. Außerdem war mein Fell von der gleichen Farbe wie die Wände. Das dunkelbraun war in der Höhle schwer zu sehen.

Vor drei Jahren bin ich ausgezogen. Im Frühjahr, als ich vor den anderen wach geworden bin. Und die Zeit habe ich genutzt, um mir eine eigene Höhle zu suchen. Immerhin wurde ich in dem Jahr drei Jahre alt, es wurde Zeit, alleine zu leben. Mami hatte schon wieder vier Geschwister bekommen und es wurde eng in der Höhle.

Mein Freund Meikel ist im Jahr vorher ausgezogen. Es war schrecklich einsam ohne ihn, auch wenn ich meine Brüder hatte. Denn Meikel ist mein allerbester Freund und der hat mich auch nie gehänselt. Mit ihm habe ich schon als kleines Murmeltier die Höhle erkundet oder bei Tante Marla in der Wohnküche ihren Geschichten gelauscht.
Als ich mir einen Platz für meine Höhle suchte, die ich ausbauen konnte, habe ich darauf geachtet, dass sie in seiner Nähe lag. Meikel hat mir geholfen, denn der kennt den Wald wie seine Speisekammer. Meine Mami fand die Höhle zwar nicht so passend, weil die Küche nicht tief genug im Berg war, aber ich fand die toll. Es war ein alter Dachsbau, der schon viele Zimmer hatte. Ich musste mir nur noch die Räume einrichten.

Leider wohne ich jetzt im Wald bei Bruno, dem Bär.
Aber nur vorübergehend! Mein Höhle liegt eigentlich unter einer großen Fichte neben dem Wildbach, aber ich muss mir eine andere suchen. Meine Höhle ist letzten Winter nämlich kaputtgegangen.

Aber das ist eine lange Geschichte.
Die erzähl ich Euch in dem Buch, das Agatha gerade schreibt. Die kann das richtig gut. Meikel hat schon den Anfang gelesen und fand den total spannend. Richtig prima.
Und Meikel würde mich nie anlügen.

 

Sie ist da. Meine erste Rezension.
Und was für eine.
Seht selbst:

Zur Rezension

Da habe ich doch wohl alles richtig gemacht.
Oder zumindest fast.
Am Rest arbeite ich, versprochen.

Sollte der Link nicht funktionieren,
hier die Worte der ersten Rezension zum Nachlesen.

Kundenrezension

am 8. Dezember 2017
Herbert ist ein Protagonist, den man nicht auf der ersten Seite ins Herz schließt, aber spätestens auf der letzten. Immer schlecht gelaunt, immer verärgert, immer über das Leben klagend - aber wer kann's ihm verübeln? Brezelverkäufer, Radiomoderatorinnen, ungeliebte Hunde von ungeliebten Nachbarn rauben ihm den letzten Nerv - oder das, was davon noch übrig ist, nach den vielen Jahren, die er seine Exfrau ertragen musste.
Herbert fängt an, die Sache selbst in die Hand zu nehmen und sich all der Ärgernisse zu entledigen.
Die Autorin schreibt witzig, lebhaft und detailverliebt. Wer mal herzhaft lachen will, der ist hier richtig.
Eine flotte Lektüre, die ein Schmunzeln ins Gesicht zaubert und es dabei noch schafft, Lektionen fürs Leben zu vermitteln.
Eine klare Kaufempfehlung von mir!


Agatha - Schreiberling.

Ihre Werte, ihre Motivation, ihre Werke.

Diese Seite soll Ihnen die Gelegenheit geben, mich kennenzulernen.
Mich, meinen anthrazitfarbenen Humor und meine Werke.


Ich bin ein Schreiberling, kein Autor.
Ich schreibe aus Lust und meist aus Genuß.
Hauptberuflich und nebenberuflich.


Schon als Kind war ich eine Leseratte und liebte es,
mit jedem geschriebenen Wort in andere Welten abzutauchen und
habe Menschen bewundert, die mit Worten Bilder malen konnten.
Selbst zu schreiben schien unmöglich. Mehr als 3 Seiten - ein Krampf.
Meine Gedanken waren immer schneller als meine Finger.
Meine Aufsätze in der Schule erträglich - nie perfekt.
Kein Wunder bei Themen wie "Schnee - mitten im Sommer -
in 45 Minuten - in einer Stadt, die Schnee nur von Bildern kennt.
Seuffz.


Immerhin konnte man meine Liebe zur deutschen Sprache nicht kleinkriegen.
Ihre Vielfalt und Schönheit, auch wenn sie es einem oft nicht leicht macht.
Mit den Jahren kamen:
- Erfahrungen zu handwerklichem Geschick,
- Beobachtungen zu Bewertungen,
- Analyse zu Inspiration.
Und viele, viele gelesene Bücher.


Die meisten waren gut, manche besser, einige grottenschlecht.
Man sagt oft: Dies ist so schlecht, das kann ich bestimmt besser.
Und wird tatsächlich aktiv - meist für einen selbst überraschend.

Letztes Jahr war es bei mir so weit. - Gedichte schrieb ich schon länger.
Aber erst ein unterirdisches Kinderbuch brachte mich zum Schreiben.

Wohlgemerkt: Als Test - Nur für mich.
Erst ein Kinderbuch, dann eine Kriminalgeschichte.
Dann kam die Neugier und ich habe "Bewertungen" eingeholt.
Die Reaktion kam schneller als gedacht. Kaum zu glauben:
Aber man bestärkten mich, das weiter zu verfolgen.
Danke Euch.


Denn nun schreibe ich aus Leidenschaft.
Bücher, die ich selbst gerne gelesen hätte.
Solche über das Leben, mit all seinen schrägen Momenten.
Denn wer immer den Menschen geschaffen hat,
er muss Tränen gelacht haben.
Und glücklicherweise habe ich einen Verlag gefunden,
der meinen Humor teilt. Herzlichen Dank,  JustTales Verlag.

Meine Werke:

Ich schreibe Kriminalgeschichten, Kinderbücher, ab und zu Gedichte.
Merkwürdige Kombination? Nein, das passt schon. Ich bin Romantiker.
Weder Mensch noch Tier sind immer nett, niemand immer böse,
viele Stimmungen beeinflussen unseren Alltag und machen das Leben bunt.
Und ich darf sie alle ausleben und kann dabei andere erfreuen.

Gibt es was Besseres?

Habt Ihr auch bemerkt, dass sich mit der Zeit das Gefühl für Wochenenden ändert?
Komisch ist das schon. Das Wochenende liegt immer noch hinter Donnerstag und vor Montag, aber es fühlt sich mittlerweile anders an.
War es früher soooo lange noch hin und die Woche gähnend lang, so ist es jetzt doch schneller da (und leider auch schneller rum), und ich zumindest frage mich, wo die Zeit geblieben ist.

Wenn das so weitergeht, dann bin ich irgendwann mal 70 und jeder Tag ist Wochenende,
weil ich dazwischen nichts mehr mitbekomme.
Hey, könnte eine geile Idee sein, wenn da nur nicht das Problem mit der leidigen Verwandschaft wäre. Oder der zwangsadoptierten Verwandschaft (des Partners).
Wenn die jetzt alle 7 Tage nerven, dann habe ich das mit 70 jeden gruseligen Tag, den ich noch lebe. *Brrrr. Nette Aussichten, oder?

Mal überlegen:
Vielleicht muss ich die Woche einfach an einem Mittwoch anfangen lassen.
Sollte ich dann die Tage bis zum neuen Wochenende am Dienstag vergessen,
habe ich die bucklige Verwandschaft auch "mit"vergessen.
Hey, das klingt nach einem guten Plan.

Tja Wochenende. Mittlerweile, geschafft von der Woche, hängt man oft nur auf der heimischen Couch ab. Körperzellen sollen sich ja abnutzen, aber auch erneuern. Aber irgendwo muss im Erneuerungsprozess eine der Zellen falsch abgebogen sein. Wo bleiben meine Aktivitäts-Zellen? Die ich noch mit 20 hatte? Das Wochenende vollgepackt mit Events, dass dagegen die Woche nur abstinken konnte, weil es soviel Abwechlung im Job nicht gab.

Jetzt hol ich mir die Abwechslung, wie viele andere, mit der Glotze nach Hause.
Fernseh-Mikado.
Stillsitzen, konsumieren. Keine Bewegung (Snacks und Getränke sind von der Regelung ausgenommen). Wer zuerst nach der Fernbedienung greift, hat verloren.
So ruhig merkt man natürlich nicht den Unterschied zwischen der Woche und dem Wochenende und die Tage beginnen zu rennen. Immer schneller auf das Alter zu. Da hilft nur Ablenkung. Wer will schon in der Blüte seiner Jahre an deren Vertrocknen erinnert werden.
Ok. Also Fernsehen: Was gibt´s denn heute?

Man hat die Qual der Wahl, wenn es um einen guten Film geht. Jeder Sender haut am Wochenende die besten Stücke raus. Als wäre man immer nur an einer Sache interessiert.
Wie Schubladendenken, das mir schon immer verhasst war.
Agi mag Krimis, also darf sie keine romantische Komödie sehen (läuft zeitgleich).
Oder doch lieber eine Dokumentation über das Weltall? (Ist morgen immer noch da!)
Und der Animationsfilm von Pixa, den sie aber im Kino verpasst hat? (Nur für Kinder ... oder?)
Ehrlich: Manches Mal sehne ich mich zurück in die Zeit,
als es nur 3 (in Worten: drei) Fernsehprogramme gab.
Selbst da konnten Interessensüberschneidungen stattfinden,
aber es waren deutlich weniger.

Ausgehen sollte man wieder. Wie früher. Au ja.
Keine Programmwahl, nur die Frage des Kellners, was man trinken mag.
Passt die Musik nicht, hört man das schon auf der Straße und geht einfach weiter, ohne sich erst "reinhören" zu müssen.
Keine Verwandschaft, nur Freunde. Und die Option, noch mehr neue Freunde kennenzulernen, ohne von ihren geposteten Tellern genervt zu werden.
Echte Menschen, bei denen man sieht, ob sie lachen oder nur so tun als ob.
Seufz.

Auch das klingt nach einem Plan. Einem guten. So mach ich das.
In diesem Sinne ... Tschüss bis nächste Woche.

 

Nachbarn, eine merkwürdige Gattung Mensch.
Jeder hat sie, nicht jeder will sie.
Sie sind so vielfältig, wie es die Natur ist.
Dicke, dünne, große, kleine, alte, junge.
Rücksichtsvolle, liebevolle - und andere.

Ich bin in meinem Leben einige Male umgezogen. Da kommen viele Orginalen zusammen. Lasst mal überlegen:

Da war die Dame, die sich als Hausmeister aufspielte (es aber nicht war) und mir meinen Kellerschlüssel abnahm, weil 1-Zimmer-Wohnungen angeblich keinen Keller haben. - Geglaubt habe ich es ihr nicht, aber ich hatte keine Chance. Ich stand mit meinem gesamten Hausstand vor der Tür, hatte Zeitdruck, weil der Wagen noch ausgeräumt werden musste und es nur noch eine Stunde Luft gab, bis der Mietwagen eine weitere Stunde gekostet hätte. Circa fünf Jahre später habe ich durch Zufall die Kellertür offen gesehen und musste nachzählen, ich konnte nicht anders. Eigentlich überflüssig, da ich die Wohnung von einer Freundin hatte, die mir schon ein halbes Jahr nach Einzug bestätigte, dass es definitiv einen Keller gegeben hatte. Und natürlich gab es ausreichend Keller, sogar noch drei zusätzlich. Wo mein Keller abgeblieben war, konnte ich mir leicht vorstellen.

Die nette Dame wohnte auch noch Tür an Tür mit mir. So kam ich in den Genuss, sie (und das gesamte Haus) zu retten.
Was war passiert: Eines Tages kam ich nachmittags von der Arbeit nach Hause, als ich sie, auf einem Küchenstuhl im Flur sitzend, vorfand. Auf der Schwelle zu ihrer Wohnung - zwei Stuhlbeine in der Wohnung, zwei im Flur. Als sie mich erblickte, krallte sie sich in meinen Arm und meinte, ich möge ihr unbedingt folgen. Jetzt gleich. Sofort. Sie bekäme den Herd nicht aus.
Ich gebe zu, ich war irritiert. Zickte sie mich doch sonst immer nur an.
Nun gut, ich war und bin ja kein Unmensch.

Vergeben ist Pfadfinderpflicht, dachte ich mir und folgte ihr in die nach Bohnerwachs und Spießigkeit riechende Wohnung. Sie zog mich in die Küche und zeigte auf ihren Herd. Ein kurzer Blick und ich erkannte das Drama ...
Ein Wassertopf köchelte, mit dem sie irgendetwas bruzzeln wollte.
"Er geht nicht aus!", jammerte sie. "Ich habe schon vier Stunden auf dem Stuhl gesessen, aber es ist keiner nach Hause gekommen."
Vier Stunden. Wow. Das nenn ich mal Ausdauer für so eine tüttelige Dame, deren Blase bestimmt nicht mehr die beste war.
Ein Blick auf die Knöpfe des Herdes offenbarte ihr -hausgemachtes- Dilemma. In ihrem Putzwahn hatte sie so lange auf den Schaltknöpfen herumgerieben, bis keine Zahlen mehr erkennbar waren. Rechtzeitig Striche zu machen an den entsprechenden Stellen oder gar Kerben mit dem Messer zu graben, um wenigstens die Null-Stellung zu orten, war ihr nicht eingefallen. Kriegsgeneration eben. Man macht Kerben in seinen Gewehrholm, aber nicht in Herde!
Selbstverständlich hatten die Knöpfe eine Mini-Markierung, die, das muss ich zugeben, kaum sichtbar war. Auch ich musste suchen.
Und außerdem: Es war natürlich auch eine Gemeinheit des Herdes, dass er Elektroplatten hatte. Die Restwärme ließ nicht erkennen, ob die Platte noch heizte oder nicht. Und Geduld ist ab einem bestimmten Alter nicht mehr angesagt. Man hat schließlich in seinem Leben schon genug gewartet und muss die letzten Sekunden des Lebens auskosten. Auf die Gefahr hin, es werden auch die letzten Sekunden des restlichen Hauses. Wer war das noch, der gesagt hatte, wenn man sich umbringen will, soll man mindestens drei mitnehmen, die es verdient haben? So ein Mietshaus macht die Auswahl dann natürlich einfacher. Irgendwer wird schon dabei sein, der Dreck am Stecken hat. Ist ja eine Großstadt, in der man lebt. Die sind per se schon Sündenpfuhle. Ach ja, früher auf dem Land war alles besser und die Menschen zufriedener ...

Als ich, von vielen Dankesbekundungen verfolgt, meiner Wohnung zustrebte, im sicheren Gefühl, für kurze, viel zu kurze Zeit die Welt und speziell unser Haus gerettet zu haben, fragte ich mich, wie groß die Halbwertszeit solcher Dankbarkeit wäre. - Ich darf euch verraten:
NICHT sehr LANG.
Schon eine Woche darauf hörte ich wieder ihr Gekeife hinter mir bezüglich meines vollen Postkastens. Als ich dann aber Mahnungen bekam, weil sie dem Postboten gesagt hatte, ich würde nicht mehr in dem Haus wohnen (vermutlich weil ihr Gehör versagte und sie meine Musik nicht mehr durch ihr Fernseher-Getöse hörte, das allabendlich durch die Wand drang), hatte ich genug und suchte mir neue Nachbarn.

Die Nächsten warnten mich schon drei Tage vor Einzug, auf was ich mich vorzubereiten hatte. Ich habe nicht darauf gehört und musste büßen. Selbst schuld.
Ich hatte drei Tage vor Einzug die Schlüssel für meinen, nun definitiv zur Wohnung gehörenden, Keller bekommen, um schon Sachen einzulagern. Meine Wohnung wurde noch renoviert. Die Tapeten hatte ich mir zwar aussuchen dürfen, aber noch nicht an der Wand gesehen, da der Hauptschlüssel noch fehlte.
Die Beurteilung darüber erübrigte sich, da ich sie frei Haus geliefert bekam.
Während ich noch meine Kisten umschaufelte, um sie nach Zimmern sortiert schnell greifen zu können, wenn es losging, spürte ich im Genick ein leichtes Kribbeln. Als naturwissenschaftlich erzogener Mensch kann ich nur sagen, es müssen die freien Radikale gewesen sein, die meine Aura störten. Als ich mich umdrehte, stand da eine niedliche Oma, vermutlich Mitte sechzig mit Kittelschürze und einen Röntgenblick. Die Radikale waren unsichtbar, aber ich sollte sie noch zu spüren bekommen.
"Sie sind die Neue!", stellte sie fest. Während ich noch nickte, folgte umgehend: "Schöne Tapeten haben sie."
Irritiert blieb mir die Sprache weg und sie musste an meinem Gesicht gesehen haben, welche Frage mich beschäftigte. Also berichtete sie mir dreist, sie habe die Handwerker bemerkt und Kaffee gekocht und das Gebräu den Handwerkern heruntergebracht, da sie zwei Stockwerke über mir wohnte. Dabei seien ihr meine Tapeten ins Auge gefallen.
Ich war mir nicht ganz sicher, ob sie erwartete, dass ich ihr für den Kaffee dankte oder ihr einen Scheck ausschreiben sollte, aber sie fuhr schon fort, mir genau zu erzählen, wer noch in dem Haus wohnte, wie alt er wäre und was er treiben würde. Selbst die Freundinnen hatte sie schon gecheckt.
Ah ja. Gut zu wissen, dachte ich mir.

Ehrlich: Die Warnung half mir kein Stück. Ich achtete zwar darauf, wen ich in meine Wohnung mitnahm, aber das hatte ich vorher schon getan. Sehr ärgerlich. Ich lud auch keinen zum Kaffeeklatsch ein. Noch ärgerlicher. Wie sollte man so die Einrichtung durchhecheln mit der halben Straße. Oder die Kondome im Badezimmer suchen?
Sprich: Ich war ein echtes Ärgernis.
Das ging ja garnicht. Irgendeinen Aufhänger musste es geben. Ein halbes Jahr warteten sie, die nette Oma aus dem dritten Stock und die 20-Jahre ältere aus der Wohnung unter ihr. Dann hatten sie ihn gefunden:
Deutschlands liebster Sprengstoff in Mietshäusern. "Die Hausordnung".
Es ärgerte sie zu Tode, bzw. leider nur kurz vor Tode, dass ich nicht "ihre Zeit" zu nutzen schien. Samstags vormittags um 11 Uhr ist Hausordnungszeit. Nicht früher, nicht später.
Das weiß ich jetzt. Und halte mich immer noch nicht daran. Oh Schande.

Nachdem ich selbst auf ihr Klingeln nicht reagierte, bzw. die Haustür wieder vor der Nase der Dame schloss, war ich der Antichrist der Hausgemeinschaft. - Und stolz drauf.
Also nicht dass ich die Aufgabe verweigerte. Im Gegenteil. Ich wienerte die entsprechenden Stellen bis zur Selbstaufgabe ... nur nie um 11 Uhr an einem Samstag.
So gnadenlos wie sie und ihre Busenfreundin aus dem Stockwerk über mir, die mir dann alle drei Monate den Hausmeister auf den Hals hetzten, anonyme Zettelchen in den Briefkasten warfen oder die eine mich mit der ganzen Kraft einer über 80-jährigen in der Haustür einklemmen wollte, ernsthaft, sowas habe ich seit dem nie wieder erlebt.
Die Krönung kam, als im Winter die Wasserrohre einfroren. Auf ihrer Seite, nicht auf meiner. Kein Wunder, denn das Erdgeschoss und auch der erste Stock waren über Weihnachten nicht zu Hause und hatten alle Heizkörper abgedreht. Bei außenliegenden Rohren etwas risikoreich. Ich grinste, als ich die Gespräche im Hausflur mitbekam. Mit bester Laune strebte ich wieder in meine Küche, denn es galt einen Geburtstagskuchen fertigzustellen. Meinen. Es war der Vortag zu meinem Ehrentag.

Nachmittags klingelte es an der Haustür. Sie stand vor der Tür.
"Ach sie sind ja doch da. Ich wollte ihnen nur mitteilen, dass die Feuerwehr in ihren Keller eingebrochen ist. - Die Rohre sind eingefroren und Sie sind schuld, weil ihr Kellerfenster in Kippe stand."
"Wie bitte? Bei mir hat keiner geklingelt. Wie können die in den Keller, ohne dass bei mir jemand klingelt?"
"Ich habe denen gesagt, Sie sind nicht da. Sind Sie ja normalerweise auch nicht." Auch das klang vorwurfsvoll. Wie konnte ich denn nur arbeiten gehen. Eine gute deutsche Frau war vermutlich verheiratet und immer zu Hause. Aber es ging weiter: "In ihren Keller kommt man doch ganz einfach. Da muss man doch nur den Riegel etwas zur Seite schieben, dann geht die Tür auf, weil der Backstein morsch ist."
Danke, das wusste ich. Aber woher wusste sie das? Wie oft hatte Frau Tapetenforscherin schon in meinen Sachen gewühlt?

Jeglichen Protest von mir schüttelte sie ab wie eine Katze ein paar Regentropfen. Sie drehte sich einfach um und ließ mich verdattert stehen. Statt dessen hatte ich kurz darauf den nächsten Besuch des Hausmeisters, der mir ihre Klagen mitteilte. Lieblingsthema: Ich würde die Hausordnung nicht richtig machen. Und sie wäre eine so solide langjährige Mieterin, der man unbedingt Glauben schenken müsse.
Meinen Lappen, aus dem die Flecke der ersten "großen Hausordnung" nicht mal mit Kochen und Fleckensalz herausgingen, weil die ach-so-sauberen-Erzhausfrauen nur "runde Ecken" kannten, akzeptierte er nicht als Gegenargument. Auch nicht den Kalender, in dem ich die Tage sogar mit Tageszeit notiert hatte.
Also saß er nun zwei Tage nach Silvester, immer noch besoffen und drei Meter gegen den Wind nach Schnaps stinkend, in meiner Wohnung und weigerte sich, diese zu verlassen. Erst nachdem ich die Polizei kam, die ihm versuchte den Tatbestand des Hausfriedensbruch nahezubringen, jedoch an seinem Alkohol kläglich scheiterte, schlich er uneinsichtig wie eh und je von dannen.
Auf den Entschuldigungsbrief, den der Schiedsmann von ihr und dem Hausmeister gefordert hat, warte ich heute noch.

Ja, Nachbarn.
Man liebt sie, man hasst sie.
Aber man kommt ohne sie leider nicht durch die Welt.
Ich hoffe nur, ich mache es besser ...

In diesem Sinne wünsche ich Euch freundliche Nachbarn,
mit genau der Nähe, die ihr verkraften könnt.
Einen schönen Sonntagabend.

Abnehmgruppen auf Facebook:
Ich werde das Gefühl nicht los, es sind zum großen Teil
Tauschbörsen für Rezepte von / für potenziell Magersüchtigen
und Halbwahrheiten. Aber Gefühle sind frei. Selbst meine.

Noch...


Magere Gedanken
(Gedicht)

Kurzer Ausflug in Diätwelten-Gruppe.
Ade Bratkartoffel, hallo Magersuppe?
->Festgestellt: Nicht "meine" Welt.

Entschieden, lieber entspannt zu genießen.
Zufrieden rundlich, lass nichts mir vermiesen.

4/5tel des Lebens: ich schlank - nix Diät.
Das sollte euch reichen, ja sogar das geht.

Kannst nicht jeden retten, ganz sicher mich nicht.
Muss jeder selbst wissen, ob ihn das anficht.

... Bleibt nun zum Schluss noch die Kardinals-Frage:
... Eis? Kuchen? Pizza? Und welche Beilage?...


Ja, meine "schlanken" Tage sind vorbei. Definitiv, vermutlich endgültig.
Vollschlank! Wer hat sich so ein Augenwischer-Wort nur ausgedacht.
Irgendwann packte mich aber der Ehrgeiz und ich wollte noch Mal ...
Mein Jeans-Minirock, der gerade noch über einen Oberschenkel passte,
er hat mich dezent deprimiert. Gebe ich zu. Wenn auch nur kurz.

Voller Motivation also ab nach Facebook. Hier gibt´s Gruppen für alles?
Vom Fußpilz bis zum abgebrochenen Fingernagel wird einem geholfen.
Warum also nicht auch mir, dachte ich so.
Ein paar Erfahrungsaustausche und das Gefühl, nicht alleine zu kämpfen.
Und leckere Rezepte, die nicht nach Verzicht schmecken.

Als erstes musste ich feststellen, dass ich kein Deutsch konnte.
Xucker mit X. Muss ein Fehler sein, oder? Englische Tastatur und dann verrutscht.
Leider nein. Ich kann einfach kein Diät-Deutsch. Denn den gibt es.
Metabolismus, Detox, Grundumsatz, Formula, Glyx, usw. und so fort.
Zwei Wochen habe ich allein nur nachgelesen, wovon die Mitleidenden sprachen.
Jawohl Mitleidenden. Jubelrufe waren selten. Keiner war irgendwie zufrieden.

Dann beschloss ich, mich nur noch auf die Rezepte zu konzentrieren.
Ich öffnete also meinen Küchenschrank für Dinkelmehl und Xucker.
Und schloss ihn schnell wieder. Denn Abnehmen ist teuer.
Am sichersten nimmt man am Portemonnaie ab.
Eigentlich logisch: was man teuer bezahlt hat, um es auf die Rippen zu kleben,
sollte man genauso teuer auch wieder verlieren müssen. Strafe muss sein.

Immerhin, ich war immer noch willig. Habe mich durch Foren gelesen, nächtelang.
Und Menschen beobachtet. Menschen auf einer Mission gegen alles, was Spaß macht.
Nicht böse sein, ich kann nicht anders. Es ist mir wie eine zweite Haut.
Warum macht wer was warum und wie? Ich hinterfrage alles, selbst mich.
Es war schon merkwürdig. Ich habe ja oben erwähnt, dass nur wenige zufrieden waren.
Der Trend setzte sich fort. Wo immer ich hinkam, der gleiche Tenor:
"Ich habe jetzt 50 kg abgenommen, aber ich will 60. " Oder:
"Ich habe vorgestern eine Pizza gegessen. Seit dem habe ich nicht mehr gesch... jetzt wiege ich 50 Gramm mehr. Wie kann das sein?"
Schlimm. Das zog mich herunter. Mehr noch als mein Jeans-Minirock.
(Nun gut, der wog aus Stoffmangel auch nicht so viel.)

Was mich dann aber wirklich aufregte, war ein Post, der mich erschreckte.
Falsch, dessen Antworten mich erschreckte. So muss das lauten.

Eine Dame meinte, sie würde jetzt nach Abnahme 65 kg wiegen und
wollte noch 10 weitere verlieren. Ihre Waage allerdings stockte und sie war verzweifelt.
Rasch kamen massenweise Tipps. Das aggressive Ping-Ping von Facebook ließ keine andere Beschäftigung mehr zu. Also wollte ich sehen, was da so megainteressant sein sollte. - Und habe alle Posts gelesen.

OMG.

Keiner, absolut keiner hinterfragte die Ausgangssituation.
Niemand wollte wissen, wie groß die Dame war. Wie sich das Verhältnis zusammensetzte, was sie vorher wog. Wieviel sie in welcher Zeit abgenommen hatte. Ob es realistisch war.
Wie alt war sie überhaupt?

Nun wusste ich aus eigener Erfahrung, dass 65 kg sehr schlank sein können.
(Oh schön war die Zeit. Da passte auch noch der Jeans-Mini!)
Und meine Gedanken waren bei der Posterin. Wer war sie?
War sie vielleicht nur 1,60m oder doch 1,80m?
Ich machte mir Sorgen, sie könne ins Untergewicht fallen.
Schlimmer noch: MAGERSUCHT
Denn wo ist die Grenze von schlank zu mager?
Wie lange ist Abnehmen gesund und ab wann wird man krank?

Ich musste eingreifen. Habe laut STOP gerufen und erstmal nachgefragt.

Und dann kamen die Shit-Posts!
Fast genau so viele wie vorher Tipps.
Ich war schlagartig der Anti-Christ der Abnehmgruppe.
Hallo? Geht´s noch? Was war mein Fehler?
Weil ich mir Sorgen um eine der ihren gemacht habe?

An dem Tag beschloss ich, mit etwas Speck auf den Rippen schlägt sich
mein Freund nicht die Knochen blau, wenn er mich umarmt.
Und das ist gut so.
In einer Gruppe zu sein, die sich so wenig um sich selbst kümmert,
und noch weniger auf andere Acht gibt, möchte ich nicht sein.
Niemals. Und niemals wieder.

Ich erklärte meinen Abschied, reimte das oben gepostete Gedicht und das war´s.
Und habe es nicht bereut.
(Und meinen Jeans-Mini hebe ich trotzdem auf. Er ist eine Erinnerung an eine andere Zeit. Nicht mehr und nicht weniger. Ohne Reue, ohne Depri.)

In diesem Sinne:
Man muss schon auf sich selbst aufpassen. Ein anderer wird es nicht tun.

Ich wünsche Euch einen entspannten Tag.